Keine vier Wochen, vom 10. Januar 1919 bis zum 4. Februar 1919, regierte ein Arbeiter- und Soldatenrat in der „Sozialistische Republik Bremen“.
Dann wurde auf Befehl des damaligen sozialdemokratischen Reichswehrministers Gustav Noske die von Adam Frasunkiewicz (USPD) ausgerufene Bremer Räterepublik von der Division Gerstenberg und dem Freikorps Caspai brutal niedergeschlagen. Um in Deutschland ein Exempel zu statuieren, mussten 81 Männer, Frauen und Kinder ihr Leben lassen, 200 Menschen wurden verletzt.
Seit vielen Jahren gedenken VertreterInnen
vieler gewerkschaftlicher sowie politischer Organisationen und Parteien jeweils am ersten Sonntag im Monat im Bremer Westen der Bremer Revolution.
Knapp 200 BremerInnen, darunter viele Mitglieder der LINKEN, ehrten am 7. Februar 2010 in eisiger Kälte am Denkmal auf des Waller Friedhof die VerteidigerInnen der Räterepublik. Weitaus mehr als im letzten Jahr, wo es aufgrund der damaligen DGB-Landesspitze und der Bremer SPD zur einer Spaltung im Organisationskomitee kam. Weil beide Organisationen vor einem Jahr nur Alt-Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) als ein- zigen Redner durchgesetzt haben, boykotierten die traditionellen Vorbereitungsorganisationen die sozialdemokratische Feierstunde und führten ihre eigene Gedenkveranstaltung durch.
In der Tradition der sozialen Bremer Bewegung stellten bei der diesjährigen Gedenkfeier die RednerInnen (unter anderem der Publizist und frühere PDS-Bundestagsabgeordnete Dr. Winfried Wolf) weitreichende sozialpolitische Forderungen auf, die ihrer Meinung nach angesichts der aktuellen Krise immer mehr an Aktualität gewönnen.
Birgit Menz (Landesschatzmeisterin) und Inga Nitz (MdBB) legten für den Landeverband beziehungsweise den Kreisverband Nord-West der LINKEN ein Blumengebinde nieder. Helga Ebbers und Michael Horn ehrten als VertreterInnen der Linksfraktionen in den Beiräten Gröpelingen und Walle die Toten mit einem eigenen Gesteck. SPD-VertreterInnen wurden in diesem Jahr leider nicht gesehen. Kein Wunder, mag man meinen, stehen im Moment ja auch keine Wahlen an. Das wird sich 2011 bestimmt wieder ändern.
Kulturell ging es nach der Kundgebung im Café Westend weiter, wo bei Kaffee und Kuchen ein Kulturprogramm geboten wurde. mh
Die Rede von Dr. Winfried Wolf kann hier nachgelesen werden.