Im Zuge der Informatisierung aller Wirtschaftszweige bilden sich neue Formen der Wertschöpfung. Wie beim Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft wandeln sich soziale Strukturen, Wertesysteme, Verhaltensmuster und der Arbeitsbegriff - und zwar grundlegend.
Kommunikation ist ein Fundament der Gesellschaft. Veränderungen in den dominierenden Kommunikationsweisen haben grundlegende Veränderungen der Gesellschaft zur Folge. In der Zivilisationsgeschichte führten vor allem zwei Veränderungen bei den Kommunikationsformen zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen: die Entwicklung der Schrift und die Erfindung des Buchdrucks. Betrachtet man die Entwicklung elektronischer Medien als Innovation der Datenträger und Kommunikationsformen, dann müssen wir uns auf mindestens ebenso große Umbrüche gefasst machen. Das Internet als „Buchdruck der Neuzeit“ senkt nicht nur den Aufwand zur Vervielfältigung und Verbreitung von Informationen, sondern es verändert die Art, wie Menschen ihre Fähigkeiten verbinden und weiterentwickeln können. Damit verändert es auch jeden Aspekt unseres Denkens: Wahrnehmung, Gedächtnis, Sprache, Vorstellungsvermögen und vieles andere mehr. Solche Wirkungen hatten auch andere ehemals „neuen Medien“ wie Sprache, Schrift und Buchdruck – nur dass heute alles ungleich schneller abläuft. Auch das, was wir „Arbeit“ nennen, wird allmählich neu definiert.
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Quelle: Berliner Republik, Heft 5/2011
Ulrich Klotz: Ingenieur und Informatiker, war Mitarbeiter beim Vorstand der IG Metall für die Themen Forschungspolitik, Wissensgesellschaft und Arbeitsformen der Zukunft -- geb. 1948