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Bericht zur 3. Sitzung der Enquete-Kommission

Wasserstoff – Allheilmittel auf dem Weg zur Klimaneutralität oder doch nur ein Baustein von vielen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 3. Sitzung der Enquete-Kommission „Klimastrategie für Bremen bis 2030“. Dafür hatte die Kommission hochkarätige Gäste eingeladen: Thorsten Herdan, den Leiter der Abteilung ‚Energiepolitik – Wärme und Effizienz‘ beim Bundeswirtschaftsministerium, und Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie Hans Georg Tschupke, der bei der Senatorin für Arbeit, Wirtschaft und Europa, Bremen, für die Umsetzung der sog. Norddeutschen Wasserstoffstrategie zuständig ist.

Thorsten Herdan stellte die erst kürzlich verabschiedete Wasserstoffstrategie der Bundesregierung vor, die zum Ziel hat, die Wasserstofftechnologie – basierend auf Herstellung durch erneuerbare Energien – auf industriell nutzbare Dimensionen hochzufahren. Dafür sind bis 2030 nach seiner Darstellung 5 GW zusätzliche Energie aus Windkraft und Solaranlagen notwendig. (Das wären z.B. 500 – 600 neue Offshore-Windenergieanlagen.) Diese müssten zusätzlich errichtet werden zum ohnehin beabsichtigten Ausbau von Offshore-Anlagen, um die für die Wasserstoffproduktion notwendige Energie bereitzustellen. Mit der so gewonnenen Energie könnte dann dennoch nur der Energiebedarf z.B. zum Betrieb von 4 Stahlwerke gedeckt werden. Nur wenn Wasserstoff aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, hat er tatsächlich eine klimaschützende Wirkung. So leugnete er nicht, dass zur Herstellung von ausreichenden Mengen Wasserstoff noch lange Zeit z.B. auf Erdgas zurückgegriffen werden müsse.

Hier hakte Claudia Kemfert nach und wies darauf hin, dass bei der Produktion von Wasserstoff durch Erdgas lediglich mit einer Reduzierung von lediglich ca. 20 % des CO2-Ausstoßes gegenüber der Herstellung auf Kohlebasis zu erreichen sei. Für sie war daher der einseitige Blick auf den Aufbau einer großen Wasserstofftechnologie zu wenig. Der Einsatz sei nur dort sinnvoll, wo andere Energieträger, insbesondere die direkte Nutzung von Strom, praktisch nicht möglich ist. Alle anderen Bereiche sollten möglichst direkt auf Strombasis entwickelt werden, zumal bei der Herstellung und dem Einsatz von Wasserstoff als Energieträger ein Verlust von 30 bis 35 % der ursprünglich gewonnenen elektrischen Energie nicht zu vermeiden sei. Ein Drittel der Energie gingen also hier „verloren“. Beim Aufbau der Wasserstofftechnologie sei mit einem zusätzlichen Strombedarf von 25 bis 30 % zur heutigen Stromerzeugung notwendig, davon müssten ca. 85 % importiert werden, was auch nur sinnvoll sei, wenn die Transportwege (Schifffahrt) klimafreundlichen aufgestellt werden können.

Hans Georg Tschupke machte deutlich, dass Norddeutschland ein prädestinierter Standort für den Aufbau der Wasserstofftechnologie sei. Der Offshore-Strom wird in unmittelbarer Nähe produziert, Kavernenspeicher sind vorhanden, die Häfen für den Import stehen zur Verfügung und nicht zuletzt gibt es eine große Bandbreite wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen, die sich mit diesem Bereich beschäftigen. Alles in allem eine sehr gute und perspektivisch auch wirtschaftlich tragfähige Ausgangslage. Er wies hier auf die Entwicklungen im Gewerbegebiet Luneplate in Bremerhaven hin und auch auf die Forschungen bei Airbus, wo bis 2035 ein völlig neu konstruiertes erstes klimaneutrales Flugzeug entwickelt werden soll. Insbesondere in den Belegschaften der großen Bremer Betriebe wie Airbus und Mercedes werde die Entwicklung von Alternativen zur bisherigen Technologie einerseits als notwendig anerkannt und andererseits mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, um die Arbeitsplätze erhalten zu können.

Das Thema wird die Enquete-Kommission sicherlich bis zum Ende begleiten und in allen Themenbereichen Diskussionsstoff bieten.

Vor dem Schwerpunktthema hat die Kommission am Freitag die Einrichtung von zunächst 6 Arbeitsgruppen zu den Themen: „Energie und Abfallwirtschaft“, „Industrie und Wirtschaft“, „Gebäude, Wohnen, Stadtentwicklung, Klimaanpassung“, „Mobilität und Verkehr“, „Klimabildung und Wissenschaft“ und „Konsum und Ernährung“ beschlossen und sich über die Arbeitsweise der Arbeitsgruppen verständigt. [Zappo]


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