
Das Friedenszeichen aus Blumen

Dr. med. Knut Bortfeldt (IPPNW)

Wieland von Hodenberg (Friedensforum, Bremer Montagsdemo)

Eva Böller (Friedensforum, DIE LINKE)
In vielen Städten in der ganzen Welt erinnerten Aktivisten der Friedensbewegung an den ersten Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945. Eine einzige Bombe, die auch noch zynisch "Little Boy" benannt war, zerstörte ungefähr 80% der Stadt und tötete zwischen 90.000 und 200.000 Menschen sofort. Viele starben in den folgenden Wochen und noch nach Jahren an der radioaktiven Verstrahlung. Am 9. August brachte die United States Air Force dann die zweite Bombe auf Nagasaki zur Explosion. Kriegsentscheidend waren die Bomben nicht; sie wurden wohl eher zu Testzwecken abgeworfen.
In diesem Jahr, nach über 63 Jahren, forderte der Bürgermeister der Stadt Hiroshima, Tadotoshi Aiba, die USA erneut auf, Japans Resolution bei den Vereinten Nationen für ein Atomwaffenverbot zu unterstützen. Wieder ohne Erfolg. Nur die USA und zwei weitere Staaten beharren nach wie vor darauf, diese furchtbaren Waffe zu bauen, zu lagern und notfalls auch anzuwenden.
Viele waren dem Aufruf des Bremer Friedensforums zu einer Mahnwache auf dem Marktplatz gefolgt. Zwischen 12 und 13 Uhr versammelten sie sich und legten, wie es seit vielen Jahren Tradition ist, ein großes Friedenszeichen mit Blumen aus. Als Redner konnte gewonnen werden: Dr. med. Knut Bortfeldt, Facharzt für Innere Medizin, Tropenmedizin und Allgemeinmedizin, der seit 1981 ind Worpswede lebt und arbeitet. Von 1985 bis 1991 war Bortfeldt im Vorstand der IPPNW, der Organisation der "International Physicians für the Prevention of Nuclear War". Er war dann vor allem in der Worpsweder Initiative "Bürger gegen den Atomtod" tätig. Sein Motto: "Abrüsten! Abschalten! Seit Tschernobyl ist es deutlich geworden, dass diese Technologie nicht beherrschbar ist. Wir müssen einen Weg verlassen, der letztendlich die Erde zerstören würde."
Wieland von Hodenberg (Friedensforum und Bremer Montagsdemo) ging in seiner kurzen Rede besonders auf Uranwaffen ein. Hier beide Reden:
Dr. Knut Bortfeldt
"Atomwaffen abschaffen, in Deutschland und weltweit
I.
Am 6 August 1945 fiel die Atombombe Little Boy auf Hiroshima, am 9. August Fat Man auf Nagasaki. Beide Atombomben töteten über 200 000 Meschen sofort, ließen weitere Hunderttausend krank werden, dahinsiechen und sterben. 1946 starten die US-Amerikaner mit einer Testserie auf den Marshallinseln im Pazfik die intensive Vermehrung und sog. Vervollkommnung der Superwaffe. 1949 testet die ehemalige Sowjetunion m Semipala-tinsk ihren ersten nuklearen Sprengsatz. Eine unselige Zeit beginnt. Sie dauert an. Heute gibt es weltweit ca. 28 ooo atomare Sprengköpfe. In Europa besitzt Frankreich 288 U-Boot-gestützte Atomwaffen und 60 nukleare Luftbodenraketen, die Briten haben 185 Sprengköpfe, davon 160 auf ihren Trident-U-Booten,und die Vereinigten Staaten unterhalten auf unserem Kontinent Depots für 480 taktische Atomwaffen, z.Z. sind 150 bis 180 Nuklearwaffen der USA hier stationiert: in Belgien, den Niederlanden, in Großbntanmen, Italien, der Türkei und in Deutschland. Die genannten NATO-Staaten haben den Status der "Nuklearen Teilhabe", d.h. auch deutsche Soldaten sind in die Planung, in Trainingsvorgänge am Boden und in der Luft und im Eventualfall am Einsatz der Atomwaffen mit eingebunden. In Büchel, Landkreis Cochem - Zell in Rheinland-Pfalz werden 20 nukleare Sprengsätze gelagert, in Ramstein in der Eifel bis zu 130. Soviel zu Europa.
