DIE LINKE. Bremen

auf der Betriebsversammlung von mdexx. Fotos: "Siemens Dialog" - Forum der IG Metall für alle Siemens-Beschäftigten

Das ehemals zu Siemens gehörige Produktionswerk für Transformatoren, Drosseln, Ventilatoren u.a. an der Richard-Dunkel-Straße ist zuerst 2004 aus dem Konzern ausgegliedert und dann im Dezember 2008 an ein Investorenkonsortium verkauft worden. Preise sind natürlich unbekannt. Die neue Geschäftsführung des Konsortiums versprach zwar zunächst, Arbeitsplätze erhalten und Tarifverträge einhalten zu wollen, war aber von Anfang an nicht bereit, irgendwelche "belastbare Garantien" abzugeben.
Die aktuellen Pläne der jetzigen Geschäftsleitung sind:
Den Vorschlag des Betriebsrats, gemeinsam ein Verbesserungsprogramm für den Standort Bremen zu entwickeln, wies die Geschäftsführung zurück und brach Verhandlungen darüber ab.
Wie der Betriebsrat in einer Information an die Belegschaft feststellte, habe die mdexx-Leitung mit diesem Schritt die "ausgestreckte Hand" der Arbeitnehmerseite zurückgewiesen. Die Geschäftsleitung halte unbeirrt und ohne jegliche Kompromissbereitschaft an ihrem Konzept fest, das im Kern den Abbau von 225 Stellen und eine Teilverlagerung vorsieht. Darüber hinaus dränge sie auf den sofortigen Beginn des Stellenabbaus.
Durch vom Betriebsrat hinzugezogene Sachverständige konnte nachgewiesen werden, dass das Konzept der Geschäftsführung zu einer extremen Kostenbelastung und damit kurz- bis mittelfristig zur Schließung des Standortes führen würde. Der Betriebsrat hält daher seinerseits weiter an seiner Alternative fest, den Standort bei Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze zu optimieren.
Die vom Betriebsrat beauftragten Sachverständigen kommen in ihrem Gutachter zu dem Schluss, dass der Standort langfristig mit einem Konzept erhalten werden könne, das die Elemente Kapazitätsanpassung, Optimierung und Reorganisation enthalte. Dies wäre außerdem erheblich kostengünstiger als das Verlagerungskonzept der Geschäftsleitung.
Betriebsrat und Bremer IG Metall fordern vor diesem Hintergrund die Geschäftsleitung und die Gesellschafter auf, die Verlagerungsentscheidung zurückzunehmen. Statt dessen sollen in der aktuellen Krise die Möglichkeiten der Kurzarbeit offensiv genutzt werden. Da eine solide Reorganisationsplanung für den Standort Zeit benötigt, wollen sie ein Moratorium für die Verhandlungen um Interessenausgleich und Sozialplan. Das Land Bremen und Siemens als ehemalige Mutter und Hauptkunde von mdexx schließlich sind aufgefordert, den Standorterhalt durch Maßnahmen für die beschäftigungssichernde Restrukturierung zu unterstützen.
In einer Betriebsversammlung am 22. September informierte der Betriebsrat die Kolleginnen und Kollegen über den Stand der Dinge. Nach einem Bericht im Siemens-Dialog demonstrierte die Belegschaft auf der Betriebsversammlung unübersehbar, dass sie mit dem Betriebsrat und der IG Metall an einem Strang zieht. Fast alle Beschäftigten erschienen in extra angefertigten T-Shirts, die ihre Meinung auf den Punkt bringen: "Ein neues Opfer durch Siemens? - Mit uns nicht!"
Wie es nun weitergeht, so wird weiter vom Betriebsrat berichtet, wird sich nach der jüngsten Entwicklung vor einer Einigungsstelle entscheiden müssen, die erstmals am 26. Oktober zusammentritt. Die mdexx-Beschäftigten werden am Donnerstag Nachmittag ihre Betriebsversammlung fortsetzen, wo sie der Betriebsrat über den aktuellen Stand und die weiteren Schritte informiert.
