27. Mai 2014

Wider den Prüfaufträgen!

Stellungnahme des SDS Uni Bremen zum Entwurf des Wissenschaftsplanes 2020:

Es gibt wenig Erfreuliches beim Lesen des 74-seitigen Wissenschaftsplan-Entwurfes (exklusive Anhang) der
Senatorin für Bildung und Wissenschaft Quante-Brandt.

Dazu gehört u.a. die Forderung nach einer verstärkten „Offenen Hochschule“, also Menschen des Dritten Bildungsweges, sprich ohne Abitur, den Zugang vom Berufsalltag in die Hochschulen Bremens zu erleichtern sowie schon absolvierte Prüfungen in der Ausbildung auch anzuerkennen. Das freut uns als hochschulpolitische Liste mit überwiegend beruflichem Hintergrund sehr. Zusätzlich ist der Fokus auf die sogenannte „Qualität der Lehre“ beträchtlich. Studierendenfreundliche Maßnahmen wie ein Teilzeitstudium sowie die Entschlackung des Bachelors per se sind angedacht. Gerade das Teilzeitstudium ist aus Perspektive mittelloser Studierender, die sich nebenbei etwas dazuverdienen müssen sowie für Studierende mit Kind, eine hervorragende Idee. Für die Umsetzung der Idee bedarf es natürlich finanzieller Mittel.

Ansonsten ist dieses Papier eines voller Widersprüche. Im Gegensatz zum Auftrag an die Hochschulen bestimmte Studiengänge zu prüfen, hätte die Senatorin das Papier zunächst auf innere Logik prüfen sollen. Es ist keine Rede von den miserablen Arbeitsbedingungen des Mittelbaus und den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen an den Hochschulen. Damit fehlt auch die Antwort auf die Frage, wie die oftmals gleichzeitig Lehrenden hohe qualitative Lehre gewährleisten sollen, wenn Verträge ein halbes oder viertel Jahr laufen. Die Senatorin geht bei angesetzten steigenden finanziellen Mitteln bereits von einer Aufhebung des Kooperationsverbotes von Bund-Länder aus, obwohl dies erst noch zur Debatte steht und der Ausgang offen ist. „Strukturelle Budgetprobleme“ wie schon ordentlich zu prognostizierende Tarifsteigerung werden geflissentlich „nicht einberechnet“. Der nächste Schock über zu viel Personal an den Hochschulen ist somit nur eine Frage der Zeit. Weiterhin hat die Senatorin sich des am leichtesten abzuwickelnden Studienganges an der Uni angenommen. Psychologie soll geprüft werden, da eine hohe Lehre und Forschungsqualität momentan nicht gewährleistet sei. Das stimmt insofern, als das verbleibende ProfessorInnenehepaar in diesem Studiengang dafür gesorgt hat, dass es drunter und drüber geht und bspw. Pflichtmodule gar nicht stattfinden und trotzdem irgendwie bei Pabo bzw. dem ZPA erscheinen. Es ist jedoch unklug, an einer Volluni nicht den Weg zu gehen, den Studiengang wieder zu stärken und aufzubauen. Davon würde die komplette Uni profitieren. Selbst aus der utilitaristischen Logik, mit der im Entwurf teilweise argumentiert wird. Zusätzlich ist angedacht, Schwerpunkte zu schaffen. Diese würden die Autonomie bestimmter Institute gefährden und kritische, differenzierte Lehre und Forschung noch weiter in die Schranken weisen.
Wir fordern die Studierenden und Lehrenden aller Studiengänge auf, den Plan nicht hinzunehmen. Der Umstand, dass fünf Studiengänge an der Hochschule Bremen geprüft werden sollen, zwingt uns, hochschulübergreifend solidarisch zu handeln.

Geradezu geschickt hat sich die Politik der Verantwortung entzogen und den Spielball abgegeben. An der Uni Bremen zum Beispiel ist nun der Akademische Senat für das weitere Vorgehen verantwortlich. Er wird entscheiden müssen, wie mit dem Entwurf umgegangen wird und was umgesetzt werden soll. Für dieses höchste beschlussfassende Uni-Gremium gibt es bis zur ablaufenden Frist nur noch eine Sitzung. Nämlich die am 18. Juni 2014. Diese gilt es über studentische Anwesenheit zu beeinflussen. Also: Hin da!