Die USA, Russland, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind die übrigen Atommächte in der Welt. Diese wenigen genannten Tatsachen sind über-genug.
II.
Wie gehen wir Menschen mit diesen Ungeheuerlichkeiten um? Ist Hiroshima überall? Ja. Nein. Wir sind es nicht gewesen, wir haben das nicht zu verantworten. Schuld haben die da oben, die Militärs, die Politiker. Ja, die Politiker haben wir gewählt und wählen sie auch weiter. Vielleicht hat es ja auch sein Gutes, die Atomwaffen haben doch den dritten Weltkrieg verhindert. Die Kraft der Abschreckung ist irgendwie auch faszinierend, auf den unheimlichen Vulkanen haben in grauer Vorzeit immerhin die Götter gewohnt. So beschönigen wir, beruhigen uns, verdrängen, wollen vergessen. Schließlich leben wir jetzt. Nach uns die Sintflut. Genießen wir, ja. plündern den Planeten, schneller, höher, weiter, in zwei Tagen beginnt Peking, auf ein neues Spiel! Komisch nur - Zufriedenheit, Weisheit in uns und um uns ist fern und ferner. Und wo ist unsere Urteilsfähigkeit geblieben, wo der sog. Durchblick ? Alles erscheint zu komplex. Sind wir krank? Irgendwie macht einem das Angst, irgendwie ist das ein Leben im Uneigentlichen, im Falschen.
III.
Also - was tun? Angst ist ein Wächter des Lebens, zwingt uns stille zu halten, bisweilen über einen unendlich erscheinenden Zeitraum lähmt sie uns. Aber dann ist sie der Quell erkennen zu wollen, weswegen sie denn da ist, zu fragen, welche Gefahren bedrohen mich, bedrohen das Morgen, bedrohen das Leben. Denn leben heute kann ich nur durch Leben für morgen.
Also - was tun? Wir könnten vorgehen wie ein Arzt mit einem lebensgefährlich erkrankten Patienten. Zunächst rettende Soformaßnahmen - quasi Intensivstation - dann langfristig angelegte und angemessene Therapie - Normalstation - schließlich stabilisierende ReHa. Es gilt also, nüchtern, mit Herz und Hirn zu analysieren - ohne dem Wahn der Allwissenheit zu erliegen - : was ist die akuteste Gefahr für die Gattung Mensch und seinen Planeten ? Wir sind wieder bei Hiroshima.
Die Atombombe und das Atomkraftwerk. Das AKW ist der Herstellungsort für deren gefährlichsten Wirkbestandteil : Plutonium. Atombombe und Atomkraftwerk sind wie Kopf und Zahl einer Münze. Diese Münzen müssen aus dem Verkehr gezogen werden. Die Atomtechnologie - militärisch wie sog. friedlich - ist mit den Eigenschaften des Menschen nicht kompatibel, also nicht vereinbar. Eine Eigenschaft von uns Menschen ist nämlich, daß wir uns irren und daß wir uns irren dürfen. Seit Beginn des Atomzeitalters kann menschliches Irren tödlich sein für eine unvorstrellbar große Zahl von Pflanzen/Tieren und Menschen. Das ist neu. Das ist ungeheuerlich. Das macht krank. Die Welt befindet sich derzeit quasi auf Intensivstation.Und es gilt als Sofortmaßnahme.
ABSCHALTEN. ABRÜSTEN. NIE WIEDER TSCHERNOBYL.
NIE WIEDER HIROSHIMA!
Zum Schluß möchte ich noch Mitteilung machen, die für uns gut ist, für unseren Kampf um die Abschaffung aller Atomwaffen - in Deutschland und weltweit. Die IPPNW ( Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges) ruft auf zur Beteiligung an der Demonstration des Aktionsbündnisses "Unsere Zukunft - atomwaffenfrei" am Fliegerhorst Büchel im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz am 30. August 2008. Info-Faltblätter verteilen wir und sind hier am Podium erhältlich."
Wieland von Hodenberg:
Urangeschosse bestehen zum großen Teil aus abgereichertem Uran 238 und sind die fiesen „kleinen Verwandten“ der Atombombe. Sie sind billig herzustellen, und ihr Einsatz liegt knapp unterhalb der Nuklearkriegsschwelle. Wo sie eingesetzt werden, verstrahlen sie weit größere Landstriche als damals die Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Beabsichtigt ist eine mechanische, panzerbrechende Wirkung durch Druck- und Hitzewellen. Beim Aufprall wird die Bewegungsenergie in Hitze umgewandelt, und das Uran verbrennt.
