6. April 2016

Ganztagschulbetrieb neu ausrichten

In diesem Innenhof der Huchtinger Grunsschule sollte eine Mensa gebaut werden.

Der Senat hat sein Ausbaukonzept für Ganztagsschulen in Bremen vorgestellt. Demnach soll zum kommenden Schuljahr 2016/17 im Stadtteil Osterholz zusätzlich eine Grundschule in eine Ganztagsschule umgewandelt werden. Im darauf folgenden Jahr plant der Senat den offenen Ganztagstag dann auch für sieben weitere Schulen.

Was der Senat als Ausbau pädagogischer Betreuung ausgibt, sei jedoch ein Sparprogramm, bemängelt Kristina Vogt. „Die Schulen im offenen Ganztagsbetrieb sind personell und finanziell nicht so gut wie die Horte ausgestattet. Wenn man nicht das notwendige Geld für eine angemessene Betreuung der Kinder in die Hand nehmen möchte, sollte man es besser sein lassen.“

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion übt grundsätzliche Kritik an diesen Ausbauplänen. „Der Senat unternimmt beim Ausbau oft den zweiten Schritt vor dem ersten: Der Ganztagsbetrieb wird aufgenommen und erst danach wird der Bau von Mensa und Differenzierungsräume geplant und umgesetzt. Viele Ganztagsschulen leben über Jahre mit Provisorien, so dass die Kinder sogar im eigenen Klassenraum essen müssen.“

Wie beispielsweise in Huchting. Dort wurde im August 2015 die Grundschule in der Delfter Straße in eine Offene Ganztagsschule umgewandelt. Dazu hat die Bildungsbehörde zwar Erzieherinnen und Erzieher eingestellt, damit Eltern ihre Kinder auch am Nachmittag in dieser Einrichtung verlässlich betreuen lassen können. „Das war es dann fast aber auch schon mit dem Ganztagsschulausbau“, beanstandet das Huchtinger Beiratsmitglied Michael Horn. „Es wurden keine zusätzlichen Räume geschaffen, die bei dieser Schulform dringend benötigt werden. Gerade beim Geld knausert die Bildungsbehörde“, beanstandet der Linkspartei-Politiker.

Die bildungspolitische Sprecherin der Huchtinger LINKEN, Lucie Horn, wird deutlicher. „Mütter und Väter berichten mir, dass die Raumknappheit inzwischen so groß sei, dass ihre Kinder auch im Lehrerzimmer beschult werden. Das geht doch gar nicht“, schimpft sie. „Die Schule benötigt dringend mehr Differenzierungsräume, um ihren Auftrag als Ganztagsschule gerecht zu werden“, fordert Lucie Horn, die ‚nebenbei‘ auch noch Elternsprecherin in der Bildungseinrichtung ist und daher auch einen sehr guten Einblick in diesen Schulbetrieb hat.

Bisher hieß es von Seiten der Behörde und Immobilien Bremen, dass der Bau der Mensa inklusive zusätzlicher Differenzierungsräume Ende 2017 fertig sein sollte. Nun sind aber Probleme bezüglich des Brandschutzes des Schulgebäudes bekannt geworden. Dies führt dazu, dass aufgrund von Mehrkosten der Mensa-Bau nicht wie geplant umgesetzt wird und nun Überlegungen angestellt werden, die Mensa außerhalb des derzeitigen Gebäudes zu errichten. Mit der Folge, dass derzeitig völlig unklar ist, wann mit dem Bau begonnen werden kann, geschweige denn, wann der Einzugstermin ist. „In Gröpelingen beispielsweise hat es sechs Jahre gedauert, bis die Schüler der Grundschule an der Fischerhuder Straße ihre Mensa erstmalig nutzen konnten. Das darf in Huchting nicht auch passieren.“

„So sollte ein Ganztagsschul-Ausbau aber nicht funktionieren. Unsere Kinder sind doch keine Versuchskaninchen und auch der Lehrkörper benötigt ordentliche Bedingungen, um die Kinder angemessen beschulen und betreuen zu können“, meint Michael Horn verärgert. Er fordert daher eine Sondersitzung des Beirats.

DIE LINKE erwartet jetzt, dass der Senat sein Ganztagskonzept für Bremen neu ausrichtet. Vogt fasst die Forderungen zusammen: „Zuerst müssen an den bereits bestehenden Ganztagsstandorten die Grundlagen nachgebessert werden. Wo eine Mensa fehlt, muss diese zügig gebaut werden und der Personalschlüssel muss angehoben werden. Erst dann sollten neue Standorte mit Ganztagsbetrieb geschaffen werden. Bei diesen müssen die Prioritäten anders gesetzt werden: der gebundene Ganztag muss die Regel sein. Mindestens bis dahin müssen außerdem die jeweiligen Horte erhalten bleiben, die oft viel zu früh geschlossen werden.“ [Red.]