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Klimastrategie für das Land Bremen bis 2030

Mit einhunderttausend Akteuren an einem Strang ziehen – wie das gehen kann, das war das Thema der 6. Sitzung der Enquete-Kommission mit dem etwas sperrigen Titel „Gebäude, Wohnen, Stadtentwicklung und Klimaanpassung“.

Einhunderttausend Eigentümer*innen von Wohnraum gibt es in etwa in Bremen: 57 % davon sind selbstgenutzte (45 %) oder vermietete (12 %) Eigenheime und Eigentumswohnungen. 2/3 der Eigentümer*innen sind Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Die übrigen 43 % der Wohnungen gehören privaten oder öffentlichen Wohnungsunternehmen. Um den Gebäudebestand und das Wohnen insgesamt zukünftig klimaneutral zu machen, werden sie alle letztlich einbezogen werden müssen.

Mit Einstiegsreferaten über die Ist-Situation und die bevorstehenden Aufgaben und Ansatzpunkte informierten zunächst die beiden Expert*innen der Kommission, Frau Cornelia Rösler (Deutsches Institut für Urbanistik) und Herr Hans Erhorn (Fraunhofer Institut für Bauphysik). Sehr schnell wurde damit klar, wie schwer und wie umfangreich die Aufgaben in diesem Bereich sein werden. Während Hans Erhorn sich im wesentlichen auf die Fragen von Wohnungsmarktstruktur und den Chancen von Sanierungen, Nutzbarkeit für erneuerbare Energien und der Vorbildfunktion der öffentlichen Gebäude bezog, schlug Cornelia Rösler den Bogen zu den vielfältigen Ansätzen einer klimafreundlichen Stadtstruktur (Stadt der kurzen Wege, klimafreundliches Bauen, Klimaschutzsiedlungen etc.) und den notwendigen Klimaanpassungsmaßnahmen (Begrünung, Quartiersanpassung, Entwicklung von Kohlenstoffsenken).

Ein Thema, das im weiteren Verlauf der Sitzung durch Staatsrätin Iris Reuther, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS), weiter vertieft wurde im Hinblick auf die bereits angelaufenen Maßnahmen und zentrale Eckpunkte der weiteren Bremischen Siedlungs- und Flächenentwicklung. Vorrang hat dabei die Innenentwicklung im zentralen Siedlungsbereich, um Flächenverbrauch zu minimieren, die Entwicklung von nahen Versorgungszentren in den Quartieren und die Anhebung von Sanierungsstandards vor allem in Klimaquartieren, öffentlichen Gebäuden und Neubauquartieren. In der bisherigen Klimaanpassungsstrategie nehmen Starkregenereignisse und die Versickerung großer Wassermengen eine zentrale Rolle ein.

Viele Elemente der Bremer Strategien in diesem Bereich wurden auch von der Vertreterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin, Frau Elke Plate, als wesentliche Faktoren für die Stadtentwicklungspläne (STEP) in Berlin hervorgehoben. Dort spielt allerdings die Kühlung der Stadt noch eine wesentlich größere Rolle als in Bremen. Die Berliner gehen zukünftig von einer durchschnittlichen Temperatur aus, die in etwa der des heutigen Roms entspricht.

Klimaschutz und Klimaanpassung sind auch zentrale Punkte der zukünftigen Gewerbeflächenentwicklung in Bremen in dem gerade in der Fortschreibung befindlichen Gewerbeentwicklungsplan 2030. Neben der Aufwertung der grünen und blauen Infrastruktur steht dabei der Förderung z.B. im Rahmen der Solar City Strategie, der besseren Flächennutzung aber auch die Einbindung neuer Mobilitätskonzepte (Gleisanschuss, Radwegekonzept, Verkehrsvermeidung) im Vordergrund.

Neben diesen übergeordneten Themen blieben dennoch die konkreten Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Wohnnutzung von Gebäuden und den damit verbundenen klimapolitischen Herausforderungen im Mittelpunkt. Thomas Tietje, Geschäftsführer der Brebau, wies dabei auf eine Vielzahl von Hindernissen z.B. im Hinblick auf die Nutzung erneuerbarer Energien (insbesondere steuerrechtliche Probleme) in ihren Wohnanlagen hin, wodurch Wohnungsunternehmen bei einem vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien nicht mehr die Steuervorteile der Wohnungswirtschaft genießen würden. Er betonte mehrfach, dass sich nach ihrer Auffassung die Sanierungsmaßnahmen immer nach dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit rechnen lassen müssten – ein Problem, auf das schon Hans Erhorn zu Beginn hingewiesen hatte, allerdings mit der Stoßrichtung, dass die „Wirtschaftlichkeit“ nach anderen Kriterien bewertet werden müsste, nämlich nicht nach Abschreibungsfristen oder Umlagemöglichkeiten auf die Mieter, sondern unter Einbeziehung der  Klimaauswirkungen und die gesamte Nutzungsdauer der Maßnahmen.

Da für die Wärmeerzeugung ca. 2/3 des Energieverbrauchs in Wohngebäuden verwendet werden, hat das Fraunhofer IFAM Institut den Wärmeatlas für Bremen erstellt, den Dr. Karin Jahn vorstellte, und auch Szenarien hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung entwickelt. Diese zeigen, wie sich Sanierungsmaßnahmen auf den Wärmebedarf auswirken. Der Wärmeatlas geht allerdings davon aus, dass trotz verstärkter Sanierungen (Spar-Szenario) bis 2030 lediglich eine Senkung des Wärmebedarfs um 10 % und bis 2050 um ca. 25 % erreichen lässt. Ein klimapolitisches Armutszeugnis.

Ob sich hieran durch serielles Sanieren von Gebäuden z.B. durch das Energiesprong-Konzept, dass derzeit von der DENA, Deutsche Energie Agentur, entwickelt wird und in der Kommission von Herrn Uwe Bigalke vorgestellt wurde, lässt sich bislang nicht absehen, da dieses noch „in den Kinderschuhen“ steckt. Dieses Modell wurde in den Niederlanden entwickelt und sieht im wesentlichen eine Vorfertigung von Gebäudehüllen zur Wärmedämmung unter gleichzeitigem Einbau neuer Wärmequellen (Wärmepumpen) vor, die eine sehr schnelle Sanierung ermöglichen und dadurch bei verbreitetem Einsatz auch wesentlich kostengünstiger werden könnte.

Die umfangreichen Problemstellungen in diesem Sektor werden es der Enquete-Kommission nicht leicht machen, hier geeignete Maßnahmen zu entwickeln, die dem Anspruch auf Reduzierung des Koalitionsziels einer 80 %igen Reduzierung des CO2-Ausstoßes bis 2030 nahe kommen. Ingo Tebje: „Die Klimaziele werden ohne eine hohe Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand in eine klimaneutrale Fern-, Nah- und Kälteinfrastruktur nicht erreichbar sein.“ Darüber und über gesetzliche Vorgaben und zu schaffende Förderkulissen wird in den kommenden Monaten noch viel zu reden, zu entwerfen und umzusetzen sein… [Zappo]


Enquetekommission „Klimaschutzstrategie für das Land Bremen“: Mehr


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