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14. November 2011

Verlagerung der Produktion von "Beck's" nach St. Louis (USA)?

Beck's Bier soll ab Anfang kommenden Jahres "überwiegend" am US-amerikanischen Standort St. Louis gebraut werden. Diese Nachricht, zuerst in der Mitarbeiterzeitung verbreitet, war eine wahre Schreckensmeldung für die Beschäftigten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) organisierte umgehend noch am 12. November eine hervorragend besuchte Mitgliederversammlung. Der Versicherung des Managements, dass "keine Arbeitsplätze in Deutschland betroffen" seien, traut niemand, zumal diese Äußerung mit dem Zusatz "derzeit" versehen ist. Dieter Nickel, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG in Bremen, setzt in dieser Situation einmal mehr auf die Solidarität der Beschäftigten. "Diese Belegschaft hat in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass sie bereit und in der Lage ist, ihre berechtigten Interessen durchzusetzen, sei es beim Sozialtarifvertrag oder in der letzten Entgeltrunde. Wir verlassen uns nicht auf allgemeine Aussagen des Managements, deren Haltbarkeitsdauer erfahrungsgemäß sehr kurz ist. Wir wollen die Beschäftigungssicherung schriftlich haben."

Jens Bujok, Betriebsratsvorsitzender von Beck & Co., schätzt, dass 100 Arbeitsplätze aufgrund der geplanten Produktionsverlagerung in die USA gefährdet seien. Würden auch die Produktionen von anderen Marken verlagert, wäre der Arbeitsplatzabbau noch höher.

Das Management versucht natürlich, die Bedenken zu zerstreuen und die Entscheidung zu rechtfertigen (Weserkurier v. 9. November 2011). Es würden neue Produkte mit neuen Verpackungsformen auf den Markt gebracht, man wolle auf dem hart umkämpften Biermarkt weiter wachsen und brauche deshalb alle Kapazitäten.

Dass mit einer Verlagerung Transportkosten gespart werden können - das ist sicher nicht zu bestreiten und dürfte der ausschlaggebende Grund für die Entscheidung sein. Aber die Erkenntnisse aus der Marktforschung, die Oliver Bartelt, der jetzige Unternehmenssprecher als Begründung präsentierte, sind mehr als zweifelhaft. Konsumentenbefragungen in den USA hätten ergeben, so Bartelt, dass für US-Verbraucher vor allem wichtig sei, "wie Beck's und nach welcher Rezeptur es gebraut ist, aber nicht wo".

"Beck's" war immer eine international renommierte Premiummarke, die eng mit dem Standort Bremen verknüpft war. Sie war im Verbraucherbewusstsein so fest und mit so guten und stabilen Qualitäts- und Imagewerten verankert und außerdem so ertragreich, dass die belgische Interbrew seinerzeit - 2001 - die phantastische Summe von 3,5 Mrd. DM für das Unternehmen Beck & Co. bezahlte. Wobei zwei Drittel des Kaufpreises allein auf den Wert der Marke entfielen. Warum wohl hat das damalige Marken-Management (vor allem unter Josef Hattig) der Verlockung widerstanden, das Bier in den USA zu produzieren? Das Transportkostenargument jedenfalls hatte auch schon damals seine Gültigkeit.

Eins ist sicher: Wenn Beck's an anderen Standorten produziert wird, seit einiger Zeit ja auch in Issum, und nun das Management sogar einen großen Teil der Produktion nach Übersee verlagert, wird das der Marke "Beck's" mit Sicherheit weiteren Schaden zufügen.
Sönke Hundt