25. April 2017

Überleben 4.0

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In Bremen nimmt die Anzahl der Wohnungslosen merklich zu. Eine kleine Anfrage der Linksfraktion zur Versorgung wohnungsloser Menschen hat ergeben, dass die Unterbringungszahlen in Notunterkünften und Pensionen und Hotels in den letzten fünf Jahren um über die Hälfte gestiegen sind.

Auffällig ist dabei die zunehmende Anzahl von Frauen in Wohnungsnot. Dass Armut weiblich ist, drückt sich auch damit aus.

Die Linkfraktion lud kürzlich zu einer Diskussionsveranstaltung ein, um mit Expertinnen der Wohnungslosenhilfe über die spezifische Situation von wohnungs- und obdachlosen Frauen sowie Handlungsansätzen der Bremer Politik für ein frauengerechtes Gesamthilfesystem zu sprechen.

Werena Rosenke von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gab einen Überblick über die aktuelle Situation von Frauen, die von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Spezifisch für Frauen sei dabei die so genannte verdeckte Wohnungslosigkeit, da Frauen oft Zwangsgemeinschaften, oder von Gewalt oder Ausbeutung geprägte Verhältnisse eingingen, um Wohnungsverlust zu vermeiden. Daher lebten auch nur wenige auf der Straße, so dass weibliche Wohnungslosigkeit weniger sichtbar ist. Sie wies darauf hin, dass Prävention die beste Hilfe sei und es aus ihrer Sicht zu wenig niedrigschwellige Beratungsangebote, vor allem in den Stadtteilen, gebe. Problematisch sei auch, dass Arbeitsmarktförderprogramme für Frauen immer weiter zurückgefahren werden.

Britta Pundt, Leiterin der Notunterkunft für Frauen der Inneren Mission Bremen, machte darauf aufmerksam, dass die Zugänge zur Wohnungslosenhilfe für Frauen oft schwierig seien, da sie mit viel Bürokratie verbunden sind. Auch gebe es insbesondere für Frauen mit komplexen Problemlagen gar keine geeigneten Unterbringungformen.

Thematisiert wurde zudem das Problem, dass es eigentlich auch eine Pflicht zur Notunterbringung von EU-Bürger*innen gebe, dieser aber nicht nachgekommen werde, so dass diese oft auf der Straße landen und dort verelenden, da sie keine Ansprüche auf Sozialleistungen haben.

Claudia Bernhard, frauen- und wohnungspolitische Sprecherein der Fraktion DIE LINKE bekräftigte, dass die Wohnungslosigkeit von Frauen in einem direkten Zusammenhang mit der strukturellen gesellschaftlichen Benachteiligung von Frauen steht. Dringend notwendig seien daher der Ausbau präventiver Maßnahmen, um einem drohenden Wohnraumverlust rechtzeitig entgegenzuwirken, sowie generell eine frauengerechte Sozialpolitik und auch eine Wohnungspolitik, die auf die spezifischen Belange von Frauen Rücksicht nimmt.

Hier können Sie das Veranstaltungsviedeo (YouTube) einsehen.