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4. März 2010 Von Sieglinde Friess ist ver.di-Fachbereichsleiterin für den Bereich »Bund/Länder und Gemeinden«

Überall »Krise« - nur nicht bei den Frauen?!

Glaubt man dem Gender-Mainstream, ist Vollzug in Sachen Gleichberechtigung zu melden: So viel Gleichberechtigung wie heute war nie in der Geschichte. Gegen solche Komparative sind grundsätzliche Zweifel angebracht. Doch darüber hinaus zeigt gerade der Krisen-Alltag jenseits von Finanzmarktentwicklungen, dass die Krise keineswegs geschlechterneutral verarbeitet wird und werden soll, so Siggi Friess. Zwischen Ausschluss vom Arbeitsmarkt und prekärer Integration liegt ein weites Feld bekannter Diskriminierungsformen. Man darf gespannt sein, wie dieses nach der Neubesetzung des Arbeitsministeriums mit der CDU-Familien-, Frauen-, Jugend- und Senioren-Expertin von der Leyen beackert wird.
Tag für Tag werden uns die verschiedenen Facetten der »Krise« präsentiert: Manager haben sich »verzockt«, Banken »leiden Not«, Unternehmer »tragen schwer an ihrer Verantwortung«. Die Antworten sind entsprechend: »Notleidenden muss geholfen werden«. Der Staat springt mit Milliarden ein, um Banken und private Unternehmen zu retten. Doch bislang stand nur auf den Wahlplakaten, dass »Zockern« und »Spekulanten« in Zukunft Grenzen gesetzt würden. Dagegen setzt sich die gigantische Umverteilung zugunsten der Unternehmensgewinne fort. Insofern wird die Rede von der Krise m.E. nur benutzt. Dazu trägt bei, dass in der Krise so über »Ökonomie« gesprochen wird, als hätte diese nur etwas mit Börsenkursen zu tun. Ich schlage eine völlig andere Tagesordnung vor: Gerade jetzt müssen wir über die konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen sprechen.

weiterlesen: www.linksnet.de/de/artikel/25389

Sieglinde Friess ist ver.di-Fachbereichsleiterin für den Bereich »Bund/Länder und Gemeinden« in Hamburg. Der vorliegende - leicht bearbeitete - Text basiert auf einem Vortrag, der im August 2009 vor dem ver.di-Frauennetzwerk Hamburg gehalten wurde.

Kontakt: ver.di Fachbereiche 6/7, Frauennetzwerk, Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg

Quelle: express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, Ausgabe 11/09