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20. Dezember 2011 Von Michael R. Krätke, in Blätter für deutsche und internationale Politik, H. 12/2011

Erfurt zum Zweiten. Ein linkssozialdemokratisches Programm für eine sozialistische Partei

Ein hübscher Regieeinfall: Zum Einstimmen auf den Programmparteitag der Linkspartei in Erfurt durfte eine Riege von Parteiprominenten ausgewählte Kernsätze des alten Erfurter Programms der SPD von 1891 szenisch vorlesen. Dies uralte Programm, an dem Karl Kautsky und Eduard Bernstein und, diskret im Hintergrund, Friedrich Engels höchstpersönlich mitgeschrieben haben, war kurz und knackig, vier und eine halbe Seite lang.Und es ist noch immer des Lesens wert. Etliche seiner zentralen Aussagen stimmen sogar heute noch, allen zwischenzeitlichen Transformationen des Kapitalismus zum Trotz: Wir leben tatsächlich in einer Welt, in der der „Abgrund zwischen Besitzenden und Besitzlosen“ sich ständig erweitert. Wir machen in der Tat Krisen durch, die immer „umfangreicher und verheerender“ werden, die „allgemeine Unsicherheit“ der Lebenslage wird in der Tat zum „Normalzustand“ für wachsende Teile der lohnabhängigen Bevölkerung in allen kapitalistischen Ländern. Mit diesem Kapitalismus geht es nicht gut und es kann nicht so weiter gehen.

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