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3. Februar 2012 Matthew Kroenig, übersetzt von Toni Brinkmann

"Es ist Zeit, den Iran anzugreifen" - wie ein Krieg begründet wird

Dies ist die Übersetzung eines Artikels, veröffentlicht auf der Website des English Global Arab Network. Übersetzung: Toni Brinkmann

Im Oktober beschuldigten die USA den Iran, die Ermordung des saudischen Botschafters in den USA zu planen. Obwohl Obama eine Vergeltung nicht öffentlich androhte, wächst die Gefahr, daß die beiden Seiten bald Krieg führen könnten - besonders wegen des fortschreitenden iranischen Nuklearprogrammes. Schon lange vor dieser Episode diskutierten amerikanische Experten und Politiker, ob die USA den Iran angreifen und seine nuklearen Anlagen zerstören sollten. Befür­worter argumentierten, daß das einzige, was schlimmer als eine militärische Aktion gegen den Iran sei, ein nuklear bewaffneter Iran sei. Kritiker warnen inzwischen, daß ein solcher Angriff wahrscheinlich mißlingen werde und selbst wenn er gelänge, einen viel größeren Krieg und eine globale ökonomische Krise auslösen würde. Sie drängten die USA, sich auf nicht-militärische Optionen wie Diplomatie, Sanktionen, verdeckte Operationen zu verlassen, um den Iran vom Erwerb der Bombe abzuhal­ten.

In der Furcht vor den Kosten eines Bombenkrieges halten die meisten Kritiker daran fest, dass, falls diese anderen Taktiken den iranischen Fortschritt nicht auf­halten können, die USA eben lernen müßten, mit einem nuklearen Iran zu leben. Doch den Skeptikern ist die wirkliche Gefahr, die ein atomar bewaffneter Iran für die US-Interessen im Mittleren Osten und darüber hinaus bedeutet, nicht klar. Und ihre finsteren Vorhersagen gehen davon aus, daß die Kur schlimmer würde als die Krankheit - d.h. daß die Folgen eines amerikanischen Angriffs auf den Iran ebenso schlimm oder schlimmer wären, als wenn der Iran seine nuklearen Ziele erreichte. Aber das ist eine falsche Annahme. Die Wahrheit ist, daß ein militärischer Schlag, um das iranische Nuklearprogramm zu zerstören, wenn er sorgfältig geplant und durchgeführt wird, der Region und der Welt eine sehr reale Bedrohung ersparen und die langfristige nationale Sicherheit der US dramatisch verbessern könnte.

Gefahren der Abschreckung 

Jahre internationalen Drucks haben den Versuch des Irans, ein nukleares Programm aufzubauen, nicht stoppen können. Der Stuxnet-Computerwurm, der die Kontrollsy­steme in den iranischen Atomanlagen angegriffen hatte, störte Teherans Anreiche­rungs-Bemühungen vorübergehend, doch der Bericht der Internationalen Atomener­gie Behörde vom letzten Mai zeigte, daß die angegriffenen Anlagen völlig wiederher­gestellt sind. Die letzten Entdeckungen der IAEA vom November erbrachten die bis­lang zwingendsten Beweise, daß die Islamische Republik Sanktionen und Sabotage überstanden hat, angeblich nukleare Abschusswaffen testet und ihre Raketen mit nuklearen Sprengköpfen ausrüstet. Das Institute for Science and International Secu­rity, ein nicht-kommerzielles Forschungsinstitut, schätzt, daß der Iran nun innerhalb von sechs Monaten von der Entscheidung an gerechnet seine erste nukleare Waffe produzieren könnte... Wenn der Iran die IAEA Inspektoren ausweist, sein Uran auf waffenfähige 90 Prozent anreichert oder in Qom fortschrittliche Uran-Anreicherungs-Zentrifugen installiert, müssen die USA sofort zuschlagen oder sie verpassen die letzte Gelegenheit, den Iran aus dem Nuklear-Club herauszuhalten.

