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18. November 2010

Streik bei Atlas: "Tag der Solidarität" am 20. November in Delmenhorst

Dank an die Metaller von ArcelorMittal für ihre Solidarität und für ihre Köksöfen samt Brennmaterial, die nun an allen drei Streik-Standorten für Wärme sorgen. "Der Stahl, den ihr herstellt, ist zwar hart, aber euer Herz ist weich und gut!"

Treffpunt ist um 11 Uhr in Delmenhorst der Platz am Stadtwall. Die Atlas-Beschäftigten und die IG Metall fordern auf zu "Solidaritätsstreikschichten". Wer sich beteiligt, hat dadurch die Möglichkeit, hautnah zu erfahren, welche Strapazen die Streikenden im Kampf um ihre Würde auf sich nehmen. Wer mitmachen will: melde sich bitte bei oldenburg@igmetall.de. "Geben sie guter Arbeit in der Region ein Gesicht," so heißt es in dem offenen Brief, "und kommen sie am Samstag zur Kundgebung! Wir freuen uns auf Unterstützung." Der offene Brief hier.

Die 650 Beschäftigten in den drei Atlas-Werken Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta streiken jetzt seit 28 Tagen für einen eigentlich selbstverständlichen Tarifvertrag. Der Alleininhaber, Fili Filipov, weigert sich weiterhin, mit der IG Metall auch nur in Verhandlungen einzutreten. Die Metaller mobilisieren jetzt mit großem Erfolg die Öffentlichkeit in den Gewerkschaften, den anderen Metallbetrieben, den Kirchen und Gemeinden, um weiteren Druck aufzubauen. In dem offenen Brief wendet sich Hartmut Tammen-Henke, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Oldenburg, an die Parteien im niedersächsischen Landtag, an die Kirchen, den Arbeitgeberverband und an die Öffentlichkeit:

"Wir wenden uns an Sie, weil wir Unterstützung erbitten und sie auffordern wollen, an unserer Seite zu stehen und gemeinsam mit uns dafür einzutreten, dass die Gesetze Deutschlands eingehalten werden. Wir kämpfen für  einen Tarifvertrag - wir kämpfen aber auch für gute und sichere Arbeitsplätze in der Region. Unsere soziale Marktwirtschaft mit Mitbestimmung, demokratischer Teilhabe und auch Streikrecht hat uns zur führenden Wirtschaftsmacht gemacht, Diese Ordnung darf nicht schrittweise durch ein amerikanisches „Hire and Fire“-System ersetzt werden. Wir finden es keineswegs akzeptable, wenn der Eigentümer und Geschäftsführer Fil Filipov den 650 Mitarbeitern durch Aushang bekannt gibt, dass er seine Frau damit beauftragt hat: 'ihn zu erschießen, falls er einen Tarifvertrag unterschreiben wolle.' Auf eine solch unmoralische Art und Weise unsere Kolleginnen und Kollegen unter Druck zu setzten halten wir für nicht hinnehmbar. Wir führen eine Tarifauseinandersetzung und keinen Krieg!"

Die Auseinandersetzungen zwischen den Streikenden und der Geschäftsleitung gehen laufend weiter. Es kommt immer häufiger zu mehr oder minder schweren Hakeleien an den bestreikten Toren und zu laufenden Prozessen vor den Arbeitsgerichten. Hier eine völlig unvollständige Auswahl aus den Aktuellen Streiknachten, wovon inzwischen die Nr. 17 (v. 18.11.10) erschienen ist.

  • In den drei Werken musste auf richterliche Anordnung jeweils ein Tor freigegeben werden. Die Streiken haben dabei das Recht, alle LKWs, die raus oder rein wollen, für 15 Minuten zu stoppen, um mit den Fahrern Gespräche zu führen.

  • Während des Arbeitskampfes sind zuvor entlassene Kollegen als Streikbrecher wieder eingestellt worden. Die Gewerkschaft wiederholte ihre Kritik, dass Mitarbeiter der Werke unter Druck gesetzt würden. Die Beschäftigten bekommen bekommen Drohanrufe und werden mit Strafverfahren bedroht, obwohl mittlerweile richterlich festgestellt wurde, dass der Arbeitskampf rechtmäßig ist. Filipov wirft trotzdem den Beschäftigten unentschuldigtes Fehlen vor.

  • Azubis, die in Vechta ausgebildet werden und die erste Woche mit den anderen streikenden Kollegen vor den Streiktoren gestanden haben, wollen weiter ausgebildet werden. Aber - sie werden von der Geschäftsleitung gezwungen, Streikbrecherarbeiten auszuführen. Was wirklich nicht zu ihrer Ausbildung gehört! Die IG Metall will alle Schritte einleiten, um diesen Rechtsverstoß rückgängig zu machen.

  • Die Bürgermeisterin der Gemeinde Ganderkesee Alice Gerken- Klaas und der erste Gemeinderat Rainer Lange waren am Mittwoch, den 17.11.2010 erstmalig bei unseren streikenden Kolleginnen und Kollegen in Ganderkesee, um sich dort vor Ort von unseren IG Metall Kollegen Hartmut Tammen-Henke und Holger Rigbers, sowie weiteren Streikenden über die aktuelle Lage des Streiks informiert. Eine Bitte der Streikenden wurde von der Bürgermeisterin sofort umgesetzt, es wurde dafür gesorgt, daß eine 30 km/h Zone vor dem Atlastor eingerichtet wurde, um damit eine Gefährdung der streikenden Kolleginnen und Kollegen zu verhindern. Danke dafür."

  • Am Mittwochmorgen folgten drei Kollegen einer Einladung zur Jugendund Ausbildungsversammlung bei Mercedes im Bremer Mercedes Werk, um dort stellvertretend für alle streikenden Atlas Kolleginnen und Kollegen vom Streik zu berichten.

  • Listige Aktion, trotzdem gleich entdeckt. Es wurden bei Atlas Delmenhorst fertig gebaute Ladekrane mit einem abgeplanten LKW ins Werk transportiert, von einigen Streikbrechern mit neuen Aufklebern versehen und per LKW ohne Verdeck wieder aus dem Werk heraustransportiert. Kommentar: "Für wie dumm will der Betriebsleiter und sein Helfer eigentlich die Streikenden verkaufen, denn diese Aktionen sind so durchsichtig, daß man schon Angst bekommen muss, daß Verantwortliche des Werkes Delmenhorst sich solcher dummen Tricks bedienen." Es verdichten sich in Ganderkesee die Hinweise, dass Filipov in seiner Not leere Kartons per Helikopter aus dem Werk fliegen lässt, nur um den Streikenden Aktivitäten vorzutäuschen. Kommentar: "Sollte sich dieses Gerücht bestätigen, muss sicher auch die genehmigende Behörde noch einmal neu nachdenken, bevor sie weitere Flüge genehmigt.

Es wäre begrüßenswert, wenn sich auch aus Bremen viele auf den Weg nach Delmenhorst machen würden, um Solidarität zu zeigen. Die möglichst umfassende Öffentlichkeit ist bei einem Streik von großer Bedeutung! Der Landesvorstand DIE LINKE. Landesverband Bremen unterstützt den „Tag der Solidarität“ in Delmenhorst und ruft die Mitglieder des Landesverbandes auf, sich an dem Tag der Solidarität und an den Solidaritätsstreikschichten zu beteiligen.
(sh)