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17. November 2010

Bremer Tageszeitungen AG: Flucht aus der Tarifbindung

Weserkurier von heute. Keine Meldung über Tarifflucht.

Im Weserkurier konnte man natürlich nichts davon lesen. Aber Radio Bremen und die Taz brachten die Meldung: Die Bremer Tageszeitungen AG (BTAG), die mit Weserkurier und Bremer Nachrichten sowie den zahlreichen Regionalausgaben in Bremen und umzu ein faktisches Zeitungsmonopol hat, hat innerhalb des Verlegerverbandes ihren Status geändert. Bisher war die BTAG "Mitglied mit Tarifbindung". Nun ist sie in eine "Mitgliedschaft ohne Tarifbindung" gewechselt. Das ist, so der Vorstand des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) in einer Stellungnahme, nichts anderes als Tarifflucht. 

Für den Deutschen Journalisten-Verband ist dies eine Provokation, da zur Zeit gerade Tarifverhandlungen für Zeitungsredakteure stattfinden. Bei der BTAG werden viele der berüchtigten Methoden der Personalkostensenkung angewandt. So kritisiert der DJV, dass beim Weserkurier und bei den Bremer Nachrichten frei gewordene Stellen in den meisten Fällen nicht wieder besetzt und dass Leiharbeiter mit untertariflicher Bezahlung beschäftigt würden. Außerdem seien immer mehr Beschäftigte in Fremdfirmen mit einer Bezahlung weit unter Tarif ausgelagert worden. So z.B. beim Online-Ableger des Weserkuriers WK-Digital.

Der Wechsel aus der Mitgliedschaft "mit" in die Mitgliedschaft "ohne Tarifbindung" hat zur Folge, so der DJV in seiner Erklärung vom 16.11.10, "dass künftige Gehalts- und Manteltarifverträge für die Beschäftigten dieser Verlage nicht mehr gelten und die Gehälter neuer Mitarbeiter frei verhandelbar sind. Bei Bremer Nachrichten und Weserkurier arbeiten knapp 100 Redakteurinnen und Redakteure. Dass sich Verlage durch Tarifflucht ihrer sozialen Verantwortung für die Beschäftigten entziehen, ist schon schlimm genug", kritisierte DJV-Hauptgeschäftsführer Kajo Döhring, der zugleich Verhandlungsführer bei den Tarifgesprächen mit den Verlegern ist. "Dass sie die Tarifflucht mit Wissen und womöglich Billigung des Verlegerverbandes während der laufenden Verhandlungen mit DJV und ver.di begehen, ist eine offene Provokation der Gewerkschaften." Döhring forderte den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf, dieses Verhalten zu unterbinden.

Die Bremer BTAG ist natürlich nicht der einzige Verlag, der Tarifflucht begeht. Bislang waren bereits 31 Zeitungen Mitglieder im BDZV ohne Tarifbindung. Um welche Verlage und Zeitungen es sich handelt - darüber informiert der DJV auf seiner Homepage unter www.djv.de
Sönke Hundt