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9. Februar 2012

Zelik: Nach dem Kapitalismus? Perspektiven der Emanzipation...., Hamburg 2011

Es hat sich eingebürgert, den vielfach belasteten Begriff mit „C“ zu schreiben, wenn man etwas anderes im Auge hat als die im 20. Jahrhundert unter dem Namen „Kommunismus“ oder „Sozialismus“ angestellten Versuche, eine neue, freie und humane Gesellschaft zu errichten, die allesamt in einem Desaster geendet haben. Gleichzeitig sind Überlegungen dazu umso notwendiger, als der real existierende Kapitalismus nicht nur in eine fundamentale Krise geraten ist, sondern die Unhaltbarkeit der bestehenden gesellschaftlichen Zustände insgesamt immer offenkundiger wird. Dabei gilt es nicht nur, sich von linkem theoretischen und politischen Traditionsballast zu befreien, sondern auch zu Ansätzen kritisch Position zu beziehen, die sich auf dem Feld einer einigermaßen desorientierten Linken als eher kurzfristige Hypes erwiesen haben. Dazu gehören etwa Hardt/Negris „Empire“ und „Multitude“ oder neuerdings John Holloways „Kapitalismus aufbrechen“. Raul Zelik hat dazu ein kluges und informiertes Buch geschrieben, in dem er immerhin skizziert, wohin eine sich erneuernde und etwas weiter vorwärts denkende Linke sich orientieren müsste.

Sich an der Philosophie von Deleuze und Guattari orientierend argumentiert er, dass ein emanzipatorisches „communistisches“ Projekt zunächst damit umrissen werden müsse, was es nicht sei – also in klarer Abgrenzung zu all dem, was in der Geschichte unter diesem Namen gehandelt wurde (13). Und er versteht es im Sinne Ernst Blochs als konkrete Utopie, d.h. als den Versuch, das im Bestehenden nach vorne Weisende zu entdecken und weiterzuführen (16). Einigermaßen optimistisch geht er davon aus, dass gerade die Krise des Kapitalismus eine offene historische Situation erzeuge. Dies fordere besonders dazu auf, Möglichkeiten zu erkennen und Alternativen zu entwickeln.

Im ersten Teil des Bandes beschäftigt sich Zelik mit der aktuellen Situation. Er beschreibt den Charakter der Krise, die eben in mehrfacher Hinsicht nicht einfach nur eine „Finanzkrise“, sondern eine umfassende Krise der Gesellschaftsformation ist und setzt sich daran anschließend mit aktuell diskutierten Vorschlägen für eine andere Politik auseinander: dem Konzept einer „Wachstumsbeschränkung“ oder eines „Grünen New Deal“. Diesen hält er eine Verkennung eben dieses Krisenzusammenhangs vor, was sie schließlich zu einer „Politikberatung der naivsten Art“ werden ließen (26). Grundlegender Einwand ist, dass dabei das herrschende Produktions- und Konsummodell kaum in Frage gestellt wird.

Die komplette Rezension hier online lesen.

Raul Zelik: Nach dem Kapitalismus? Perspektiven der Emanzipation oder: das Projekt des Communismus anders denken. Hamburg: VSA-Verlag 2011, 143 S., 12.80 EURO.