Einige Staaten in der Region bezweifeln die amerikanische Entschlossenheit, das Pro­gramm zu stoppen und wenden sich Teheran zu. Andere haben begonnen zu dis­kutieren, ihre eigenen nuklearen Initiativen zu entwickeln, um gegen eine mögliche iranische Bombe gerüstet zu sein. Für solche Nationen und die Vereinigten Staaten selbst wird die Bedrohung immer weiter wachsen, wenn Teheran seinem Ziel näher kommt. Ein atomar bewaffneter Iran würde sofort die Aktionsfreiheit der USA im Mitt­leren Osten begrenzen. Mit atomarer Macht im Rücken könnte der Iran jede politi­sche oder militärische Initiative der USA im Mittleren Osten mit einem Atomkrieg be­drohen und so Washington zwingen, zweimal nachzudenken, bevor es in der Region aktiv wird. Die regionalen Rivalen des Iran wie Saudi-Arabien würden sich wahr­scheinlich entscheiden, ihre eigenen nuklearen Arsenale zu schaffen und so einen Rüstungswettlauf in Gang setzen. Um seine geopolitischen Rivalen zu bezwingen, könnte der Iran sich entscheiden, die Verbreitung anzuspornen, indem er seinen Ver­bündeten atomare Technologie zur Verfügung stellt - anderen Ländern wie terrori­sti­schen Gruppen. Die Bombe zu haben würde dem Iran bessere Deckung für konven­tionelle Angriffe und Zwangsdiplomatie geben, und die Kämpfe zwischen seinen ter­roristischen Stellvertretern und Israel, z.B., könnten eskalieren. Und dem Iran und Israel fehlen nahezu alle Sicherungen, die den USA  und der Sowjetunion während des Kalten Krieges halfen, einen Atomkrieg zu vermeiden - sichere Zweitschlagsfä­hig­keit, klare Kommunikationsverbindungen, lange Flugzeiten für Raketen von einem Land zum anderen und die Erfahrung im Umgang mit nuklearen Arsenalen. Sicher würde ein atomar bewaffneter Iran nicht absichtlich einen selbstmörderischen nukle­aren Krieg beginnen. Aber die wacklige nukleare Balance zwischen Iran und Israel könnte leicht außer Kontrolle geraten, wenn sich eine Krise entwickelt, und einen nu­klearen Austausch zwischen den beiden Ländern auslösen, der auch die USA mit hineinziehen würde.

Diese Bedrohungen der Sicherheit würden von Washington fordern, Teheran  zu­rück­zuhalten. Doch Abschreckung würde einen hohen Preis kosten. Um die iranische Bedrohung im Zaum zu halten, müßten die USA See- und Bodenkräfte und potentiell nukleare Waffen im gesamten Mittleren Osten einsetzen und große Truppen für Jahr­zehnte dort stationieren. Außer solchen Truppen müßten die USA ständig bedeuten­de Geheimdienste einsetzen, um Versuche des Iran zu überwachen, seine atomare Technologie weiterzugeben. Und es würde Milliarden von Dollars erfordern, die Fä­hig­keiten ihrer Alliierten zu verbessern, sich zu verteidigen. Das könnte einschließen, Israel zu helfen, U-Boote zu bauen, die Raketen abschießen können, und Silos zu er­richten, die Raketen standhalten,  um seine Zweitschlagsfähigkeit zu sichern. Vor allem, um das In-Schach-Halten des Iran  glaubhaft zu machen, müßten die USA ihren Raketenschirm über ihre Partner in der Region ausweiten und versprechen, sie militärisch zu verteidigen, falls der Iran sie angreift. 

