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29. Januar 2010 Wolfgang Storz in FORUM Wissenschaft, Heft 4/2009

Journalistisches Kerngeschäft: Demokratie. Deutsche Tageszeitungen in der Krise

Tageszeitungen scheint das letzte Stündlein geschlagen zu haben. Betriebswirtschaftliche und journalistische Belange geraten immer stärker miteinander ins Gehege; JournalistInnen ebenso unter Druck wie lange schon andere ArbeitnehmerInnen. Im Kampf ums Soziale und um die gesellschaftspolitische Aufgabe des Journalismus plädiert Wolfgang Storz für eine neue Rolle der JournalistInnen.

In den USA sind die Tageszeitungen im freien Fall - unter http://www.newspaperdeathwatch.com kann die ständig aktualisierte Totentafel eingesehen werden -, in Deutschland fallen sie etwas sanfter. Die deutschen Verleger reagieren darauf wie alle anderen Unternehmer: Sie versuchen, ihre Umsätze mit so genannten Zusatzgeschäften (wie dem Verkauf von Büchern und Filmen) zu steigern. Und vor allem sparen sie. Sie arbeiten mit Beratungsfirmen wie der Hamburger Schickler-Gruppe zusammen, die mit Hingabe zum Cent und nach klassischen betriebswirtschaftlichen Rationalisierungsmodellen Redaktionsarbeit in industrielle Fertigungsprozesse umwandelt. Die WAZ-Mediengruppe verabschiedet sich von RedakteurInnen und Lokalausgaben, Gruner + Jahr legt mehrere Wirtschafts-Magazine zusammen. Die Beispiele sind zahlreich. Die deutschen Verleger machten es schon früher und meist radikaler, als der wegen seiner hohen Rendite-Ziele so bös gescholtene und auf dem deutschen Markt und anderswo spektakulär gescheiterte britische Investor David Montgomery und sein Statthalter es bei der Berliner Zeitung je gewagt haben.
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W. Storz ist ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.