6. August 2014

Senat beschließt Wissenschaftsplan 2020 ohne nennenswerte Änderungen

Foto-Quelle: DI http://dissentimages.wordpress.com

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Gestern hat die Bremer Landesregierung im Rathaus der Freien Hansestadt den Wissenschaftsplan 2020 beschlossen. Mit der Vorlage werden mittelfristige inhaltliche Vorgaben, Schwerpunktsetzungen und Zielvorstellungen formuliert, die als Aufforderungen an die Hochschulen und Universität in Bremen gerichtet sind. In dem Papier finden sich außerdem ein mittelfristiger Finanzrahmen und auch sogenannte Prüfaufträge, die darauf hinauslaufen, welche Studiengänge und Fachrichtungen in Frage gestellt oder demnächst geschlossen werden sollen.

Betroffen ist dabei unter anderem das sehr stark angewählte Studienfach Psychologie an der Bremer Uni. Hier hält der Senat, ungeachtet aller Proteste und Einwände, am Studienplatzabbau fest.
Die Prüfaufträge für die Studiengänge an der Hochschule Bremen sind in Gänze geblieben. In dieser Einrichtung sind sogar mehrere hundert Plätze in den Studienfächern Journalistik, Volkswirtschaftslehre, Politikmanagement, Freizeitwissenschaften und Tourismus bedroht.

Für Kristina Vogt (DIE LINKE) würde der Senat sich mit dem Wissenschaftsplan 2020 aber selbst ein Bein stellen. „Er reduziert mutwillig die bislang hervorragenden Bedingungen, durch die er selbstbewusst eine stärkere Wissenschaftsförderung durch den Bund einfordern könnte.“ Die Bürgerschaftsabgeordnete fragt sich daher, mit welchem Argument die Landesregierung dann mit Berlin verhandeln wolle.

Gut 100 Studierende begleiteten am Dienstag mit einer Protestaktion vor dem Rathaus den Senatsbeschluss. „Laut, bunt und kreativ“ sollte die Performance sein. Das war sie dann auch. Ein Student erinnerte beispielsweise die heutigen Regierenden daran, dass diese sich gerne alt „Alt-68er“ bezeichnen würden. Er stellte eine Glasscheibe auf, vermummte sich und zerwarf mit einem Pflasterstein die Scheibe und fragte rhetorisch, ob man selbst so agieren sollte wie jene Demonstrierenden vor über 25 Jahren, um sich Gehör zu verschaffen. „Nein, das wollen wir nicht“, lautete seine eigene Antwort.   

Die Studierenden bewarfen dafür aber mit Wasser gefüllte Luftballons und Farbbeuteln einen großen und brennenden Haufen Exkremente, der aus Pappmaché geformt wurde und symbolisch für den Wissenschaftsplan 2020 stehen sollte. Sie hielten Reden und zwangen die sich vorbei schleichen wollende Bildungssenatorin zu einem Statement. Dr. Eva Quante-Brand (SPD) verteidigte unter einem donnernden Pfeifkonzert ihren Plan.

„Wir haben heute wieder gezeigt, dass wir uns nicht weg rationalisieren lassen. Wir werden weiter für den Erhalt jedes Studiengangs und jeder wissenschaftlichen Stelle kämpfen“; so Miriam Strunge, Mitglied im Landesvorstand der Bremer Linkspartei, via Facebook. Gute Bildung habe ihren Preis, deshalb wolle sie persönlich sich auch weiterhin für die Erhöhung der Grundfinanzierung einsetzen und für ein solidarisches Hochschulwesen streiten. „Mein Dank geht an die OrganisatorInnen des EDU-Camps und der heutigen Kundgebung: Danke für den originellen Protest. Ich würde sagen ihr wart ‚exellent‘“, meinte die Bundessprecherin der linksjugend [‚solid], die selbst auch an der Bremer Uni studiert.

Michael Horn (Text und Video)