Die Linke verhält sich häufig konservativer und patriachalischer als andere Parteien – sie muss sich ändern, findet Vorsitzende Gesine Lötzsch. Ein Gastbeitrag.
Warum schlagen die Wellen um den Bundespräsidenten so hoch? Augenscheinlich bewegt ein privater Hauskredit über eine halbe Millionen Euro die Menschen mehr als Milliarden Steuergelder, die zur Rettung von maroden Banken ausgegeben werden. Es gibt wenige Menschen, die eine Bank besitzen, aber es gibt Millionen Menschen in unserem Land, die jeden Monat ihren Hauskredit mit hohen Zinsen abzahlen müssen. Sie haben keine Traumkonditionen für ihr Darlehen bekommen. Sie haben offensichtlich nicht das richtige Amt und nicht die richtigen zahlungskräftigen Freunde.
Ich erwähne das Beispiel, weil es gleichzeitig ein Problem der Linken beschreibt. Bei all unseren guten Analysen werfen wir häufig einen Blick von außen auf unsere Gesellschaft. Wir erklären globale Finanz- und Wirtschaftskrisen. Wir erläutern die Zusammenhänge von Kapitalquoten, Kreditausfallversicherungen, Staatsschulden, Eurobonds und Exportüberschüssen. Unsere Prognosen über den Fortgang der Krise sind häufig zutreffend. Wir haben zum Beispiel die katastrophale Entwicklung in Griechenland präzise vorausgesagt. Doch das Wissen über die Krise und genaue Prognosen führen nicht dazu, dass die Menschen in der Krise verstärkt der Linken vertrauen. Wir werden erst wieder erfolgreicher, wenn es uns besser gelingt, die großen Zusammenhänge mit den alltäglichen Erfahrungen der Menschen zu verbinden. Aber auch das ist nicht hinreichend. Auch wenn wir in der Analyse der Finanz- und Wirtschaftskrise des Kapitalismus richtig liegen, nutzt das den Menschen wenig. Sie erwarten konkrete Alternativen.
der ganze Artikel hier: der Freitag v. 11.01.12
http://www.freitag.de/politik/1202-raus-aus-den-hinterzimmern