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28. Oktober 2010

Arbeitskampf eskaliert in den Atlas-Werken von Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta

Fotos mit freundlicher Genehmigung: IG Metall. Detlef Wetzel, stellvertretender IGM-Chef

Fristlose Entlassung und Hausverbot für das Betriebsratsmitglied P. sorgt für Empörung in der Belegschaft: "Eine feige, unberechtigte und schäbige Aktion der Herren. Wir lassen uns nicht spalten - jetzt erst recht!"

2. Koksanlieferung der Bremer Stahlwerke für die nächsten Tage.

Nach dem xxxxxxxxxxxx-Male: Rangierarbeiten für Baggerverladung von F. persönlich durch eine Gassenbildung scheitert. Glückwunsch an die Belegschaft.

Die IG Metall hatte, nach dem Beginn des Streiks im Werk Ganderkesee (wir berichteten gestern) am Mittwoch, 27. Oktober auch die Kollegen der Standorte Vechta und Delmenhorst aufgerufen, für einen Tag ebenfalls die Arbeit komplett ruhen zu lassen und zur Kundgebung nach Ganderkesee zu kommen. Um 9.45 sprach dann zuerst Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IGM Küste, zu den anwesenden ca. 300 Streikenden. Herr Filipov, der Alleininhaben mit dem Herr-im-Hause-Standpunkt, müsse lernen, dass ein Tarifvertrag kein Teufelswerk, sondern das gute Recht der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wäre, für die tägliche Arbeit einen vernünftigen Rahmen zu haben. Das gehöre zur Demokratie. Sie sagte die uneingeschränkte Solidarität der IGM Küste zu. Etwas später kam Detlef Wetzel, 2. IGM-Vorsitzender, dazu und versuchte ebenfalls, den störrischen Unternehmer zu belehren. Ein Unternehmer in Deutschland habe sich an demokratische Grundsätze zu halten, und wer das nicht könne, würde ein Problem bekommen. Wenn Filipov weiterhin jedes Gesprächsangebot ablehne, "wird die IGM es verstehen, den Druck weiter zu erhöhen." So Wetzel in seiner Rede an die Beschäftigten. "Die IGM hat einen langen Atem und am Ende des Arbeitskampfes wird ein Tarifvertrag stehen. Die Solitarität des gesamten IGM-Vorstandes und der gesamten IGM-Organisation ist den Streikenden sicher." Die Härte und Unversöhnlichkeit, mit der Unternehmer den Arbeitnehmern und deren Interessenvertretungen begegne, sei beispiellos. „So etwas habe ich in meiner ganzen Zeit als Gewerkschaftssekretär noch nicht erlebt. Das ist Klassenkampf von oben.“
(Streiknachrichten Nr. 4 v. 27.10.10)

Erst im April war die Baumaschinensparte von dem amerikanischen Terex Corporaten für den symbolischen Preis von 1 Euro an den bulgarischstämmigen Fil Filipov verkauft worden, der es kategorsich ablehnte, mit dem Betriebsrat und erst recht nicht mit der Gewerkschaft über tarifliche Regelungen in "seinen" Werken zu verhandeln.

Filipov geht dabei weiterhin mit äußerster Aggressivität vor. So versuchte er zunächst dem LKW eines Zulieferers die Zufahrt zum Werk in Ganderkesee durch die Kette der Streikposten zu erzwingen - was ihm zur großen Freude der zahlreichen Zuschauer aber misslang. Der selbstherrliche Unternehmer heizte dann die Stimmung weiter an, indem er einem Betriebsrat des Werkes, Detlef Pecht, fristlos kündigte. Begründung: er solle einen Kollegen, der zur Arbeit gehen wollte, geschubst haben. Hartmut Tammen-Henke, 1. Bevollmächtigter der IGM Oldenburg erklärte gleich, dass es genug Zeugen gebe, um die Haltlosigkeit der Vorwürfe zu bestätigen. Filipov aber ging sofort wieder senkrecht in die Luft und soll (Weserkurier v. 27.10.10) erklärt haben: "Ich gehe damit bis zur höchsten Instanz - auch wenn es mich Millionen kostet." Den Betroffenen empört besonders, "dass auch die Familien mit hineingezogen werden." Leitende Mitarbeiter hätten nämlich den Brief mit der Kündigung persönlich an der Haustür abgegeben. Dabei habe die Arbeit bei Atlas Familientradition. Sein Vater war mehr als 30 Jahre, er selber seit 20 Jahren dabei. (NWZ-online v. 27.10.10)

Filipov droht weiter. In einem Flugblatt, das er persönlich mit anderen Angestellten vor dem Delmenhorster Werk verteilte, malte er die Zukunft für die Beschäftigten in düsteren Farben. Er werde die Belegschaft durch Verlagerungen von derzeit 681 auf dann 190 verringern und vielleicht schon in der nächsten Woche Streikbrecher einstellen. (Weserkurier v. 28.10.10)

Da es Filipov ablehnt, mit der IG Metall auch nur Verhandlungen über den geforderten Haustarifvertrag aufzunehmen, wird der Arbeitskampf eskalieren. Hartmut Tammen-Henke, der örtliche Streikleiter, erklärte, dass der Arbeitskampf fortgesetzt würde. Die Entscheidung wird die Streikleitung an diesem Donnerstag fällen. "Wir hatten die Absicht, am Freitag wieder die Arbeit aufzunehmen. Doch wenn das so bleibt, werden wir ganz bestimmt keine Entscheidung über den Abbruch des Streiks treffen, eher das Gegenteil“, sagte Tammen-Henke. "Für substanzielle Gespräche stehen wir aber Tag und Nacht bereit." (NWZ-online v. 28.10.10)

Laut Auskunft des örtlichen Streikleiters Thomas Tillmann-Bramkamp wird die Streikleitung nicht vor Donnerstag Nachmittag über den Fortgang des Arbeitskampfes entscheiden.
Sönke Hundt