„Das wurde aber auch höchste Zeit“, kommentiert Cornelia Barth, landespolitische Sprecherin der Bremer Linkspartei, die Ankündigung von Verkehrsstaatsrat Golasowski, dass seine senatorische Behörde noch in diesem Herbst einen konkreten Plan zur Einführung des Sozialtickets vorlegen will. Immer wieder hatten Vertreterinnen der Arbeitsgruppe Sozialticket in den letzten Monaten mit öffentlichen Aktionen und Initiativen auf die Notwendigkeit vergünstigter Fahrkarten hingewiesen, weil für zehntausende von Bremerinnen und Bremern das Fahren mit Bahn und Bus unerschwinglich geworden ist: ältere Menschen mit geringfügigen Renten, Menschen, die von den Hartz-IV-Gesetzen betroffen sind, Menschen in schlecht bezahlten Jobs an der Armutsgrenze. „Die kostengünstige Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine notwendige Voraussetzung für kulturelle und soziale Teilhabe“, erläutert Cornelia Barth. „Der Erhalt der Mobilität durch ein Sozialticket für 15 Euro wäre eine hervorragende Möglichkeit, der zunehmenden sozialen Spaltung der Stadt und der Ausgrenzung endlich etwas entgegen zu setzen.“
Bereits im Oktober 2007 hatte die Linksfraktion die rot-grüne Regierung an deren eigenes Versprechen im Koalitionsvertrag erinnert und einen entsprechenden Antrag in die Bürgerschaft eingebracht. Darin wurde der Senat aufgefordert umgehend geeignete Maßnahmen zur Einführung eines Bremer Sozialtickets für den öffentlichen Personennahverkehr einzuleiten und in konkrete Verhandlungen mit der Bremer Straßenbahn (BSAG) zu treten. Nach der Verweisung des Antrags in die beteiligten Ausschüsse war es dann lange still geworden um das Sozialticket. Durch die Aktionen der AG Sozialticket und das gezielte Nachhaken der Fraktion in der Bürgerschaft ist nun wieder Bewegung in die Angelegenheit gekommen. „Der gemeinsame Druck von Straße und Parlament hat Früchte getragen“, registriert Cornelia Barth mit Genugtuung. Und denkt bereits darüber nach, wie sich das Sozialticket durch einen Bremer Kulturpass wesentlich erweitern ließe, der den Menschen einen vergünstigten bzw. kostenlosen Zutritt zu Theatern, Museen, Kinos, Schwimmbädern, Bibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen ermöglicht. „Auf dem Weg zur solidarischen Stadt und zur kulturellen und sozialen Teilhabe aller Menschen gibt es noch viel zu tun. Die Einführung des Bremer Sozialtickets ist nur ein erster Schritt dorthin.“
Manfred Steglich