9. März 2011

Taz antwortet Arn Strohmeyer: Links unterwandert

(siehe auch "Taz embedded" und die Leserbriefe von Friedrich Bode, Rudolph Bauer "Auf ein Wort, Herr Schirrmeister" und Arn Strohmeyer "Entgegnung")

Es ist schon erstaunlich, dass Arn Strohmeyer plötzlich den fatalen Prinzen-Erzieher Seneca bemühen muss, um die taz zu kritisieren. Der aus Senecas Tragödie Medea (2. Akt, Vers 199) abgeleitete Rechtsgrundsatz, nachdem jeder Richter auch die andere Seite zu hören hat, um gerecht zu urteilen, sei ein „ehernes Gesetz im Journalismus“, behauptet Strohmeyer.

Nun, die taz ist kein Richter, und über die Geltung dieses „ehernen“ Gesetzes ließe sich trefflich streiten, gerne anhand von Strohmeyers eigenen Opera, etwa der tatsächlich beschämend einseitigen Broschüre Brennpunkt Nahost (2009). In der hat er Moshe Zuckerman, Felicia Langer, Uri Avnery und Hajo G. Meyer Gelegenheit gegeben, ihre Thesen zum Nahost-Konflikt in Interviews auszubreiten. Vier  interessante Figuren - aber sehr nah beieinander in ihren Überzeugungen. Oder, wie es Meyer an angegebenem Ort auf den Punkt bringt: „Ich bin vollständig mit den hier genannten kritischen Israelis einer Meinung [...]“. (op.cit. p.8).

Nach dem Neutralitäts-Ideal des Stoizismus, auf das Strohmeyer sich beruft, wäre das zweifellos miesest-möglicher Schmieren-Journalismus. Ich möchte mich darüber nicht auslassen und bleibe grundsätzlich: Eine Position zu beziehen, Stellung zu nehmen, Meinungen zu veröffentlichen, das ist durchaus legitim im Journalismus. So haben Heinrich Heine, Karl Marx, Carl Ossietzky, Kurt Tucholsky und Egon Erwin Kisch ihn verstanden. Und die Parteinahme und Meinungsbildung ist die einzige Funktion des Journalismus, die das  Grundgesetz schützt: Nur an die Wahrheit muss er sich dabei halten.

Mit der Wahrheit allerdings hat es der Herr Strohmeyer nicht so. Auch in kleinen nur scheinbar unbedeutenden Dingen. So unterstellt er, die taz habe „den Termin verwechselt“ und die unselige „Aktion fälschlich für den 3. März angesetzt“. Das ist falsch.

Die terminlichen Unklarheiten gehen ganz aufs Konto des Friedensforums - und es wäre erstaunlich, wenn Strohmeyer diese Irrungen und Wirrungen nicht bekommen hätte.  So  hat uns  Pastor i.R. Friedrich Bode unterrichtet, dass  „Mitglieder des Netzwerkes für gerechten Frieden und das Friedensforum eine Boykottaktion gegen israelische Waren beschlossen“ haben und „diesen Beschluß zum erstenmal am 3. März um 16.°° vor dem Diskounter REWE in der Wachmannstrasse in die Tat [umsetzen]“. Es „wäre in unserem Sinne“, schließt der Geistliche, „wenn Sie kurz vorher im Bremer Lokalteil auf unsere Aktion hinweisen“.

Das hat die taz getan, und zwar indem sie -  getreu der Forderung Senecas - die in diesem Fall andere Seite zu den ausführlich dargestellten Positionen des Friedensforums befragt hat. Richtig ist, dass dieses Vorgehen einer Einschätzung unsererseits entspringt. Denn ganz wie Hermann Kuhn und die Basisgruppe Antifaschismus Bremen hält auch die Bremer Redaktion der taz  diese Aktion  für durchzogen von antisemitischen Ressentiments. Und deren Veranstalter sollten wir interviewen? Damit der sich über die Vorzüge und Berechtigung seines „Kauft nicht bei Juden“-Happenings verbreiten kann? Bei uns?

Eine lächerliche Forderung. Nein, die taz bremen wird weder den Neo-Latinisten Strohmeyer noch den Apfel-Mitarbeiter Jens Pühse interviewen, auch wenn die beiden sich wahrscheinlich früher oder später zusammentun. Schließlich haben sie in der Nahost-Politik dieselbe Position, auch was die Wahl der Mittel angeht. Allerdings wird in der taz bremen auf eine Die Linke der Zukunft gehofft, die sich nicht länger von den Strohmeyern des Neuen Antisemitismus unterwandern lässt. 
Benno Schirrmeister, taz nord / taz bremen