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9. Januar 2009

Aktion: "600 Leichen auf dem Bremer Marktplatz"

In weiße Tücher gehüllte Demonstranten auf dem Marktplatz

Der Sprecher der Künstlergruppe

600 Tote

Nach der Aktion

Es war eine künstlerische Protestaktion, die sich der Bremer Sänger Ebabil vom Hip Hop Duo YaHU ausgedacht hatte. Nachdem am vergangenen Samstag über 7000 Demonstranten in Bremen gegen das Massaker im Gaza-Streifen protestiert hatten, hatte diese Gruppe muslimischer Künstler und Friedensaktivisten für den 9. Januar eine spektakuläre Aktion organisiert.

In der Mitte des Marktplatzes war ein Kreis gebildet worden, in dem sich nach und ca. 600 Menschen auf grüne Matten legten und sich von Helfern vollständig in weiße Tücher, wie Leichen, einwickeln ließen. "Die Zahl 600 ist zunächst nur eine abstrakte Zahl. Es sind 600 Mütter, Väter, Töchter oder Söhne, die hinter diesen Zahlen stehen," hieß es in der Ankündigung der Aktion. Als sich alle hingelegt hatten, ertönte eine Sirene; danach wurden die Menschen auf dem Marktplatz sehr still und bewegten sich nicht mehr. Die Aktion war beeindruckend und bewegend.

Der Sprecher der Künstlergruppe hatte vorher zum Schweigen während der Aktion aufgerufen. "Jede Verherrlichung von Gewalt sowie Beleidigungen sind nicht erlaubt. Bitte vergesst nicht, warum wir hier sind. Wir sind hier, gerade weil wir die Gewalt, den Krieg und das Töten verurteilen. Wir möchten keine Parolen, keine lauten Schreie. Wir sind hier, um in friedlicher Stille der Opfer dieses sinnlosen Kriegen zu gedenken."

Die Aktion war beeindruckend und bewegend. Unterstützt wurde sie von der Schura, der Islamischen Religionsgemeinschaft Bremen, dem Bremer Friedensforum, das noch am Abend vorher die Unterstützung beschlossen hatte und von anderen zivilen Organisationen. Ein Sprecher der israelischen Gemeinde in Bremen nannte dagegen die Aktion im Bremer Regionalfernsehen am Abend "geschmacklos". "Wir finden es problematisch", so der Sprecher, "weil aus einer Katastrophe, aus einem tragischen Krieg, der gerade jetzt stattfindet, eine künstlerische Aktion gemacht wird."

Während der Aktion wurde bekannt, dass der Uno-Sicherheitsrat bei einer Enthaltung durch die USA einen sofortigen Waffenstillstand beschlossen hatte. Und dass dieser Beschluss, obwohl völkerrechtlich bindend, von der israelischen Regierung - wie schon so oft - nicht akzeptiert wurde. Die Angriffe des israelischen Militärs wurden fortgesetzt. Die Zahl der Toten ist nach Angaben der Palästinenser auf 800 angestiegen.

Wie schon auf der großen Palästina-Demonstration am 3. Januar waren Menschen ohne Migrationshintergrund auch bei dieser Aktion eher selten. Es dominierte der islamisch-religiöse Einfluss mit vielen gesungenen Koranversen und Gebeten.
Sönke Hundt