DIE LINKE. Bremen
Die Arbeitgeber im Hafen Bremen und Bremerhaven lassen nicht locker: die Löhne sollen auf breiter Front weiter gesenkt werden. Am 14. Januar hatten die angekündigten Tarifverhandlungen beim Gesamthafenbetriebsverein (GHB) in Bremen begonnen. Die Bremer Lagerhausgesellschaft (BLG) hatte schon vorher einen Haustariftarifvertrag abgeschlossen, der grundsätzlich für die neuen Mitarbeiter beim Autoumschlag die neue Niedriglohngruppe vorsieht: 9 Euro statt 13 Euro pro Stunde. Außerdem forderte die BLG vom GHB, mit dieser Niedriglohngruppe nachzuziehen. Dagegen hatten die Hafenarbeiter vor allem vom GHB in Bremerhaven schon am 4. Januar vor dem Gebäude der Arbeitnehmerkammer heftig protestiert. Wir berichteten.
Bei den Verhandlungen am 14. Januar ging es um eine Ergänzung zum laufenden Tarifvertrag, der um eine Lohngruppe am unteren Ende für die Fahrer im Autoumschlag ergänzt werden soll: 9 statt bisher 13 Euro.
Von ver.di organisiert, waren drei Busse mit Betroffenen morgens nach Bremen gekommen. Sie wurden unterstützt von Bremer KollegInnen, Vertretern von politischen Gruppen, Kollegen von Mercedes, dem Bündnis "Wir zahlen nicht für Eure Krise!" und dem mayday-Bündnis. Mehrere hundert Teilnehmer hatten sich so zum gemeinsamen Protest vorm Gebäude des GHB in Bremen in der Tilsiter Straße zusammengefunden. "Es war endlich eine Aktion, die lautstark war!" so der Kommentar eines Beteiligten. Die Arbeitnehmerseite bei den Verhandlungen wurde unterstützt von einer lauten Geräuschkulisse aus Trillerpfeifen, Tröten, Protestrufen, Pfiffen und einigen ziemlich lauten Knallkörpern. Auch Eier flogen gegen die Scheiben der Verhandlungsräume. Zum ersten Mal sah man auch ver.di-Fahnen, die in einem Schneehaufen steckten.
Ein Teil der Proteste richtete sich deutlich gegen die eigenen Verhandlungsführer. Der Betriebsratsvorsitzende des GHB, Peter Frohn, war in einer Verhandlungspause rausgekommen, um über Ziele und Möglichkeiten zu diskutieren.
Wer ist unser Tarifgegner? Die BLG Logistic und warum ist es so wichtig, das wir unser Anliegen öffentlich machen?
Die BLG Logistic gehört zu 50,4 % dem Land Bremen, weitere 12,6 % der Sparkasse Bremen und 12,6 % der Bremer Landesbank. Der Rest ist im Streubesitz. Das heisst, ein großer Teil der Verantwortung für den Lohndumping, der bisher durchgesetzt wurde und jetzt weiter verhandelt wird, trägt das Land Bremen.
Weder Ralf Nagel (SPD, Senator für Wirtschaft und Häfen) noch unser Bürgermeister, Jens Böhrnsen, haben sich bisher die Mühe gemacht, sich öffentlich zu unserer prekären Lage zu äußern. Es ging bisher um 2800 Arbeitsplätze, wovon noch 1800 übriggeblieben sind und wovon mehr als 1100 Arbeitsplätze dem Lohndumping zum Opfer gefallen sind.
Sind wir, die Hafenarbeiter, so unwichtig und kann es sein, das unsere Politiker hier was aussitzen wollen und den Verlust von über tausend Arbeitsplätzen tot schweigen?
Darum ist es so wichtig, das wir alle gemeinsam mit unseren Betriebsräten, unseren Vertrauensleuten und denen die uns solidarisch beiseite stehen, zusammen in die Öffentlichkeit gehen, um dort Druck auf die Politik und die Unternehmen zu machen.
Wer ist die Gewerkschaft? Jedes Gewerkschaftsmitglied gehört dazu und jedes Mitglied kann dazu beitragen, das sich was in der Gewerkschaft ändert. Es liegt an jeden von uns wie es hier weiter geht.
v.i.s.d.P. Stephan Heins
Die Verhandlungen wurden - wie erwartet - am 14. Januar erst einmal ohne Ergebnis abgebrochen. Der nächste Verhandlungstermin am 28. Januar findet in Hamburg statt. Ver.di wird wieder Busse organisieren.
(sh)