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4. März 2010

theaterlabor bremen inszeniert Peter Hacks

»Ich habe einen Schuhu«, sagte der Schneider, »der macht aus wenig viel.« (Foto: S.Barelmann)

Die Kraft der Poesie – ein Weg aus der Krise? Das theaterlabor bremen widmet sich in seiner neuesten Inszenierung dem Phänomen Peter Hacks. Der Autor, der sich zeitlebens weder in ein östliches noch in ein westliches Raster pressen ließ und sich dadurch auf beiden Seiten „der Mauer“ unbeliebt machte, liefert in seiner märchenhaften Politparabel DER SCHUHU UND DIE FLIEGENDE PRINZESSIN viel Stoff zum Nachdenken. In seiner fantastischen Figurenwelt lässt Hacks die großen Gesellschaftsentwürfe aufmarschieren und legt sie gnadenlos auf den Prüfstand. Insbesondere der Kraft der Poesie, versinnbildlicht in der Figur der flatterhaft-lieblichen fliegenden Prinzessin, misst Hacks, der vor allem nach der Wende auch als bedeutender Lyriker in Erscheinung trat, große Bedeutung zu.

Der Schuhu, ein hochintelligenter Vogelmensch, erlebt auf seinen Reisen durch die Welt viel Furchtbares: angstgesteuertes Duckmäusertum der Untertanen, absurd-menschenverachtende Eitelkeit der Herrschenden, Engstirnigkeit der Gelehrten. Krieg verheert das Land, Not und Leiden allerorten. Kein Mensch kann dem Elend entrinnen, nur der Schuhu als Mensch der Zukunft durchschaut die Ränke der Obrigkeit und überwindet das Übel. Schließlich trifft er die flatterhaft-liebliche fliegende Prinzessin, eine schicksalshafte Begegnung – bis  auch sie den süßen Versuchungen des imperialistischen Großkapitalismus erliegt und der Schuhu seine Reise allein fortsetzt. Doch was wäre ein Märchen ohne Happy End?

Am 12. März werden im Rahmen einer öffentlichen Probe erste Ausschnitte des Stücks zu sehen sein. Hierzu sind alle interessierten ZuschauerInnen herzlich eingeladen. Beginn ist um 19.30 Uhr im Concordia. Der Eintritt ist frei!

Wer dann neugierig geworden ist und mehr über den Autor Peter Hacks und Patrick Schimanskis Inszenierung von DER SCHUHU UND DIE FLIEGENDE PRINZESSIN  erfahren möchte, sollte die Soirée am 13. März nicht versäumen. Der Eintritt ist ebenfalls frei! Die Podiumsteilnehmer wollen erörtern, welchen Stellenwert Hacks' literarischer und politischer Nachlass einnimmt und ob seine marxistisch-leninistische Weltsicht Brücken zum Heute schlagen kann. Welche Wege aus der Krise zeigt uns der 2003 verstorbene Dramatiker, Lyriker und Essayist dabei möglicherweise auf?
Mit Patrick Schimanski, Regisseur, Dr. Thomas Irmer, Literaturwissenschaftler, Kulturjournalist und   Filmemacher, André Thiele, Autor, Journalist und Verleger. Moderation: Alexander Schnackenburg

Das Märchen für Erwachsene über Herrschaftsstrukturen, Utopien und nicht zuletzt über die Macht der Liebe und der Poesie feiert am 18. März um 19.30 Uhr im Concordia Premiere.

Peter Hacks (1928-2003) begründete in den sechziger Jahren die sogenannte „sozialistische Klassik“, war einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR und gilt in der Theaterszene als der begabteste Schüler Brechts. Georg Hensel bezeichnete ihn einst als den „geistreichsten, sprachmächtigsten und elegantesten Komödiendichter der DDR". Zur Enttäuschung und Verärgerung der SED-Kulturpolitiker weigerte er sich aber zeitlebens, das zu liefern, was sie von ihm immer wieder verlangten: Dramen im Geist des sozialistischen Realismus.  

(ms)