19. Juni 2017

Inklusion zum Erfolgsprojekt machen: Fraktion DIE LINKE legt Forderungskatalog zur Weiterentwicklung der Bremer Schulen vor

In den letzten Wochen ist in Bremen viel über den Stand der schulischen Inklusion gesprochen worden. Zuletzt hatten sich erneut die 23 Bremer Grundschulleitungen mit einem Brandbrief an den Senat gewandt. Auch die Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE hat sich an diesen Debatten beteiligt. „Uns ging es dabei zuerst darum, den Betroffenen an den Schulen zuzuhören", berichtet Kristina Vogt, Fraktionsvorsitzende und bildungspolitsiche Sprecherin, von ihren Aktivitäten in den letzten Monaten. „Im Herbst 2016 haben wir ein langes Hintergrundgespräch mit Eltern von Kindern mit Förderbedarf geführt, wir haben Schulen besucht und am 8. Juni in Gröpelingen eine Podiumsdiskussion mit Fachkräften aus der Praxis geführt. Sowohl der tatsächliche Zustand der Schulen als auch unausgeschöpfte Möglichkeiten der Inklusion sollten in die zukünftige Aufgabenbewältigung stärker eingehen." Insgesamt hat Vogt dabei folgenden Eindruck gewonnen: „Der Enthusiasmus zu Beginn der Inklusion ist verflogen. Die Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich oft überfordert, und die Eltern haben Sorgen, dass ihre Kinder nicht angemessen gefördert werden." 

Die Beratungen sind nun in einen Bürgerschaftsantrag eingeflossen. „Wir haben genau zugehört, was an den Schulen gebraucht wird. Ergebnis ist ein Katalog, der keine utopischen Forderungen enthält, sondern sehr gezielt mit einfachen Maßnahmen die Schulen dort stützt, wo es drückt." Besonders Schulen in den ohnehin benachteiligten Stadtteilen fällt es schwer, die zusätzliche Aufgabe der Inklusion zu schultern. Daher ist eine Kernforderung der Linksfraktion, dass an diesen Schulen die Lehrerinnen und Lehrer von zwei Stunden Unterricht pro Woche entpflichtet werden, die Klassenleitungen um drei Stunden. Vogt: „Der Arbeitsalltag hat sich für Lehrkräfte an diesen Schulen stark gewandelt. Zusätzlich zum Unterricht fallen regelmäßige Teamsitzungen oder Fallkonferenzen an, in denen die Fördermaßnahmen für einzelne Kinder diskutiert werden. Es gibt viele Kinder mit sprachlichen Förderbedarfen oder Fluchthintergrund. Die Arbeit ist parallel zum normalen Unterricht oft nicht mehr zu leisten. In solchen Fällen muss die Unterrichtsverpflichtung gesenkt werden." Auch fordert die Fraktion DIE LINKE vom Senat, bei der Zuweisung von Landesmitteln an die Kommunen für Inklusionsaufgaben endlich zu berücksichtigen, dass heute für viel mehr Kinder ein Förderbedarf diagnostiziert wird als noch vor zehn Jahren. „Die Mittelzuweisung wird viel zu spät an die erhöhten Förderquoten angepasst. Der Senat muss hier schneller handeln." 

Eine Besonderheit des LINKEN-Antrags ist außerdem ein starker Fokus auf die Ausbildung von Fachkräften für die Inklusionsaufgaben. „Bremen bildet immer noch keine eigenen Inklusionslehrkräfte für die Oberschulen aus. Der Senat muss sicherstellen, dass wir ab 2018/19 wieder eigene Lehrkräfte für die Inklusion ausbilden." Ein weiteres Problem, von dem immer wieder aus der Praxis berichtet wird, sind fehlende persönliche Assistenzen für Kinder und Jugendliche. Auch hier mahnt die Fraktion DIE LINKE Handlungsbedarf an: „Derzeit bildet Bremen nur an einer Schule in Bremerhaven selbst für die Heilerziehungspflege aus. Kein Wunder, dass uns dann Fachkräfte für die Assistenz fehlen. Auch hier muss der Senat kräftig Kapazitäten ausweiten." 

Kristina Vogt ist zuversichtlich, dass sich auch andere Fraktionen ihrem Antrag anschließen werden, schließlich fordern inzwischen auch das Ressort sowie Abgeordnete von SPD und Grünen öffentlich, die Schulen in den benachteiligten Stadtteilen zu stärken. „Seit dem Armutsausschuss in der letzten Legislaturperiode sagen wir, dass gezielt die Lehrkräfte an den ‚Brennpunktschulen' entlastet werden müssen. Dass die Koalition nun endlich auch die besondere Arbeitsbelastung an diesen Schulen anerkennt, begrüße ich natürlich. Hoffentlich bleiben die anderen Parteien bei dieser Meinung, wenn wir im Herbst über unseren Antrag in der Bürgerschaft abstimmen", kommentiert Vogt abschließend. 


Der LINKEN-Antrag ‚Schulischer Inklusion zum Erfolg verhelfen' (Landtag) findet sich hier: www.bremische-buergerschaft.de/drs_abo/2017-06-16_Drs-19-1128_4d0af.pdf.