19. April 2012

Rolf Gössner: Geheime Informanten. V-Leute des Verfassungsschutzes: Neonazis im Dienst des Staates - Neuauflage als e-book mit aktuellem Prolog

Angesichts der öffentlichen Debatte um die Neo­nazi-Mordserie, ihre skandalöse Nichtermittlung und die Ausblendung ihres rassistischen Hintergrundes durch die Sicherheitsorgane ist die Nach­frage nach kompetenter, kritischer und aufklärerischer Hintergrundliteratur erheblich gestiegen. Der Anwalt und Geheimdienst-Experte Rolf Gössner legte bereits 2003 ein Buch vor, das die Verstrickungen des Verfassungsschutzes in Neonaziszenen und -parteien anhand zahlreicher Fallstudien in aller Deutlichkeit aufzeigte. Ausgehend von der bis dato größten V-Mann-Affäre im Zusammenhang mit dem deshalb gescheiterten NPD-Verbotsverfah­ren im Jahr 2003 deckte der Autor die kriminellen Karrieren zahlreicher V-Leute des Verfassungsschutzes auf. Dabei stieß er im Laufe seiner Recherchen auf eine unheimliche Symbiose von rassistischen Verfassungsfeinden und staatlichen Verfassungsschützern.

"Geheime Informanten" ist ein heute noch brisantes Buch; es zeigt, dass bereits 2003 vieles von dem ersichtlich und nachlesbar war, was heute mit so großem Erstaunen und Entsetzen zur Kenntnis genommen wird. Rolf Gössner zog aus seinen Recherchen und Auswertungen bis dahin nicht ausgewerteter Quellen und geheimer Unterlagen ein Fazit, das aufhorchen ließ: Über sein unkontrollierbares Netz bezahlter und krimineller V-Leute hat sich der Verfassungsschutz (VS) seiner Erkenntnis nach fast zwangsläufig in kriminelle Machenschaften verstrickt, wobei auch Straftaten geduldet oder indirekt gefördert wurden. Brandstiftung, Totschlag, Mordaufrufe, Waffenhandel, Gründung einer terroristischen Vereinigung -- das sind Gössner zufolge nur einige der Straftaten, die "Vertrauensmänner" des Verfassungsschutzes im Schutz ihrer Tarnung begehen. Letztlich ist der VS damit selbst Teil des Neonazi-Problems geworden, jedenfalls hat er kaum etwas zu dessen Lösung oder Bekämpfung beitragen können. Auf diese Weise hat dieser Inlandsgeheimdienst Verfassung, Demokratie und Bürgerrechten mehr geschadet als genützt.

"Verfassungsschutz" - in Wahrheit nur ein euphemistischer Tarnname?

Angesichts der seit Monaten anhaltend großen Nachfrage ist die vergriffene Taschenbuchausgabe von "Geheime Informanten" nun als e-Book neu aufgelegt worden. Damit ist diese wichtige Publikation endlich wieder zugänglich. Rolf Gössner hat die Neuauflage mit einem aktuellen Einstiegskapitel versehen: Darin beleuchtet und bewertet er die Ereignisse und Erkenntnisse seit Aufdeckung der Nazi-Mordserie Ende 2011 und verknüpft sie mit seinen damaligen Recherchen, die in vorliegender e-book-Ausgabe in unveränderter Fassung nach­zulesen sind. Und der Autor mahnt aktuell eine unabhängige, rückhaltlose Aufklärung dieses ganzen Komplexes an und fordert - wie schon zum Erscheinen der Originalausgabe im Jahr 2003 - grundsätzliche politische Konsequenzen.

