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17. Dezember 2009 Elmar Altvater im Gespräch mit der WOZ (17.12. 2009)

«Wir überlassen die Klimapolitik den Spekulanten»

Ist die Wirtschaftskrise tatsächlich schon vorbei? Wer kann politisch profitieren? Bringt der Green New Deal die Lösung? Und wie sieht eine solidarische Ökonomie aus? Der renommierte Ökonom Elmar Altvater im Gespräch mit der WOZ.
WOZ: Vor etwas mehr als einem Jahr ging die Investmentbank Lehman Brothers Konkurs. Der bekannte His­toriker Eric Hobsbawm misst dem Datum eine grössere Bedeutung zu als dem 11. September 2001. Hat Hobs­bawm unrecht?
Elmar Altvater: Sicher nicht. Warum?
WoZ: Weil sich seither nicht viel verändert hat. Die Investmentabteilungen der Banken schreiben fette Gewinne, die UBS spricht von 25 Prozent Eigenkapitalrendite, die Schweiz ist ganz offiziell aus der Rezession ...
Altvater: Das sind Illusionen. Die Krise ist in keiner Weise überwunden. Was den Eindruck erweckt, die Krise sei vorbei, ist das billige Geld, mit dem die Zentralbanken – allen voran die Fed in den USA und die EZB in Europa – den Finanzsektor nachgerade fluten. Aber die Banken haben noch immer toxische Wertpapiere, nur müssen sie sie nicht versilbern, weil sie von den Zentralbanken Geld nachgeworfen kriegen. Niemand weiss allerdings, wie viele solcher Papiere noch exis­tieren. Sie schlummern in den Tresoren und Kellern der Banken. Und irgendwann werden sie ans Tageslicht kommen, und man wird feststellen, dass noch grosse Abschreibungen gemacht werden müssen. Die guten Geschäfte machen die grossen Investmentbanken, also nicht die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, mit Staatsanleihen, die die Staaten platzieren müssen, um mit dem Geld den Banken das verspekulierte Eigenkapital zu ersetzen. Das ist ein diabolisches Spiel, noch dazu, wenn sich die Bankmanager wegen der guten Geschäfte mit dem Geld der Steuerzahler Boni und Prämien genehmigen und empört deren Begrenzung zurückweisen.
Auch die Realwirtschaft hat die Krise keinesfalls überwunden. Die Automobil­industrie muss bis zu einem Drittel ihrer Kapazitäten abbauen. Die Abschreibungen sind noch nicht gemacht. Opel hat man versucht, zu retten. Aber eine der grossen Automobilfirmen wird dran glauben müssen.

Das Interview mit Altvater lesen unter www.woz.ch/artikel/2009/nr51/wirtschaft/18728.html

Quelle: Wochenzeitung Woz (Zürich) vom 17. Dazember 2009