Mit anderen Worten, um einen nuklearen Iran zu beherrschen, müßten die USA mi­t­ten in einer ökonomische Krise und zu einer Zeit, in der sie versuchen, ihre Strei­t­kräfte aus der Region abzuziehen, beträchtliches politisches und militärisches Kapital im Mittleren Osten investieren. Abschreckung würde enorme ökonomische und geo­politische Kosten verursachen und solange der Iran US-Interessen feindlich gegen­übersteht erforderlich bleiben, also Jahrzehnte oder länger. Angesichts der Instabi­li­tät der Region könnten auch diese Bemühungen mißlingen und zu einem Krieg füh­ren, der viel teurer und zerstörerischer ist als der, den die Kritiker eines präemptiven Schlages gegen den Iran jetzt zu vermeiden hoffen. 

Ein mögliches Ziel 

Ein nuklearer Iran würde den USA eine riesige Bürde aufladen. Doch das bedeutet nicht notwendig, daß Washington zu militärischen Mitteln greifen sollte. Bei der Ent­scheidung, ob es sollte, ist die erste zu beantwortende Frage, ob ein Angriff auf das nukleare Programm des Irans überhaupt funktionieren würde. Zweifler legen dar, daß die USA vielleicht nicht wissen, wo sich die Anlagen befinden. Angesichts früherer Versuche Teherans, solche Anlagen zu verstecken, wie die Anreicherungsanlagen in Natanz und Qom, ist es möglich, daß das Regime schon nukleare Anlagen besitzt, die durch Bombenangriffe verfehlt würden, so daß das Programm beschädigt, aber lebendig bliebe.  

Dieses Szenario ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Tatsächlich sind solche Be­fürchtungen wahrscheinlich übertrieben. US Geheimdienste, die IAEA und Opposi­ti­onsgruppen im Iran haben in der Vergangenheit rechtzeitig vor den nuklearen Akti­vi­täten Teherans gewarnt - und z.B. Irans geheime Bauten in Natanz und Qom aufge­deckt, bevor diese Anlagen überhaupt einsatzfähig wurden. Obwohl also Teheran wieder versuchen könnte, geheime Anlagen zu bauen, hätte Washington eine sehr gute Chance, davon zu erfahren, bevor sie in Gang gesetzt werden. Und bedenkt man die Zeit, die es dauert, eine nukleare Anlage zu planen und zu bauen, die Knapp­heit der iranischen Mittel und sein Versagen, die Anlagen in Natanz und Qom erfolgreich zu verbergen, ist es unwahrscheinlich, daß Teheran irgendwelche bedeut­samen nuklearen Anlagen hat, die westlichen Geheimdiensten unbekannt sind.

Selbst wenn es den USA gelänge, alle iranischen nuklearen Anlagen zu identifizie­ren, könnte es sich als extrem schwierig erweisen, sie tatsächlich alle zu zerstören. Kritiker eines US-Angriffs argumentieren, daß die nuklearen Anlagen über das Land verteilt sind, tief unter der Erde und gepanzert gegen Angriffe, umringt von Luftver­teidigung, so daß ein Angriff komplex und gefährlich wäre. Zusätzlich behaupten sie, daß der Iran seine nuklearen Anlagen absichtlich nahe der Zivilbevölkerung gebaut hat, die fast sicher dem amerikanischen Angriff ausgesetzt wäre, der möglicherweise zu hunderten, wenn nicht tausenden Toter führen würde.

Diese Hindernisse würden jedoch die US nicht davon abhalten, die bekannten irani­schen Nuklearanlagen zu behindern oder zu zerstören. Eine vorbeugende Aktion müßte auf die Anlage bei  Isfahan, den Reaktor bei Arak und verschiedene Anlagen nahe Natanz und Teheran zielen, die alle oberirdisch liegen und durch Luftschläge sehr verwundbar sind. Auch die Natanz-Anlage müßte getroffen werden, die, obwohl tief unter Beton begraben und umgeben von Luftverteidigung, einen Angriff der neu­en amerikanischen bunkerbrechenden Bombe ... nicht überstehen würde. Die Anlage in Qom ist in einen Berg hineingebaut und bildet so das schwierigste Ziel. Aber sie arbeitet noch nicht und enthält erst wenig nukleares Material, so daß die USA, wenn sie schnell handelten, sie nicht zu zerstören brauchten. 