Zum Autor: Dr. Rolf Gössner *arbeitet als Rechtsanwalt und Publizist, ist Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte und stellv. Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen. Mitglied in der Deputation für Inneres der Bremischen Bürgerschaft. Sachverständiger in Gesetzgebungsverfahren des Bundestags und von Landtagen. Mitherausgeber des jährlich erscheinenden "Grundrechte-Report. Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland" und als solcher ausgezeichnet mit der Theodor-Heuss-Medaille 2008. Mitglied in der Jury zur Verleihung des Negativpreises BigBrotherAward. Autor zahlreicher Bücher zum Thema Innere Sicherheit und Bürgerrechte, zuletzt: Menschenrechte in Zeiten des Terrors. Kollateralschäden an der "Heimatfront", Hamburg 2007.
Internet: www.rolf-goessner.de

Auszüge aus einigen Pressestimmen zu Rolf Gössners "Geheime Informanten"

  • "Das liest sich spannend wie ein Krimi -- ist aber keine Fiktion, sondern Realität" (Rainer Butenschön, in: *NEUE PRESSE* Hannover vom 3.11.2003)
  • "Gössners Fallbeispiele aus dem politischen Bodensatz in Deutschland ...lesen sich wie ein Dokumentar-Krimi" (Dr. Rainer Kabbert im WESER-KURIER v. 7.10.2003)
  • "Bürgerrechtliche Aufklärungsarbeit contra staatliches Dunkelmännertum - wie sie nur Rolf Gössner so präzise, deutlich und überzeugend leistet" (Ulla Jelpke, in:*OSSIETZKY *21/2003)
  • "Ich habe das Buch mit wachsendem Entsetzen gelesen, weil die von Gössner recherchierten und mit nüchterner Sachlichkeit ausgebreiteten Tatsachen alles übertreffen, was man über die Gefährdung des Rechtsstaats durch den so genannten Verfassungsschutz schon wusste oder sich vorstellen konnte... Seine zahlreichen gesellschaftskritischen Bücher und Zeitschriftenaufsätze weisen Rolf Gössner als den prominentesten Kenner und Kritiker des Verfassungsschutzsyndroms aus und als unermüdlichen Kämpfer für Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit... Er hat sich wirklich um den Schutz der Verfassung verdient gemacht" (RA Dr. Heinrich Hannover)
  • Das Buch liest sich ... wie eine Mischung aus Kriminalroman und Gruselgeschichte, freilich mit dem Nachteil, dass es sich hier keineswegs um Unterhaltungsstoff handelt. Diese Dokumentation ist verdienstvoll, ihre Lektüre wärmstens zu empfehlen... (Ulrich Engelfried, in: BETRIFFT JUSTIZ, Dez. 2003)
  • "Das neue Buch des Präsidenten der Internationalen Liga für Menschenrechte hat... alle Zutaten eines spannenden Kriminalromans. Gössner hat die Mosaiksteine zusammengefügt. Nachzulesen ist das alles in diesem atemberaubenden Taschenbuch - eine brisante Lektüre..." (Hans Cajé, in: ANTIFA, Dez. 2003/Jan. 2004)
  • "Dem an Polizei- und Kriminalitätsliteratur Interessierten muss ein neues Buch von Gössner eigentlich nicht extra empfohlen werden. Einen ,Gössner' liest man einfach -- und zwar immer mit Ertrag. So verhält es sich auch mit seinem neuesten ,Sachbuch des Monats' .. Sehr gut lesbar auch für interessierte Staatsbürger, die die Grauzone ,Geheimdienste' etwas belichten wollen" (aus: *AKP -- Alternative Kommunalpolitik* 2/04)
  • "Gössner kommt das Verdienst zu, dass er die Machenschaften der Geheimdienstler und ihrer V-Leute aus der Kurzlebigkeit tagespolitischer Ereignisse herausgeholt und sie für die Leser bündig und ohne sperriges Juristendeutsch aufgearbeitet hat" (aus: SCHATTENBLICK - elektronische Zeitung v.19.02.2004)
  • "Gössner will eine Diskussion um die Rolle des Verfassungsschutzes in Gang setzen - mit 'Geheime Informanten' ist ein alarmierender Anfang gemacht" (Margret Steffen, in: *DEUTSCHE WELLE* 7.03.04)
  • "Insgesamt handelt es sich bei dem Buch von Rolf Gössner um ein spannend zu lesendes, materialreiches Buch, das sicherlich auch entsprechende Kritik finden wird" (Prof. Dr. Thomas Feltes, RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM* 29.03.2004; POLIZEI-NEWSLET­TER März 2004).