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5. Juni 2008

Klinikum Links-der-Weser: Dr. Stremmel brutalst möglich gekündigt!

Das Klinikum Bremen-Mitte wird natürlich auch nicht verschont.

Beschriebenes Papier und die Wirklichkeit könnten nicht weiter auseinanderklaffen. In seiner allerersten Vorstellung als neuer Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) Gesundheit Nord beschrieb Dr. Diethelm Hansen noch sehr engagiert, dass er ein richtiges "wake up" hatte, das ihm sagte: "Das war wirklich ein selbstkritisches Erwachen. Mir wurde bewusst, dass ich zur Führung mehr ökonomisches Rüstzeug brauchte." Nach dieser Erweckung zog es ihn nicht mehr auf einen "Chefarztsessel, sondern in eine umfangreiche Weiterbildung in Betriebswirtschaft, Controlling und medizinischem Qualitätsmanagement." Hansen hat während dieser seiner Ausbildung offenbar auch Kurse in kooperativer Führung belegt, weswegen er sehr klug schreibt: "Mir ist klar, dass eine reine Sanierung ohne zukunftsorientierte Medizin scheitern wird. Beide Seiten müssen aufeinander abgestimmt werden, dann entwickeln wir uns gesund weiter." Und, fügt er an, "dass er nicht nur im privaten Leben Eigenschaften wie Offenheit, Aurichtigkeit und Verlässlichkeit schätzt." (Alle Zitate aus Leuchtfeuer, Nachrichten aus der Holding, März 2008, S. 26)

Dienstschluss für Dr. Stremmel schon zum 15. Juni 2008

Zuerst noch hieß es, dass Dr. Peter Stremmel, bis jetzt Geschäftsführer des Klinikums Links-der-Weser, seinen Vertrag nicht verlängert erhält und deswegen zum Ende des Jahres gehen muss. Das war gestern. Und das hatte gestern die Demonstranten auf dem Marktplatz zur Solidarisierung mit ihm und zu lauten Rufen "Stremmel muss bleiben!" geführt.

Heute nun hat sich die Lage verschärft. Heute hatte der Betriebsrat kurzfristig zu einer Betriebsversammlung eingeladen, auf der Peter Stremmel über die allerneueste Entwicklung berichtete. Stremmel wollte nicht, wie er sagte, dass die Mitarbieter/innen (wieder) erst über die Medien erfahren, was Sache ist. Sache ist, dass Stremmel seinen Chefsessel schon zum 15.06.08 räumen muss und räumen wird. Das ist in zehn Tagen!

Dr. Hansen hatte von Stremmel in einer e-mail ultimativ verlangt, dass Stremmel ihm innerhalb von drei Stunden (!) 37 Stellen benennen sollte, die eingespart werden könnten. Würde Stremmel dieser Aufforderung nicht nachkommen, würde er sich nicht "holding-konform" verhalten. Was natürlich nichts weiter war als eine schwere Provokation.

Zusätzlich berichtete Stremmel, dass Hansen einen wichtigen Teil der zukunftsorientierten Politik im LdW, nämlich die enge Verbindung von ambulanter und stationärer Behandlung, als "fehlerhaft" bezeichnete. Stremmels Konzept wäre eine versteckte Subventionierung privater Arztpraxen gewesen, und es hätten größere Übeschüsse erwirtschaftet werden können. Das war natürlich auch starker Tobak. Immerhin hatte das LdW im Jahr 2007 über 2,5 Mio. € an Überschüssen an die Holding überweisen können.

Nun versuchen derzeit viele Krankenhäuser, über eine vertraglich abgesicherte Kooperation zwischen der Klinik (stationär) und den Praxen einiger niedergelassener Ärzte (ambulant) die medizinische Versorgung der Patienten zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu sparen, indem die Arbeitsteilung zwischen diesen beiden Bereichen optimiert wird. Und natürlich ist das ein weites Feld mit vielen unterschiedlichen Lösungsmodellen darüber, wie nun im einzelnen die Arbeit und - vor allem - die Erlöse und Kosten zwischen den Kooperationspartner aufgeteilt werden.

Aber dass sich ein seit kaum zwei Monaten auf seinem Posten befindlicher Geschäftsführer hinstellt und die unbestritten recht bewährten Kooperationen am LdW als "fehlerhaft" kritisiert, ist schon ein starkes Stück in der an Merkwürdigkeiten nicht gerade armen Bremer Krankenhausgeschichte.

