Zur gestrigen Veranstaltung der St.-Martini-Gemeinde: International organisierte christlich-fundamentalistische Netzwerke sind eine Gefahr für Demokratie und die Rechte von Frauen und Queers
Am gestrigen Samstag fand der von der Bremer St.-Martini-Gemeinde gemeinsam mit der ADF International und dem Gemeindehilfsbund Walsrodeveranstaltete Studientag „Christenverfolgung in Deutschland!?“ statt. Die evangelikale St.-Martini-Gemeinde steht schon lange für Queerfeindlichkeit und Antifeminismus in der Kritik, insbesondere aufgrund verschiedener Äußerungen ihres Pastors Olaf Latzel. Die Kooperation mit der ADF International (Alliance Defending Freedom) zeigt darüber hinaus deutlich die Verbindungen in internationale christlich-fundamentalistische Kreise.
Elisabeth Frey, queerpolitische Sprecher*in im Landesvorstand der Linken Bremen, macht deutlich: „Die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie. Doch wenn ebendiese Freiheit missbraucht wird, um die Rechte von Frauen und queeren Menschen auszuhöhlen, dann darf das nicht unkommentiert bleiben. Die Veranstaltung "Christenverfolgung in Deutschland?!" ist ein weiterer Versuch, sich als Opfer zu inszenieren. In den Augen der Martini Gemeinde ist alles, was sich theologisch argumentieren lässt und von der Bibel gedeckt ist, von der Religionsfreiheit geschützt. So wollen sie auch Hass und Hetze gegen queere Menschen begründen. Für Fundamentalisten kommt die Religionsfreiheit im Falle einer Rechtsgüterabwägung immer vor den Persönlichkeitsrechten eines Individuums oder einen ganzen Gruppe.“
Der Gemeindehilfsbund aus Walsrode arbeitet schon länger mit der St.-Martini-Gemeinde zusammen. Der Prediger Johann Hesse, Mitglied im Bruderrat des Gemeindehilfsbunds stand einige Male auf der Kanzel der Gemeinde, war aber auch als Redner auf Querdenkerdemos in der Coronazeit zu hören. Seine Familie engagiert sich für die AfD.
Die ADF International ist ein Ableger der „Alliance Defending Freedom“, die in den USA strategisch Präzedenzfälle verfolgt, um juristische Fakten zu schaffen. Unter anderem stand sie hinter der Kampagne, die zu den massiven Einschränkungen der Abtreibungsrechte in den USA geführt hat. Vom Southern Poverty Law Center wird die ADF daher als „anti-LGBT“ Hassgruppe eingestuft. Die ADF greift als christlich-fundamentalistische Lobbyorganisation neben dem Recht auf körperliche Selbstbestimmung Schwangerer auch die gleichgeschlechtliche Ehe und die Rechte von Trans-Personen an. ADF International, der globale Arm der ADF, ist in der ganzen Welt aktiv, und so auch in Deutschland. Hier vertritt sie immer wieder Gruppierungen, die ihr Recht auf die so genannte "Gehsteigbelästigung" vor Abtreibungskliniken unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit durchsetzen wollen. Vorsitz der ADF International hat aktuell Felix Böllmann inne, der Olaf Latzel vor dem Landgericht Bremen verteidigte, als er sich wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung verantworten musste. In einem Eheseminar hatte Latzel von "Genderdreck" und "Verbrechern" auf dem Christopher-Street-Day gesprochen.
Angesichts der in der gestrigen Veranstaltung wieder offen zutage getretenen Verbindungen der (trotz ruhender Beteiligung) in der Bremischen Landeskirche organisierten St.-Martini-Gemeinde hin in christlich-fundamentalistische und rechtsextreme Kreise schlussfolgert Frey: „Solche fundamentalistischen Netzwerke sind eine große Gefahr für die Demokratie und die Rechte von Frauen und queeren Menschen, die man nicht länger unterschätzen darf, denn sie sind finanziell gut ausgestattet und haben Verbindungen in der ganzen Welt.“
