Wieder ist ein kleines Kind im Klinikum Bremen-Mitte gestorben. Die kleine Ashley lebte nur vom 9. Juli 2010 bis zum 7. Februar 2012. Sie starb an einer Meningokokken-Infektion. Am 6. Februar war sie mit bronchialen Problemen in die Notaufnahme der Prof.-Hess-Klinik gekommen und stationär aufgenommen worden. Als sich der Zustand verschlechterte, ist Ashley auf die Kinderintensivstation verlegt worden und dort am Dienstagvormittag dann gestorben. Die Eltern und die Tagesmutter des Kindes haben gegen die Klinik schwere Vorwürfe erhoben. Die Mutter habe, so berichtete Radio Bremen am 10. Februar, immer wieder während der Nacht darum gebeten, dass ein Arzt kommen möge. Vielleicht wäre es morgens nicht zu spät gewesen, wenn in der Nacht noch versucht worden wäre, eine Diagnose zu stellen, die die Krankheit richtig erkannt und eine Rettung ermöglicht hätte.
Die Eltern haben sich nach dem Tod an die Polizei gewandt. Die Bremer Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Akten beschlagnahmt (Ärzte-Zeitung online v. 10.02.12) und eine Obduktion sowie einen externen Gutachter mit der Untersuchung beauftragt. Die Prof.-Hess-Klinik weist Behandlungsfehler zurück. Der Leitende Oberarzt der Kinderklinik, Dr. Wolfgang Marg, erklärte in der regionalen Fernsehsendung von "Buten un Binnen" gestern abend, dass eine Meningokokken-Infektion eine sehr tückische Kinderkrankheit sei, weil sie rasend schnell verlaufe und nur schwer zu erkennen sei.
Der erneute Todesfall eines eineinhalb Jahre alten Kindes hatte in Bremen sofort für große Aufregung gesorgt, fürchtete man doch vor allem bei der Geschäftsführung der GENO (Gesundheit Nord), dass dieser erneute Tod eines Kindes mit den im letzten Jahr auf der neonatologischen Intensivstation an multiresistenten Keimen gestorbenen Frühgeborenen ("Frühchen") in Verbindung gebracht werden könnte. Tatsächlich war man in den ersten Meldungen der Polizei noch davon ausgegangen. Die Klinikleitung aber dementierte schnell: "Das hat nichts mit Krankenhauskeimen und nichts mit der Neonatologie zu tun", so die Kliniksprecherin Karen Matiszick.
Die Eltern des Kindes, die Angehörigen, Freunde und vor allem die Tagesmutter geben sich mit den bisher abgegebenen Erklärungen nicht zufrieden. Sie sind entsetzt darüber, wie mit ihnen umgegangen wurde. Etwa 60 Menschen, darunter viele aus der afrikanischen Community , hatten sich gestern, 20. Februar 2012, um 16 Uhr auf dem Marktplatz vor der Bürgerschaft eingefunden mit Transparenten und einem kleinen Lautsprecher. Die Tagesmutter, Magdalena Salewski, verlas das Flugblatt, worin es hieß: "Ashley, wir sind unendlich traurig, dass du sterben musstest... Du warst so fröhlich, stark, stolz, liebevoll, offen, neugierig, selbstbewusst und hast immer nur Glück ausgestrahlt... Deine Eltern wünschen sich nun sehr, dass dein Tod zumindest einen Sinn bekommt, wenn hier kein Kind mehr so vernachlässigt sterben muss. Sie machen sich Vorwürfe, vertraut zu haben."
Die Tochter von Magdalena Salewski, richtete ebenfalls bewegende Worte an die Schar der Demonstranten und fragte: "Wenn ich ins Krankenhaus muss, wird da genug betreut? Sind genug Ärzte da? Sind genug Krankenpfleger und -schwestern da? Mir ist gesagt worden: es liegt nicht am Personal, es liegt an der Politik, es liegt an den Sparmaßnahmen. Aber letztendlich ist es doch egal, woran es liegt. Es ist doch egal, warum hier immer mehr Kinder sterben. Es geht doch darum, das es aufhören muss. Es muss aufhören, dass dort Kinder vernachlässigt werden. Und deswegen sind wir heute hier. Und deswegen wollen wir jetzt kämpfen, das sich dort endlich etwas ändert. Und ich möchte euch allen danken, dass ihr gekommen seid."
Die LINKE war ebenfalls ziemlich präsent, allerdings ohne Fahnen, weil die Trauernden darum gebeten hatten. Claudia Bernhard, Abgeordnete der Linksfraktion in der Bürgerschaft, berichtete kurz aus der letzten Sitzung der Deputation für Gesundheit und Arbeit. Die Gesundheitssenatorin wäre zwar auf den Tod von Ashley kurz eingegangen, hätte aber mit dem Hinweis auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keine weiteren Informationen oder Erklärungen abgegeben. Die LINKE verteilte ein Flugblatt, auf dem es hieß: "Die Misere der öffentlichen Kliniken in Bremen hat sich zu einer offenen Vertrauenskrise entwickelt. Immer deutlich wird, dass Personalabbau, 'Investitionsstau' und die Intransparenz der Strukturen dazu führen, dass sich PatientInnen Sorgen machen müssen, gesund aus dem Krankenhaus entlassen zu werden. Immer noch wird versucht, diese Probleme unter dem Deckel zu halten, anstatt sie in einer offenen Diskussion einer politischen Lösung zuzuführen. Nach wie vor interessiert sich die Politik nur für die betriebswirtschaftlichen Zahlen, nicht aber für Patienten und Beschäftigte." Der ganze Text hier.
Sönke Hundt