Das Verbrennungsprodukt Uranoxid besteht aus unsichtbaren Teilchen, die sich in der Umwelt als hochgiftiger Staub verteilen. Die Angriffsziele - zum Beispiel Panzer - werden mitsamt ihrem Innenraum verbrannt. Dem Göttinger Chemie-Professor Rolf Bertram zufolge ist abgereichertes Uran - ein Abfallprodukt aus Atomreaktoren - viel gefährlicher als bisher angenommen. Beim Aufprall auf das Ziel verwandelt sich das Metall zu 75 Prozent in Feinstaub. Dabei steigt laut Bertram die Radioaktivität um den Faktor eine bis zehn Million(en) an.
Die chronische Uranvergiftung, der Soldaten wie Bevölkerung ausgesetzt sind, führt zu Aids-ähnlichen Immundefekten oder zu schwersten Krebserkrankungen, insbesondere zu Leukämie wie in der Nähe von Atomanlagen. Beim Hautkontakt mit abgereichertem Uran kommt es zu schlecht heilenden Wunden mit schmerzlosen Geschwüren, denn die schmerzempfindlichen und schmerzleitenden Sinnes- und Nervenzellen im Knochenmark werden durch die Strahlung zerstört. Schließlich verursacht das abgereicherte Uran ähnlich den Hiroshima-Folgen schwerste genetische Schäden, die unter anderem zu einer extremen Häufung von Fehl- oder Totgeburten und Geburten lebensunfähiger Kinder führen.
In Bosnien und im Kosovo hat die Nato in den 1990er Jahren insgesamt weit mehr als 40.000 Uran-Projektile verschossen. Eine Studie von Dr. med. Guzina vom Klinischen Zentrum Sarajewo berichtet von einem rapiden Anstieg aller Krebsarten um zum Teil mehr als 100 Prozent. Am meisten betroffen waren durch das Eindringen der radioaktiven Stoffe in die Nahrungskette die Verdauungsorgane. All dies sind die schrecklichen Folgen von mehr als 10.000 Urangeschossen, die von der Nato mit deutscher „Tornado“-Unterstützung auf die serbische Bevölkerung rund um Sarajewo abgefeuert wurden.
Der Münchener Journalist Christoph Hörstel berichtete am 8. Oktober 2007 in der renommierten Züricher Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ von einem beispiellosen Geheimhaltungsskandal: Danach wurde bei einem Irak-Einsatz im März 2003 nach Aussagen eines krebskranken Unteroffiziers ein ganzer Infanteriezug der Bundeswehr verstrahlt. Die Hälfte der Soldaten starb nach kurzer Zeit, und inzwischen dürften alle dem Krebstod zum Opfer gefallen sein! Der Trupp hatte mit Wissen und Duldung der damaligen Bundesregierung an der Seite von US-Einheiten an Uranwaffeneinsätzen teilgenommen. Zur Täuschung der Öffentlichkeit wurden die Soldaten für den Irak-Einsatz vorübergehend bei der Bundeswehr ausgemustert und an die US-Streitkräfte „ausgeliehen“.
Schon im ersten Golfkrieg 1991 setzten die USA - und 2006 die israelischen Militärs im Libanonkrieg - massenhaft Urangeschosse ein. In Afghanistan, so Hörstel, seien nach Schätzungen der Uni Zürich die Hälfte aller US-Bomben Uranbomben - was das Pentagon bestreitet. Den Kabuler Krankenhäusern wurde unter Androhung schwerster Strafen verboten, über Opferzahlen und Verletzungsschwere namentlich bei Frauen und Kindern zu berichten. Für sie ist die „Intensivstation“ schon ganz real!
Die Bundeswehr leistet den USA „Schützenhilfe“ durch „Tornado“-Aufklärung. In diesem Jahr werden wahrscheinlich auch deutsche Awacs-Flugzeuge in ganz Afghanistan eingesetzt, wenn wir das nicht verhindern! Zu fordern ist ein strenges Verbot der Herstellung und Lagerung sowie des Exports von Uranmunition. Es wird höchste Zeit für eine internationale Ächtung dieser Waffen! Zu fordern ist weiterhin der sofortige Rückzug der Bundeswehr!"
(übernommen von www.bremer-montagsdemo.de)
Sönke Hundt