12. Mai 2017

Soli-Erklärung für KiTa-Beschäftigte

Jetzt also doch. Die Kitagruppen in Bremen und Bremerhaven sollen auf 21 Plätze vergrößert werden.

Das sieht eine entsprechende Beschlussvorlage des zuständigen Bildungsressorts vor, die am kommenden Dienstag dem Senat zur Abstimmung vorgelegt werden soll. 

"Was ist eigentlich mit einer Politik los, die die Bedingungen in den Kitas für Kinder, Eltern und Beschäftigte permanent gegen alle Notwendigkeiten verschlechtert?", fragte sich Doris Achelwilm.

Die Landessprecherin überbrachte heute am Rande der Personalversammlung der KiTa Bremen-Beschäftigten gemeinsam mit Sylla Kahl, dem Nordwest-Kreissprecher Bernd Brejla und der Bürgerschaftsabgeordneten Sofia Leonidakis eine Solidaritätserklärung. [mh]

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Wir sind entsetzt über die Pläne des Senats, die Elementargruppen auf 21 Kinder zu vergrößern.

Denn die Pläne treffen auf eine Situation, die ohnehin schon sehr angespannt ist. Im laufenden Kita-Jahr haben bis zu 1.700 Kita-Plätze gefehlt, die kurzfristige „Lösung“ sind Container, die die Außenflächen vieler Einrichtungen, vor allem von KiTa Bremen, verkleinern.

Das Problem beginnt aber viel früher. Der U3-Ausbau wurde seit 2008 schändlich verschleppt, trotz früher Warnungen und Hinweise, dass der Bedarf höher sein wird. Der Ausbau wurde zu einem wesentlichen Anteil über die Aufnahme der 3.- und 4.- Quartalskinder umgesetzt. Dadurch wurde faktisch kein einziger zusätzlicher Platz geschaffen, aber die Kinder in den Elementargruppen wurden jünger und die pädagogischen Anforderungen damit größer. Eine weitere Maßnahme war die Vergrößerung der Krippengruppen von 8 auf 10 Kinder, die ursprünglich befristet umgesetzt werden sollte, nun aber Standard ist. Dazu kommt, dass Kita-Plätze vor allem in den benachteiligten Quartieren fehlen, weil zu wenig ausgebaut wurde. Dort ist die Kinderarmut am höchsten, was nicht spurlos an den Kindern vorbeigeht. In diese Stadtteile sind zusätzlich viele der Schutzsuchenden gezogen, weil anderswo kein bezahlbarer Wohnraum verfügbar ist. Ihre Kinder sind aufgrund von Kriegserlebnissen und gefährlicher Flucht häufig traumatisiert, mindestens aber benötigen sie Sprachvermittlung.

Die benötigten Indexmittel kommen nicht mehr in den KiTas an, weil die Sozialindikatoren seit 2011 nicht mehr angepasst wurden und die Personalressourcen für die unzureichend ausgestattete Inklusion von Förderkindern benötigt werden.

Die Gruppenvergrößerung würde wegen des hohen Platzmangels vor allem Einrichtungen von KiTa Bremen treffen, da der städtische Eigenbetrieb mehr als andere Träger in den benachteiligten Stadtteilen vertreten ist. Ihr, die Erzieherinnen und Erzieher, und die Kinder sind dort tagtäglich konfrontiert mit zu kleinen Räumen, fehlenden Differenzierungsräumen, hohem Sanierungsbedarf und ab dem Sommer mit den Containern. Der „Dank“ des Senats ist nun, in die bereits zu kleinen Räume noch mehr Kinder und Personal zu quetschen. Für die Kinder, insbesondere die kleinen und traumatisierten, und für die Gesundheit der Erzieherinnen und Erzieher sind diese Pläne eine Katastrophe.
Statt Qualitätsverschlechterung ist genau das Gegenteil nötig: Kleinere Gruppen, besonders in benachteiligten Quartieren und beengten Einrichtungen. Durchgehende Angebote. Raum und Zeit für Differenzierung und Sprachförderung. Personalverstärkung im Rahmen der Indexausstattung sowie aktualisierte Sozialindikatoren, um nur einige zu nennen.

Der Senat geht den entgegengesetzten Weg und will die KiTa-Qualität noch verschlechtern. Diese Qualitätsverschlechterung per Gesetz werden wir nicht mitmachen. Wir stehen solidarisch an eurer Seite beim Widerstand gegen diese Pläne!