Verständlich, dass Stremmel diese Kritik nicht akzeptierte. "Normal" wäre es ja gewesen, wenn sich die beiden Geschäftsführer zusammengesetzt, sich ihre vielleicht unterschiedlichen Herangehens- und Sichtweisen gegenseitig erläutert und gemeinsam nach Lösungen gesucht hätten. "Normal" wäre es auch gewesen, dass sich Hansen auf die Probleme der Holding Nord, Stremmel auf die Geschäftsführung des LdW und sich beide gemeinsam um die Lösung der vorhandenen Schnittstellenprobleme zwischen ihren Bereichen  konzentriert hätte. Aber - es war eine Machtdemonstration, die Provokation war gewollt.

Neuer Gesellschaftsvertrag seit dem 1. April 2008

Hinter dieser Provokation steht allerdings leider die Macht zur Durchsetzung auf Seiten Hansens. Denn seit dem 01.04.08 gilt ein neuer Gesellschaftsvertrag, der das Verhältnis zwischen den vier Bremer kommunalen Kliniken und der Holding neu regelt. Der neue Vertrag sieht im Prinzip das letztliche Durchgriffsrecht der Holding auf alle wichtigen Entscheidungen der einzelnen Kliniken vor und reduziert damit die vorher ziemlich selbständigen Kliniken auf die Rolle von Filialen einer (fast) alles entscheidenden Zentrale.

Stremmel als bislang selbständiger und erfolgreicher Manager war offenbar mit dieser neuen Art der  Arbeitsteilung und der brutalen Exekution dieses "Durchgriffsrecht" nicht einverstanden. Er war ja selbständiges Denken und Entscheiden gewohnt und auch gewohnt, sich vor seinen Entscheidungen gut beraten zu lassen und den Konsens zu suchen. Was ihm jetzt auch die ziemlich einmütige Unterstützung der gesamten Belegschaft und ihres Betriebsrats sicherte.

Aber das war sicher nicht gut, sondern schlecht für ihn. Er erhielt für seine Selbständigkeit prompt die Quittung: die faktische Kündigung. Und Stremmel akzeptierte auch, wie er auf der Betriebsversammlung mitteilte, die vorzeitige Beurlaubung zum 15. Juni. Seine Begründung: er hätte, wenn er geblieben wäre, nur noch als "Brieföffner" für den Holding-Chef fungieren können. Und jeder Tag länger hätte nur seiner Reputation geschadet.

Wie weiter in den vier Bremer kommunalen Kliniken?

Das Klinikum Bremen-Mitte hat auch seit kurzer Zeit einen neuen Geschäftsführer, Jürgen Finsterbusch, der seine abhängige Rolle in der Holding voll zu akzeptieren scheint. Entsprechend äußerte er in einem Interview mit dem "Leuchtturm" vom März 2008:

"Die neuen Gesellschaftsverträge sind unmissverständlich: Es gibt eine Führung aus einer Hand. Über die Entwicklung der drei wichtigen Handlungsfelder des Gesamtunternehmens, nämlich die Gestaltung des medizinischen Leistungsangebotes, die Optimierung der Prozesse in Medizin und Pflege und die  Reorganisation der Prozesse in den patientenfernen Bereichen unseres Klinikverbundes, wird künftig Herr Dr. Hansen mit seinem zweiten Geschäftsführer das letzte Wort haben. Das halte ich für alternativlos." (aus einem Interview mit Finsterbusch, "Leuchtturm" März 2008)

Offenbar soll es das KBM in der laufenden Rationalisierungsrunde auch härter treffen. In einem Flugblatt vom 03.06.08 informierte der Betriebsrat die Belegschaft über die Absichten:

"Die Geschäftsführung des KBM will Personal abbauen. Dieses ist ja nichts Neues. Diverse Spar- und Rationalisierungsrunden haben das Personal im Klinikum Bremen-Mitte Jahr für Jahr reduziert. Ursprünglich war für das Jahr 2008 vorgesehen, ca. 60 VK (Vollzeitkräfte) abzubauen. Nun ist die Rede von ca. 210 VK über alle Berufsgruppen bis zum Jahresende 2008.

Die erheblichen zusätzlichen Einsparungen heißten Sanierungsprogramm der Gesundheit Nord, und sind zwischen den Geschäftsführungen der Gesundheit Nord und dem KBM abgesprochen und beschlossen. Ziel: Das Defizit soll zunächst im Jahre 2008 und bis zum Jahre 2012 deutlich reduziert werden.

Eine Verbesserung des Finanzergebnisses der Gesundheit Nord und seiner einzelnen Unternehmen wünschen wir uns alle. Aber: wir wünschen uns auch, dass hinter dieser Maßnahme ein fundiertes Konzept steht."

(sh)