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27. Juni 2011

Arbeitnehmerkammer zur Armutsgefährdung von Frauen in Bremen

Frauenarmut gehört ins Zentrum von Armutsbekämpfung

„Die Situation von Frauen in unserer Gesellschaft hat sich zwar in den zurückliegenden Jahren deutlich verändert, für einen erheblichen Teil aber nicht wirklich verbessert.“ Zu diesem ernüchternden Resümee kommt der soeben von der Arbeitnehmerkammer veröffentlichte „Bericht zur sozialen Lage“. Analog zum „Landessplan zur Bekämpfung der Armut“ der LINKEN stellt der Bericht klar: „Armut ist nicht gesetzt, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.“

Das erhöhte Armutsrisiko von Frauen entsteht in drei Bereichen: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem und in den Familien. Weil diese Problemfelder miteinander korrespondieren, würden die häufig in der Politik diskutierten einfachen Lösungen nicht weiterhelfen, erläutert Peter Kruse, Präsident der Arbeitnehmerkammer Bremen. "Wenn wir die Chancen von Frauen verbessern wollen, müssen wir an verschiedenen Stellen ansetzen."

Mehr als 50 Prozent Frauen arbeiten in Teilzeit, befristet oder in Minijobs. Sie sind in Regel besser ausgebildet - bekommen aber durchschnittlich 25 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Dieses Gefälle ist nicht länger hinnehmbar, sagt dazu Claudia Bernhard, die frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft .“In vielen Bereichen wird es leider als selbstverständlich angesehen, dass Frauenarbeitsplätze keine Vollzeitarbeitsplätze sein müssen, etwa bei den Erzieherinnen oder an den Schulen, aber auch im Einzelhandel. So bleibt der Teufelskreis aus Niedrigeinkommen, einseitiger Zuschreibung der Familienarbeit und Frauenarmut bestehen.“

DIE LINKE fordert, den Ausbau der Betreuungsangebote im Unter-Dreijährigen-Bereich so schnell wie möglich voranzutreiben. Claudia Bernhard: „Erziehende brauchen einen KiTa-Platz mit ausreichenden Betreuungszeiten, sonst sind sie bei der Jobsuche oder der Bewältigung des Arbeitsalltags permanent benachteiligt.“ Zur Selbstverpflichtung der öffentlichen Hand auf den Mindestlohn müsse auch eine Selbstverpflichtung auf existenzsichernde Beschäftigung durch ausreichende Arbeitszeiten treten. „Hier muss der Senat seiner Ankündigung, prekäre Beschäftigung vollständig abschaffen zu wollen, ab sofort Taten folgen lassen. Von einer Frauenquotierung in Aufsichtsräten profitieren die meisten erwerbstätigen Frauen nämlich nicht.“

Armut kann beseitigt werden: Durch eine gerechte Steuerpolitik auf Bundesebene – und durch einen Landesplan, der Armut und soziale Spaltung ernsthaft bekämpft. Durch Abschaffung der Hartz-Gesetze, durch Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, durch Mindestlöhne und eine Umverteilung von oben nach unten. Die Landespolitik kann handeln: sie muss dem drängendsten Problem in Bremen und Bremerhaven endlich höchste Bedeutung zumessen. Und Frauenarmut gehört ins Zentrum von Armutsbekämpfung

Bericht der Arbeitnehmerkammer 
Landesplan zur Bekämpfung der Armut - DIE LINKE in Bremen

(ms)