
Gewerkschafter von ArcelorMittal brachten ein wärmendes Streikfeuer (Fotos: Erich Kassel)

Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste

Streikende mit Transparenten

die mdexx-mitarbeiterInnen befinden sich nach wie vor im Streik, der offiziell ein Warnstreik ist. Gestern abend setzten solidarische Gewerkschafter von ArcelorMittal (ehemals Stahlwerke Bremen und Klöckner-Hütte) eine alte Tradition fort und brachten den Mahnwachen vor dem Werkstor ein wärmendes Streikfeuer.
Für die Verhandlungen der Einigungsstelle, die gestern morgen unter Vorsitz von Michael Grauvogel (vorsitzender Richter beim Landesarbeitsgericht) begonnen haben, gilt strikte Vertraulichkeit. Bis jetzt sind noch keine Einzelheiten nach außen gedrungen. Ebenfalls gestern war auch die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, zu den Streikenden gekommen und hat - wie nicht anders zu erwarten - die Rücknahme der Kündigungen gefordert. Mehrere Hundert Beschäftigte sowie Arbeitnehmer anderer Betriebe hatten sich hier ab 9 Uhr versammelt, um gegen die Entlassungen der 198 mdexx-Beschäftigten zu protestieren. Die faktische Besetzung des Betriebs ("Industriecamping") wurde fortgesetzt.
Inzwischen ziehen Streik und Betriebsbesetzung in der Öffentlichkeit immer breitere Kreise. Die Bild-Zeitung berichtete heute, 2. Dezember, unter der Schlagzeile "Mitarbeiter besetzen mdexx". Der Weserkurier von heute berichtete, dass wegen der anhaltenden Streiks inzwischen bei der Medizin-Technik-Sparte von Siemens Engpässe bei der Anlieferung von bestimmten in Bremen gefertigten Teilen auftreten und deshalb Computertomographen und Angiographiegeräte in Forchheim nicht ausgeliefert werden könnten. "Nahestehende Kreise" hätten auch berichtet, dass Siemens-Medizin-Technikchef Hermann Requard und Konzern-Personalvorstand Siegfrie Russwurf sich inzwischen in den Konflikt bei mdexx eingeschaltet hätten. Das ist verständlich, denn die Produktion der medizinischen Großgeräte ist hoch profitabel, so dass Lieferschwierigkeiten in diesem Bereich richtig weh tun.
(sh)
Hier zwei Eintragungen von heute nacht aus dem Gästebuch der von mdexx-Beschäftigten eingerichteten Website www.mdexx.info
02.12.09 03.23 Uhr
"Liebe Kollegen, seit einigen Wachen und der heutigen "Besetzung", finde ich es super,auch die Kollegen und Kolleginnen kennen zu lernen, denen man sonst nur im "Vorbeilaufen" begegnet. Der Zusammenhalt ist echt Super und die Stimmung in der schlechten Zeit ist den Umständen entsprechend gut. Wir harren (bzw. sitzen, oder liegen) hier seit einigen Stunden zusammen und tauschen intensiv unsere Sorgen und Gedanken über die Zukunft und Lage aus. Wir haben dennnoch die "Hoffnung auf ein Wunder" und hoffen das dieses "HIN UND HER" endlich ein positives und für alle ein tragbares Ende findet, denn die Nerven liegen bei uns allen blank. Ich bin einer derjenigen, der viel verkraftet, aber es gibt viele Kollegen die zerbrechen an dieser Sch...ß Situation. Aber ich habe gelernt nicht immer alles hin zu nehmen und meine Meinung kund zu geben. Ich wünsche mir, das auch Ihr in den Versammlungen und auch vor der Presse Eure Meinung kundtut. Zu den Entschuldigungen der "Boten", denke ich mir meinen Teil, es ist wohl besser so. Es kamen nur wenig Entschuldigungen mit "Reue", es ist halt deren Job und die haben "DIE POSITIONEN" in denen mann halt Kündigungen ausspricht. J.M. ich steh zu Dir, ich denke Du bist der einzige mit SISU von denen, die es ernst gemeint haben.(Die Wurst ist meine ;-)) Ich habe keine Ahnung wie es alles so weiter geht, aber ich werde meine Zeit nutzen um uns in den Verhandlungen weiter zu treiben. Sollte es nicht so ausgehen wie wir es hoffen, bin ich "STOLZ" Seite an Seite mit Euch für "UNSERE SACHE" zu Kämpfen. You’ll Never Walk Alone"
02.12.09 3:09
"Ich gehe durch die Gänge und Büros und überall liegen Mitarbeiter. Auf Werkbänken, Stühlen, Schreibtischen, Gängen oder auf dem Fußboden. Ich habe gerade alles fotografiert, das glaubt mir sonst keiner. Hier werden Menschen zerstört, nur für den Profit. Ich habe versucht sachlich zu bleiben."