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8. Oktober 2008

"Es reicht - Schluss mit dem Sozialabbau!"

Der Marktplatz stand nicht - wie ursprünglich geplant - für die Kundgebung des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zur Verfügung. Begründung: die Kulturtage, die zur Zeit stattfinden. Der Demonstrationszug musste also zum Goetheplatz umgeleitet werden. Viele Menschen (etwa 500 Teilnehmer) mit vielen Transparenten, viele Fahnen und noch mehr Trillerpfeifen machten optisch und akustisch deutlich: die Unzufriedenheit und die Wut über den Sozialabbau der letzten Jahre erfaßt wird immer mehr!

Auf dem Goetheplatz hatte sich schon ein richtiges Orchester (keine Band!) aufgebaut: das Blasorchester der Eisenbahner. Es spielte eingängige Märsche und Medleys. Besonders passend ein Trauermarsch, als der Sarg mit der Aufschrift "Alle Macht den Raffkes" niedergelegt wurde.

Auf der Kundgebung sprachen dann die 1. Vorsitzende des SoVD, Ilse Junge und das Vorstandsmitglied Werner Bolte. Rhetorisch eindrucksvoll und immer wieder von Beifall und Pfeifen unterbrochen las er der Politik der letzten Jahre im Bund und auch im Land Bremen kräftig die Leviten. Zum Schluss ergriff noch Helga Ziegert, 1. DGB-Vorsitzende und gleichzeitig Bürgerschaftsabgeordnete der SPD das Wort. Auch sie wurde höflich beklatscht. Es ist ja immer wieder staunenswert, wie die Vertreterin und Spitzenfunktionärin einer Partei, die selber aktiv den Sozialabbau betrieben, propagiert und als unausweislich hingestellt hat, auf einer solchen Versammlung genau diese Politik auf das Schärfste kritisiert. Irgendwie schizophren!

Ergänzung v. 9. Oktober
Der Bericht im Weserkurier vom 9. Oktober
ist ausgesprochen hämisch geraten. Schon die Überschrift: "Letztes Geleit für den Sozialstaat" soll wohl suggerieren, dass dessen Tod endgültig ist. Weiter: "Mit Gehstock und Rollator bahnten sich die Senioren pfeifend ihren Weg..." Es waren auch mit Sicherheit mehr Demonstranten als die 150, die der Weserkurier gezählt hat. Wie die Bilder zeigen, hatten sich viele Ältere, aber auch viele Jüngere der Demonstration angeschlossen.

 

Wer ist der Sozialverband Deutschland e.V. eigentlich?
Der Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) ist ein sozialpolitischer Interessenverband, der sich für die Stärkung der sozialen Rechte einsetzt. Der Verband  vertritt die Interessen der gesetzlich Rentenversicherten, der gesetzlich Krankenversicherten sowie der pflegebedürftigen und behinderten Menschen gegenüber der Politik. Der Verband setzt sich für soziale Gerechtigkeit und für den Erhalt und den Ausbau der sozialen Sicherungssysteme ein. Der SoVD ist gemeinnützig und parteipolitisch unabhängig.

Seinen über 525.000 Mitgliedern bietet der Verband sozialrechtliche Beratung in Fragen der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung sowie in Fragen des Behindertenrechts, der Grundsicherung, des Arbeitslosengeldes II und der Sozialhilfe. Der SoVD vertritt Mitglieder in Klageverfahren vor den Sozialgerichten und führt in grundsätzlichen Fragen Musterklagen vor den Sozialgerichten.

Der Verband wurde 1917 als Kriegsopferverband gegründet. Ausgangspunkt der Gründung war die große Not der Kriegsbeschädigten und Kriegswitwen nach dem ersten Weltkrieg. Dabei wurde der Kampf für einen Rechtsanspruch auf Kriegsopferfürsorge als erster Schritt zu weiteren umfassenden Sozialreformen gesehen. Eine wichtige Rolle spielten auch die Emanzipation der Frau und die Völkerverständigung. Der Verband löste sich 1933 auf, um der Überführung in den nationalsozialistischen Kriegsopferverband zuvorzukommen. 1946 erfolgte in Hamburg die Neugründung als Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen. (nach Wikipedia)

Der Landesverband Bremen hat ca. 11.000 Mitglieder und informiert in den drei Kreisgeschäftsstellen seine Mitglieder und leistet Hilfestellung in allen sozialpolitischen Fragen: "Wir übernehmen für Sie die fachgerechte Antragstellung auf Leistungen bei:

  • Versorgungsämtern
  • Renten- und Unfallversicherungsträgern
  • Kranken- und Pflegekassen
  • Bundesagenturen für Arbeit und
  • Sozialhilfeträgern.

Wir vertreten Sie vor den Sozial- und Landessozialgerichten sowie dem Bundessozialgericht durch unsere Sozialberater und Volljuristen.!" So auf der Homepage des Landesverbandes Bremen.
Sönke Hundt