Zurück zur Startseite
30. August 2009

Demonstration der Hafenarbeiter in Bremerhaven

der Demonstrationszug

der "Betriebsrat" schwingt die Peitsche

die "Blinden" am Anfang des Zuges

an den Havenwelten vorbei

Etwa 150 Menschen trudelten so langsam und mit großem Hallo am Stadthaus I zum vorgesehenen Termin um 12 Uhr ein. Das waren nicht so viel wie erwartet, aber während des langen Marsches durch halb Bremerhaven und dann bei der Abschlusskundgebung auf dem Theodor-Heuss-Platz kamen noch etliche dazu.

Das Komitee "Wir sind der GHB" hatte für die Demonstration am 29. August so  allerhand Sketche vorbereitet, die lustig und reichlich bitter zugleich waren. Auf ihren T-shirts hatten die Leute vom Komitee z.B. aufgemalt: "Wir sind die Fron-Sklaven" (in Anspielung auf den Betriebsratsvorsitzenden Peter Frohn). Vorneweg ging eine Gruppe in rot gekleidet. Sie trugen Armbinden von Blinden mit den drei Punkten und suchten sich mit ihren weißen Stöcken tastend ihren Weg. Auf ihren T-shirts aufgemalt: "verdi: nix sehen, nix hören, nix sagen." Auf einem mitgeführten Anhänger standen drei schwarz gekleidete Komiteemitglieder und mimten den Betriebsrat. Dieser schwang die Peitsche über seine "Fron-Sklaven" und traktierte sie mit mehr oder weniger rüden Beschimpfungen. Trillerpfeifen, eine ziemlich lautstarke Tröte, eine große "Flüstertüte" und entsprechende Sprechchöre sorgten für die nötige Geräuschkulisse.

Natürlich kriegten der Betriebsrat vom GHB und ver.di ordentlich ihr Fett weg. (Beide hatten ja die Demo nicht unterstützt.) "DANKE VERDI FÜR NIX" war z.B. auf einem Transparent zu lesen. Und "UN-SOZIALPLAN SOZIALER NOTSTAND". Oder: "TROTZ ARBEIT HARTZ IV".

Die Demonstration des GHB wurde unterstützt u.a. von zahlreichen Mitgliedern aus anderen Hafenbetrieben, der Bremerhavener LINKEN mit ihren roten Fahnen, einer Abordnung von Hamburger Hafenarbeitern vom dortigen Gesamthafenbetriebsverein und von Bremern aus dem Mercedes-Werk in Bremen-Sebaldsbrück.

Am Ziel, dem Theodor-Heuss-Platz, begann dann die Abschlusskundgebung. Es sprachen Thomas Hochgrefe für das Komitee, Frank Kotte, Betriebsratsmitglied von Mercedes-Benz in Brenen u.a.

Einige Bemerkungen waren während des Zuges deutlich zu hören. Man hatte schon gehofft, dass sich ein paar mehr der betroffenen Hafenarbeiter an der Demonstration beteiligen würden. "Nur mit Meckern allein werden wir unsere Forderungen bestimmt nicht durchsetzen. Es dürften sich ruhig ein paar mehr an solchen Aktionen beteiligen!"
Sönke Hundt

video dazu auf youbube
Homepage des Komitees "Wir sind der GHB"
hier ein ganz guter Bericht der Nordseezeitung v. 31.08.09



Hier die Rede von Thomas Hochgrefe auf der Abschlusskundgebung

Liebe-Kolleginnen und Kollegen aus Bremerhaven-Bremen-Hamburg,
wir freuen uns, dass Ihr (so zahlreich) erschienen seid und euch damit solidarisch zeigt.

Wie Ihr alle wisst und wir auch schon bei der vorangegangenen Demo am 25.07. bekundeten, haben viele Kollegen von uns nicht annehmbare Änderungs- und Beerdigungskündigungen vom GHB erhalten und sind aus diesem Grund in existenzielle Not geraten.

Wir fordern deshalb: Die Aufhebung der Beendigung- und Änderungskündigungen. Und im Anschluss daran eine gerechte Umsetzung des Sozialplans durch alle Bereiche.

Absolute Loyalität des GHB Betriebsrates und der Gewerkschaft ver.di gegenüber allen Arbeitnehmern, Eingestehen der Fehler und für die Zukunft keine Existenz-bedrohenden Tarifverträge sowie keine Unterwanderung von Fremdfirmen mehr.

Musste es zu überhaupt zu Entlassungen kommen?
Denn es stellt sich die Frage, wo ist das Geld der fetten Jahre geblieben und was macht die Politik? Für den Expansionswahn in Wilhelmshaven sind Millionen da ebenso für ein neues Eisstadion. Aber nicht ein einziger Cent für den GHB. Vielleicht weil wir keine Bank sind oder keine Autos bauen. Es wäre sicherlich möglich gewesen, die Garantielohnkasse des GHB aufzufüllen. Die andere Möglichkeit wäre ein zeitlich begrenzter Haustarif, für die Dauer der Krise gewesen.Diesen gibt es zum Beispiel beim GHB Hamburg. Leider waren unsere Tarifparteien der Meinung, ein solcher Vertrag wäre nicht möglich.

Es kann nicht sein, dass man von seiner Hände Arbeit nicht mehr leben kann und somit Hartz IV-Aufstocker wird, egal in welchem Berufszweig. Es ist also Zeit aufzustehen.

Danke Kollegen