Wintereinbruch in Bremen: während die Menschen drinnen ihre Heizungen höher drehen, um der Kälte entgegenzuwirken bleibt den Mitarbeitern des GHBV, nur der Gang auf die Straße um gegen soziale Kälte und Zumutungen von Betriebsleitung und Betriebsrat anzugehen. Unter dem Motto „Willkommen in der Armut“ trafen sich am Samstagmorgen rund 100 MitarbeiterInnen des Gesamthafenbetriebsvereins (GHBV) und Solidarität-Bekundende am Paradice in Walle, um auf einer Demonstration bis in die Innenstadt, die Missstände und Auswirkungen der Krise auf die im Hafenbereich Beschäftigten anzuprangern.
Wie auch die Demonstration in Bremerhaven, so wurde auch diese vom Komitee „Wir sind der GHB!“ organisiert und durchgeführt. Das Komitee versteht sich explizit als überparteilich und einzig den Interessen der ArbeiterInnen verpflichtet.
Schwermut und Kampfeswille
Auf den Transparenten war zu lesen „Trotz Arbeit – Hartz-IV“, „Alles steht still, wenn der Arbeiter es will“. Und so wurde es auch über das Megaphon lautstark von Raphael Roß (Mitglied des Komitees) skandiert, welcher, als sich der Zug in Bewegung setzte, in kämpferischem Ton und manchmal auch mit improvisierter Lyrik vor allem Passanten ermutigte sich zu solidarisieren. „40 Stunden Arbeit und dann Hartz-IV-Aufstockung - das kann nicht sein“, „Arbeiten um zu leben und nicht um zu Überleben“, „Hoch die internationale Solidarität“ hörte man immer wieder, aber auch „Wir sind nicht Daimler, wir sind nicht GHB, wir sind Arbeiter“ - wodurch unterstrichen wurde, dass die Krise zu einer Solidarisierung aller Betroffenen und Betroffenen im Wartestand führen muss.
So waren auch Mitarbeiter von Daimler an der Demonstration beteiligt, um ihre Solidarität auszudrücken. Ebenso solidarisch zeigte sich in der Mitte des Zuges die Gruppe „roter Pfeffer“, welche für musikalische Einlagen sorgte, die in ihrer Mischung aus kämpferischer Trommel und schwermütiger Blasmusik die Stimmung sehr gut widerspiegelte.
Hartz-IV bei 40 Stunden Arbeit
Am Ende des langen Marsches, auf dem viele positive Reaktionen der Passanten wahrgenommen werden konnten, fand man sich vor C&A zur Abschlusskundgebung ein. Hier startete Holger Fresen vom Komitee mit seinem Redebeitrag, in dem er betonte, dass die angepeilten Lohnsenkungen von 14-18 Euro auf bis zu 8 Euro auch bei Behalten des Arbeitsplatzes existenzvernichtend wirken, zu „Ausgrenzung“ führen und zum Zweitjob oder Beantragung von Hartz-IV-Aufstockung zwingen. Er betonte, dass betriebsübergreifend gegen Lohndumping und Zeitarbeitsfirmen vorgegangen werden muss.
Gewerkschaften müssen Arbeiter und Schwache vertreten
Dann meldete sich ein Vertreter des Betriebsrates von Daimler zu Wort. Er erklärte, dass die Unternehmen die Krise nutzen würden um auf der einen Seite tarifgebundene Arbeitsverhältnisse zu kündigen, während auf der anderen Seite die Arbeiter zu Dumpinglöhnen wieder reinkommen. Er forderte die Gewerkschaften auf sich wieder der Aufgabe zu widmen die „Arbeiter und Schwachen zu vertreten“. Bei aller Kritik an den Gewerkschaften appellierte er jedoch, diese nicht zu verlassen sondern den Druck von der Basis her zu erhöhen, damit sich diese wieder energischer ihrer ursprünglichen Aufgabe widmen. Auch er betonte die Wichtigkeit überbetrieblicher Bündnisse.
Zeitarbeit ist ein Angriff auf Menschenwürde und Sozialstaat
Anschließend ergriffen wieder die Arbeiterinnen und Arbeiter des GHB das Wort und machten insbesondere noch einmal auf die schon seit Jahren (bzw. seit Eröffnung des Lagers) katastrophale Lohnsituation im Hochregallager von Tschibo/BLG und im GVZ insgesamt aufmerksam, wo auch viele ArbeiterInnen des GHBV, vor allem solche, welche „auf roter Karte“ arbeiten, beschäftigt sind.
Die Redner machten deutlich, dass von Löhnen wie 7,50 Euro und drunter nur noch ein „Überleben“ und kein „Leben“ mehr möglich ist – und das für Knochenarbeit plus Pendeln zwischen Bremen und Bremerhaven. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass durch das grassierende Ersetzen von tarifgebundenen Arbeitsverhältnissen durch Dumpinglohn- bzw. Zeitarbeitsverhältnisse der Sozialstaat, insbesondere die Leistungsfähigkeit der Rentenkassen, untergraben wird.
Abschließend bedankte sich das Komitee für die entgegengebrachte Solidarität aller DemonstrationsteilnehmerInnen.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass dieses tatsächlich nur der Anfang ist einer betriebs- und branchenübergreifenden Solidarisierung der ArbeitnehmerInnen, um sich gegen Lohndumping und Entlassungen zur Wehr zu setzen. Auch sollten die Gewerkschaften erkennen, dass Zeitarbeit kein Nebenkriegsschauplatz ist, sondern einen frontalen Angriff auf tarifgebundene Arbeitsverhältnisse darstellt und dieses ein Problem ist, welches alle ArbeitnehmerInnen betrifft.
Dieses gilt jedoch ganz besonders im Hafen- und Logistikbereich Bremens. N. Sokolowski