Washington wäre auch in der Lage, zivile Opfer zu begrenzen. Iran baute die kritisch­sten Nuklearanlagen, wie die bei Natanz, entfernt von dicht besiedelten Gebieten. Für die weniger wichtigen Anlagen, die sich nahe zivilen Zentren befinden, wie die Zentrifugenproduktionen, könnten amerikanische präzisionsgeleitete Raketen spezi­elle Gebäude festlegen und ihre Umgebung unversehrt lassen. Die USA könnten die Kollateralschäden durch Schläge bei Nacht noch weiter vermindern oder einfach da­durch, daß sie solche weniger wichtigen Anlagen von ihrer Zielliste nehmen, was den Erfolg der Mission nur wenig mindern würde. Obwohl der Iran unzweifelhaft jedes menschliche Leiden im Gefolge einer militärischen Aktion publizieren würde, bestün­de die Mehrheit der Opfer aus militärischem Personal, Ingenieuren, Wissenschaftler und Techniker, die in den Anlagen arbeiten.

Die richtigen roten Linien setzen 

Die Tatsache, daß die USA wahrscheinlich Irans Nuklearprogramm zurückwerfen oder zerstören können, bedeutet nicht notwendig, daß sie es tun sollten. Ein solcher Angriff könnte verheerende Folgen haben - für die internationale Sicherheit, die glo­bale Wirtschaft und die iranische Politik - all das muß bedacht werden. 

Kritiker merken an, daß eine amerikanische Militäraktion leicht einen schlimmen Krieg auslösen könnte. Der Iran könnte gegen US-Truppen oder Alliierte zurück­schla­gen, indem er Raketen auf militärische Einrichtungen oder Zivilbevölkerungen am Golf oder sogar in Europa abschießt. Er könnte seine Anhänger im Ausland akti­vieren, sektiererische Spannungen im Irak anstacheln, den arabischen Frühling un­terbrechen und terroristische Angriffe gegen Israel und die USA befehlen. Das könn­te Israel und andere Staaten in die Kämpfe ziehen und die USA zwingen, nun wieder den Konflikt zu eskalieren. Mächtige Verbündete des Iran, einschließlich China und Rußland, könnten versuchen, die USA ökonomisch und diplomatisch zu isolieren. In einer solchen Gewaltspirale sieht vielleicht keine Seite einen Weg aus der Schlacht, was zu einem langen, zerstörerischen Krieg führen kann, der dem Ansehen der USA in der muslimischen Welt großen Schaden zufügt.

Warner vor einem US-Schlag sagen auch, daß der Iran zurückschlagen könnte, in­dem der die Enge von Hormuz, den engen Zugang zum Persischen Golf, durch den 20 Prozent des Öls transportiert wird, zu schließen versucht. Und selbst wenn der Iran die Meerenge nicht bedroht, würden Spekulanten, die mögliche Unterbre­chun­gen der Öllieferungen befürchten, den Ölpreis in die Höhe treiben und möglicherwei­se eine größere ökonomische Krise in  einem ohnehin anfälligen  Moment auslösen. 

Keines dieser Ergebnisse ist zwingend, doch könnten die USA in der Tat viel tun, um sie zu mildern. Teheran würde sicher das Gefühl haben, einen amerikanischen An­griff beantworten zu müssen, um Abschreckung wieder herzustellen und im eigenen Land das Gesicht zu wahren. Doch es würde wahrscheinlich auch suchen, seine Ak­tionen in einer Weise abzustimmen, daß es vermeidet, einen Konflikt zu beginnen, der zu der Zerstörung seines Militärs oder des Regimes selbst führt. Höchstwahr­scheinlich würde die iranische Führung zu den schlimmsten Formen des Zurück­schla­gens wie das Schließen der Enge von Hormuz oder das Abschießen von Rake­ten auf Südeuropa, nur greifen, wenn es sich in seiner Existenz bedroht fühlt. Eine zielgerichtete amerikanische Aktion muß Teheran nicht so fundamental bedrohen. 