Weitere Informationen: Siemens Dialog: Ein neues Opfer durch Siemens? - Mit uns nicht v. 22.09.09
sh
Die aktuell um 225 Arbeitsplätze und mittelfristig womöglich um den ganzen Standort ringenden Ex-Siemensianer bei mdexx in Bremen haben sich mit einem offenen Brief an Siemens-CEO Peter Löscher gewandt. Sie appellieren an die Verantwortung Siemens' für seine ehemaligen Beschäftigten, seinen Einfluss für den Erhalt ihrer Existenzen geltend zu machen. Wir dokumentieren hier den offenen Brief (Quelle: Siemens Dialog, Forum der IG Metall für alle Siemens-Beschäftigten v. 14.09.09)
Die aktuell um 225 Arbeitsplätze und mittelfristig womöglich um den ganzen Standort ringenden Ex-Siemensianer bei mdexx in Bremen haben sich mit einem offenen Brief an Siemens-CEO Peter Löscher gewandt. Sie appellieren an die Verantwortung Siemens' für seine ehemaligen Beschäftigten, seinen Einfluss für den Erhalt ihrer Existenzen geltend zu machen.
Ex-Mutter, Hauptkunde, Vermieter
Dieser Einfluss ist zweifellos immer noch beträchtlich. Medexx war bis 2004 integrativer Teil von Siemens und anschließend bis Ende 2008 eine hundertprozentige Tochter; gleichzeitig war und ist die frühere Mutter Hauptabnehmer für die Produkte des mittlerweile einem Konsortium gehörenden Unternehmens. Obendrein gehörem Grundstück und Gebäude des Betriebs - entgegen anderslautender Information an die Beschäftigten im Rahmen des Verkaufs - nach wie vor Siemens.
Mehr als 400 Unterschriften
Knapp 420 UnterzeichnerInnen des Briefes an Löscher betonen nun, dass sie wenige Monate nach dem Verkauf akut von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Die neuen Gesellschafter unter Federführung der schweizer CGS Management wollen, so der Brief, "fast die Hälfte unserer Arbeitsplätze vernichten und einen Großteil der Bremer Produktion in ein Tochterwerk nach Tschechien verlagern." Betriebsrat und die IG Metall haben immer wieder eine Befürchtung geäußert, die heute realistischer scheint denn je: "Daß wir mit einer von der Siemens AG bestimmten Strategie konfrontiert sind, die in der vollständigen Verlagerung des Bremer Standortes nach China und Tschechien und damit in der Zerschlagung des gesamten Brerner Standortes münden könnte."
Unverbindliche Beruhigungsversuche
Siemens selbst hat solche Vorstellungen erwartungsgemäß stets entschieden dementiert und öffentlich die angebliche Sicherheit des Standortes und der Arbeitsplätze unterstrichen. Auch, als die Wirtschaftskrise und ihre starken Auswirkungen auf mdexx schon unübersehbar waren, wiederholten die neuen Eigentümern und Siemens-Vertreter die selbe Botschaft, die mittlerweile etwa so vertrauenerweckend wirkt wie ein 30 Euro-Schein.
"Stehen Sie zu Ihrer Verantwortung"
Die ArbeitnehmerInnen, viele unter ihnen aufgrund Qualifikation und Alter vor dem Hintergrund des regionalen Arbeitsmarktes vom sicheren Abstieg zu Hartz IV bedroht, adressieren daher den dringenden Appell an Löscher: "Lassen Sie nicht zu, daß unsere wirtschaftliche Existenz vernichtet wird. Nutzen Sie Ihren Einfluß und helfen Sie uns. Sie können verhindern, daß wir unsere Arbeitsplätze verlieren. Stehen Sie zu Ihrer Verantwortung, stehen Sie zu den zahllosen Versprechungen der Siemens AG."