Zum Hauptinhalt springen

Gegen traditionelle Rollenbilder und Geschlechterverhältnisse - Für sexuelle Selbstbestimmung!

Die Frauenbewegungen der letzten Jahrzehnte haben auf dem Feld formaler Gleichberechtigung Fortschritte erzielen können. Frauen können ohne Unterschrift ihres Mannes einen Beruf wählen. Frauenlohngruppen wurden abgeschafft. Diese erkämpften Rechte scheinen hier und heute selbstverständlich zu sein. Aber auch im scheinbar fortschrittlichen Deutschland gibt es trotz formaler Gleichheit eine strukturelle Benachteiligung der Frau, die sich z.B. in Form von niedrigeren Löhnen zeigt. Durch das Profitstreben des Kapitalismus werden Löhne gesenkt, staatliche Leistungen auf die Familie abgewälzt und der überwiegende Teil unbezahlter Haus- und Pflegearbeit Frauen aufgezwungen.

 

Bei dieser ökonomischen Analyse darf eine linke Organisation jedoch nicht stehen bleiben. 

Unter Sexismus fallen alle Formen der Diskriminierung auf Grund des Geschlechtes auf gesamtgesellschaftlicher und individueller Ebene. 

 

Sexismus bedeutet, dass Männer und Frauen auf ihre Geschlechtlichkeit reduziert und ihnen unveränderbare „Wesenseigenschaften“ aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit zugeschrieben werden. Diese biologistische Sicht auf soziale und kulturelle Sachverhalte lehnen wir ab. Sie widerspricht dem egalitären Prinzip des gleichen Rechts aller, ihr Leben ungehindert von traditionellen Vorgaben und angeblich „natürlichen“ Unterschieden nach eige­nen Vorstellun­gen diskriminierungsfrei zu führen.

 

Weibliche Körper werden in Werbung und Medien idealisiert, sexualisiert und als käuflich dargestellt, wodurch sexistische Rollenbilder reproduziert werden und Diskriminierung gefördert wird. Zum Hinterfragen von Geschlechterrollen gehört auch das Hinterfragen der Heteronormativität. Die Vorstellung rein binärer Geschlechter ist ein längst überholtes Konzept, das um Ansätze der Queer Theorie, wie Trans- und Intersexualität, ergänzt werden muss. Heteronormativität muss in Gesellschaft, Politik und Medien grundlegend hinterfragt und bekämpft werden. Die Akzeptanz jeder Form von auf Gegenseitigkeit und Einvernehmlichkeit beruhenden Beziehungen ist von elementarer Bedeutung für die freie Entfaltung aller Menschen. Der Zuordnungszwang in ein mit bestimmten gesellschaftlichen Erwartungen verknüpftes Geschlecht ist nicht nur einschränkend und übergriffig, sondern vernachlässigt auch die freie (sexuelle) Entfaltung und Definitionshoheit einer*s jeden. Um das Aufbrechen dieses heteronormativen Konstrukt voranzutreiben muss auch bei der sexuellen Aufklärung Wert darauf gelegt werden diese zu ergänzen um vielfältige Formen von Sexualität, die gleichberechtigt neben traditionellen Vorstellungen bestehen.

 

Auch das Problem von sexualisierter Gewalt muss in den öffentlichen Diskurs gelangen. Gewalt gegen Frauen ist komplex und hat viele Ursachen. Die unglaubliche Anzahl der Fälle (jede dritte Frau weltweit ist Opfer von Gewalt) zeigt aber, dass es ein gesellschaftliches Phänomen ist und gesellschaftliche Ursachen hat. Sexualisierte Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen, sondern kann auch ein anzüglicher Witz oder ein Hinterherpfeifen sein. Grenzverletzungen sind je nach Sozialisation, vergangenen Erfahrungen, momentanen Stimmungen und aktuellem Befinden immer subjektiv. Daher sind eine Sensibilisierung bezüglich sexistischem und grenzverletzendem Verhalten und das Etablieren von antisexistischen Konzepten notwendig.

 

Auch wir als Linke leben innerhalb dieser Strukturen und sind nicht frei von traditionellen Rollenbildern. Männlich dominantes Verhalten und Mackergehabe gehören zum Alltag der politischen Praxis und sind quasi Voraussetzung um öffentlich gehört zu werden. Homophobie und Heterosexismus sind Phänomene, die auch in linken Parteien noch weit verbreitet und unhinterfragt bleiben. An dieser Stelle muss die Partei verstärkt ihre eigene Praxis und ihre Strukturen zu hinterfragen. Denn nur mit einem entsprechenden Bewusstsein und der Bereitschaft zur Selbstreflektion ist es möglich, die Gesellschaft grundsätzlich zu verändern.

 

Der Aufschrei sollte nicht vereinzelt und virtuell bleiben. Es wird Zeit für eine neue frauenpolitische Bewegung. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, sie aufzubauen. Die Linksjugend ['solid] hat sich diese Thematik zu einem Schwerpunkt im Jahr 2013 gemacht. 

 

Konsequenzen und Forderungen an den Bremer Landesverband:

 

  • Der Landesverband beschäftigt sich innerparteilich verstärkt mit feministischen Themen und bleibt nicht bei der Forderung nach gleichen Löhnen stehen. 
  • Der Landesvorstand wird Materialien erstellen, in denen sexistische Frauendarstellung in Schulbüchern, Werbung, Medien und Politik thematisiert wird.
  • Der Landesvorstand wird im Bundestagswahlkampf mindestens eine Veranstaltung zur Geschlechterproblematik organisieren, in der nicht bei einer rein ökonomischen Analyse stehen geblieben wird, sondern auch traditionelle Rollenbilder und Beziehungsmuster berücksichtigt werden. 
Zurück zum Kopf der Seite