Um sicherzustellen, daß sie das nicht wollen und um das iranische Regime zu beru­higen, könnten die USA zuerst klarstellen, daß sie nur daran interessiert sind, das ira­nische Atomprogramm zu zerstören, und nicht die Regierung zu stürzen. Sie könn­ten dann bestimmte Arten von Gegenschlägen benennen, auf die sie mit  vernich­ten­der Vergeltung antworten würden, etwa auf den Versuch, die Enge von Hormuz zu schließen, auf die Durchführung massiver und anhaltender Angriffe auf Golfstaaten und US-Truppen oder -Schiffe oder auf terroristische Angriffe in den USA selbst. Washington müßte dann während und nach dem Angriff diese „roten Linien“ Teheran gegenüber deutlich erklären, um sicherzustellen, daß die Botschaft nicht im  Kampf verlorengeht. Und es müßte die Tatsache akzeptieren, daß es iranische Erwide­run­gen, die diese roten Linien nicht überschritten, verkraften müßte, ohne den Konflikt zu eskalieren. Dies könnte symbolische Raketenschläge gegen US- Basen und -Schiffe in der Region - einige Tage lang einige Salven, die bald weniger werden - einschließen oder Störmanöver gegenüber amerikanischen Handels- und Marine­schiffen. Um die Art der Verluste zu vermeiden, die das Weiße Haus zwingen könn­ten, den Kampf zu eskalieren, müßten die US das unwesentliche Personal von den US-Basen innerhalb der Reichweite iranischer Raketen evakuieren und sicherstellen, daß ihre Truppen sicher in Bunkern sind, bevor der Iran seine Antwort gibt. Washing­ton müßte auch eine abgestufte Unterstützung für Irans Freunde in Afghanistan und Irak und terroristische Angriffe gegen Israel  mit einkalkulieren. Damit  könnte es den Iran veranlassen, dem Weg des Irak und Syriens zu folgen, die beide keinen Krieg anfingen, nachdem Israel ihre Atomreaktoren 1981 bzw. 2007 zerstörte.

Selbst wennTeheran Washingtons rote Linien überschritte, könnten die USA die Kon­frontation immer noch bewältigen. Am Anfang einer solchen Verletzung könnte es die iranischen Waffen ins Visier nehmen, die es am bedrohlichsten findet, um Teheran davon abzuhalten, sie zu formieren. Um die Situation schnell zu deeskalieren und einen größeren regionalen Krieg zu vermeiden, könnten die US die Übereinkunft mit ihren Verbündeten absichern, einen iranischen Angriff nicht zu erwidern. Dies würde andere Armeen, insbesondere die israelische (IDF), aus der Auseinandersetzung heraushalten. Israel sollte bereit sein, eine solche Übereinkunft zu treffen im Aus­tausch gegen das amerikanische Versprechen, die iranische atomare Bedrohung zu vernichten. In der Tat traf es während des Golfkrieges eine ähnliche Übereinkunft mit den USA, als es davon Abstand nahm, auf Saddam Husseins Scudraketen zu erwi­dern.

