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6. Mai 2008

BLG Logistics Group - ganz undogmatisch

Die Logistik-Branche boomt; die Seeverkehrslogistik ganz besonders. Die Bremer Langerhausgesellschaft gehört zu den großen Globalisierungsgewinnern. Auf der Bilanzpressekonferenz gestern am 5.5.08 konnte Dethold Aden, Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics Group, mit Stolz die Erfolgszahlen verkünden: in den Geschäfsbereichen "Automobile" und "Container" ist die BLG Marktführer. Gegenüber dem Vorjahr: Vorsteuerergebnis + 42%, Umsatz + 17%, Investitionen + 26%. Die Verschuldung wurde reduziert, die Eigenkapitalquote entsprechend gesteigert. Und schließlich die Gesamtkapitalrendite auch: sie stieg von 1,8% gegenüber 2006 auf 11,5% im Jahr 2007. Nach der Restrukturierung der BLG im Jahre 1998 gab es (noch) 3.000 Beschäftigte. Ende 2007 lag die Zahl bei knapp 13.700; davon sind rund die Hälfte im Bundesland Bremen angesiedelt.

Das sind natürlich im krisengeschüttelten Bremen überaus erfreuliche Zahlen.
Mehr über die Pressekonferenz hier

Interessant ist aber noch ein anderer, ordnungspolitischer Aspekt. Die BLG als "Betrieb gewerblicher Art der Stadtgemeinde Bremen" befand sich, wie die gesamte Hafenwirtschaft (Schiffahrt und Werften), in den 90er Jahren in einer schweren Krise und wurde 1998 an die neu gegründete BLG Logistics Group übergeben. Die Mitarbeiter haben damals für diesen Neuanfang auf 25% ihres Gesamteinkommens verzichtet (verzichten müssen).

Es entstand dabei entstand ein neues Unternehmensmodell: public owned - privately managed. D.h. die BLG wurde umgegründet in die BLG Logistics Group, die eine Kommanditgesellschaft mit der Stadtgemeinde Bremen als dem 100-prozentigen Kommanditisten ist. Das Management wird über die "Bremer Lagerhaus Gesellschaft - Aktiengesellschaft von 1877 -" ausgeübt, die nach wie vor an der Börse notiert ist. Anteilseigner: 50,4% Freie Hansestadt Bremen; 12,6% Bremer Landesbank; 12,6% Sparkasse Bremen; 24,4% im Streubesitz.

Das heißt: die BLG ist heute eine typisch gemischtwirtschaftliche Unternehmengruppe, die privatwirtschaftlich erfolgreich und  trotzdem nicht privatisiert ist. Sozusagen eine Bremer Variante aus dem Arsenal des "rheinischen Kapitalismus'". Und eine interessante Alternative zu den ansonsten so gepriesenen PPP-Modellen.

Glaubt man dem neoliberalen Dogma, kann das eigentlich gar nicht angehen. Öffentliche Unternehmen sind danach bürokratisch, unflexibel, beherrscht vom Beamtentum, höchst unwirtschaftlich, haben zu hohe Personalkosten, entziehen sich der Kontrolle durch die Finanzmärkte und produzieren nur Verluste.

Der Top-Manager der BLG, Dethold Aden, sieht das ganz anders. Hier die ganz interessanten Fragen und Antworten aus dem Weserkurier-Interview vom 5.5.08:

Frage: "Könnte die BLG noch erfolgreicher sein, wenn nicht nur die Managementgesellschaft, sondern auch die operative Gesellschaft, die Logistics Group, an die Börse gebracht würde?"
Antwort: Nein, ganz im Gegenteil. Wenn das Unternehmen an der Börse wäre, müsste es zunächst die Erwartungen der Aktionäre erfüllen, und die denken manchmal sehr kurzfristig. Mit Bremen zusammen können wir das Unternehmen viel besser langfristig strategisch entwickeln."
Frage: "Das heißt, Sie können mit diesem Modell 'public owned, privately managed', gut leben?"
Antwort: "Das ist ein Erfolgsmodell. Wir haben immer wieder Besuch von Unternehmen, die noch in Staatsbesitz sind, aus den arabischen Ländern, aus Indien, aus Asien. Die informieren sich sehr genau über diese Struktur. Man muss nicht jeden Staatsbetrieb privatisieren. Das ist ein Irrglaube. Wir sind zwar weiter in Staatsbesitz, können aber durch unsere Struktur sehr erfolgreich arbeiten. Das haben wir bewiesen."

Kurzer Kommentar: Das wär doch noch mal was für die bundesdeutsche ordnungspolitische Debatte: Bremen ist nicht nur das führende Haushalts-Notlagen-Bundesland, sondern es kann ein public-private-Partnership-Unternehmen mit Weltgeltung anbieten, das weiterhin öffentlich ist, das glaubhaft seine regionalwirtschaftliche Verantwortung wahrnimmt und dessen nicht unbeträchtlichen Gewinne in den Landeshaushalt fließen. Es wird von seinem Top-Manager sogar als Export-Modell anderen Ländern, die auch nach Auswegen aus dem neoliberalen Dogma suchen, zur Nachahmung empfohlen.
(sh)