Schließlich könnte die US-Regierung die ökonomischen Folgen eines Schlages ab­mildern. Sie könnte z.B. jede Unterbrechung der Ölversorgung durch die Öffnung ihrer strategischen Ölreserven und durch stille Ermutigung einiger Golfstaaten, ihre  Produktion im Vorfeld des Angriffes zu erhöhen, ausgleichen. Bedenkt man, daß vie­le ölproduzierende Länder in der Region, insbesondere Saudi-Arabien, die US ge­drängt haben, den Iran anzugreifen, würden sie wahrscheinlich kooperieren.  Washington könnte auch die negativen politischen Auswirkungen einer militärischen Aktion reduzieren, indem es im voraus globale Unterstützung aufbaut. Viele Länder mögen noch die USA dafür kritisieren, daß sie Gewalt anwenden, aber einige - ins­besondere die arabischen Staaten - würden Washington privat für die Vernichtung der iranischen Bedrohung danken. Indem so im Vorfeld eines Angriffs ein Konsens aufgebaut wird und nach seinem Beginn die beschriebenen Schritte der Entschär­fung gegangenen werden, könnten die USA eine internationale Krise vermeiden und  den Umfang des Konfliktes begrenzen.

Jede Zeit ist eine gute Zeit 

Kritiker haben einen anderen Einwand: Selbst wenn es den USA gelänge, Irans Atom­industrie zu zerstören und die Konsequenzen abzumildern, würden die Wirkun­gen vielleicht nicht lange anhalten. Sicher genug, es gibt keine Garantie, daß ein Überfall den Iran abschrecken würde, seine Fabriken wieder aufzubauen; er könnte sogar Irans Entschlossenheit stärken, Atomtechnologie als Mittel der Vergeltung oder um sich zukünftig selbst zu schützen zu erlangen. Den USA könnte das nötige oder das politische Kapital für einen weiteren Angriff fehlen, so daß sie gezwungen wären, sich auf dieselben ineffektiven Mittel zu verlassen, die sie jetzt anwenden, um Irans atomaren Antrieb zu bändigen. Wenn das geschieht, wird die Aktion der USA nur das Unausweichliche aufgeschoben haben.

Doch laut IAEA scheint der Iran bereits völlig festgelegt, ein Atomwaffenprogramm zu entwickeln und bedarf keiner weiteren Motivation durch die USA. Und er wird nicht fähig sein, einfach seine Entwicklung wieder aufzunehmen, nachdem seine gesamte atomare Infrastruktur zertrümmert ist. In der Tat könnte eine solche zerstörerische Offensive den Iran zwingen, das atomare Spiel insgesamt aufzugeben wie es der Irak tat, nachdem sein Atomprogramm im Golfkrieg zerstört wurde, und wie es Syrien nach dem israelischen Schlag von 2007 tat. Und selbst wenn der Iran versuchen würde, sein atomares Programm wieder aufzunehmen, wäre er gezwungen, sich mit fortgesetztem internationalen Druck, größeren Schwierigkeiten beim Erwerb notwe­ndigen nuklearen Materials auf dem internationalen Markt und der drohenden Mög­lichkeit weiterer Angriffe auseinanderzusetzen. Eine militärische Aktion könnte des­halb das iranische Atomprogramm um einige bis zehn Jahre und vielleicht für immer aufhalten. 

Skeptiker mögen immer noch erwidern, daß im besten Fall ein Angriff nur Zeit ver­schaffen würde. Aber Zeit ist ein wertvolles Gut. Länder hoffen oft, Worst-Case-Sze­narios so weit wir möglich in die Zukunft zu verschieben, in der Hoffnung, daß dies die Bedrohung insgesamt zum Verschwinden bringen könnte. Solche Länder, deren atomare Anlagen angegriffen wurden - gerade kürzlich Irak und Syrien - haben sich als unwillig oder unfähig erwiesen, ihre Programme wieder aufzunehmen. So könnte, was nur wie ein vorübergehender Rückschlag für den Iran erscheint, letztendlich das Spiel ändern.  Noch ein anderes Argument gegen eine militärische Aktion gegen Iran lautet, daß sie die  Hardliner in der iranischen Regierung ermutigen würde, indem sie ihnen hilft, die Bevölkerung um das Regime zu scharen und die übriggebliebenen Reformisten aus­zuschalten. Diese Kritik übersieht  die Tatsache, daß die Hardliner die Kontrolle be­reits fest in der Hand haben. Das regierende Regime ist so extrem geworden, daß es wegen ihrer vermeintlichen Schwäche selbst solche Führer ausgegrenzt hat, die einst für Rechte gehalten wurden, wie den früheren Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsanjani. Und Rafsanjani oder der frühere Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mousavi würden wahrscheinlich das Atomprogramm fortsetzen, wenn sie die Macht hätten. Ein Angriff könnte tatsächlich auf die Dauer mehr Möglichkeiten für Dissiden­ten schaffen (nach zeitweiser Einigung des Iran unter Ayatollah Ali Khamenei), und ihnen Gründe für Kritik an einer Regierung, die die Katastrophe eingeladen hat, bie­ten. Selbst wenn ein Militärschlag Irans Hardliner stärken würde, müssen die USA die Ergebnisse inner-iranischer politischer Kämpfe nicht über ihr vitales nationales Sicherheitsinteresse daran, Teheran von der Entwicklung atomarer Waffen abzuhal­ten, stellen.

Schlag jetzt zu oder leide später 

Den Iran anzugreifen ist kaum eine verlockende Aussicht. Aber die USA können viele der gefürchteten Folgen einer solchen Attacke voraussehen und verringern. Wenn sie das erfolgreich tun, können sie den Anreiz für andere Nationen in der Region ab­bauen, ihre eigenen Atomprogramme zu starten und - breiter -  die globale Nicht­wie­terverbreitung stärken, indem sie zeigen, daß sie militärische Gewalt einsetzen, um die Verbreitung atomarer Waffen zu verhindern. Sie können ebenso eine mögliche israelische Operation gegen den Iran abwenden, die angesichts von Israels be­grenz­ter Fähigkeit, einen eventuellen Kampf  zu entschärfen und Dauerschaden zuzufü­gen, wahrscheinlich viel zerstörerischere Folgen und eine viel geringere Erfolgs­wahrscheinlichkeit hätte als ein amerikanischer Angriff. Schließlich würde sich eine sorgfältig durchgeführte amerikanische Attacke als weniger riskant erweisen als die Aussicht auf den Erhalt einer atomar bewaffneten islamischen Republik - ein auf­wen­diges, Jahrzehnte währendes Vorhaben, das wahrscheinlich trotzdem schwer­wiegende nationale Sicherheitsbedrohungen zur Folge hätte. In der Tat, der Versuch einen atomar bewaffneten Iran zu handhaben, ist nicht nur eine schreckliche Option, sondern die schlimmste.   

Mit den auslaufenden Kriegen in Afghanistan und Irak und der ökonomischen Notla­ge zuhause haben die Amerikaner wenig Appetit auf weiteren Unfrieden. Doch die schnelle atomare Entwicklung des Irans wird schließlich die USA zwingen, zwischen einem konventionellen Konflikt und einem möglichen Atomkrieg zu wählen. Gegen­über dieser Entscheidung sollten die USA einen chirurgischen Schnitt an den ato­ma­ren Anlagen des Irans durchführen, eine unausweichliche Runde der Vergeltung hin­nehmen und dann versuchen, die Krise schnell zu deeskalieren. Jetzt die Bedrohung zu beantworten wird den USA eine viel gefährlichere Situation in der Zukunft erspa­ren.

Quelle: (SCR) Global Arab Network . Mr. Kroenig is professor of government at Georgetown University and an affiliate with the Project on Managing the Atom at Harvard's Belfer Center for Science and International Affairs. He is the author of "Exporting the Bomb: Technology Transfer and the Spread of Nuclear Weapons.  This article published in the Council on Foreign Relations.    
      
http://www.english.globalarabnetwork.com/2011122112316/Opinion/time-to-attack-iran-why-a-strike-is-the-least-bad-option.html