Am Freitag (26.11.10) habe auch fünf Leute aus dem Zusammenhang Linksjugend ['solid] die Streikenden bei Atlas besucht. Schon auf der Hinfahrt bestimmte die Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag nicht nur die Gespräche, sondern auch die Nachrichten im Radio: Nach stundenlanger Verhandlung war Donnerstagnacht ein Kompromiss erreicht worden, der nun den streikenden Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern vorgeschlagen wird. Spannung kam auf: Sind wir einen Tag zu spät? Gibt es überhaupt noch die Chance, mit den Streikenden ins Gespräch zu kommen oder werden wir nur dem allgemeinen Abbau von Dixiklos, Pavillons, Feuertonnen und sonstiger Streikinfrastruktur beiwohnen können?
Wir waren glücklicherweise nicht zu spät. Die Streikposten begrüßten uns direkt freundlich und nahmen routiniert unsere Solidaritätsbekundung entgegen, luden uns auf Kaffee und Brötchen ein und zeigten sich sehr offen für Fragen und Diskussionen. Die einhellige Meinung unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Kurzform:
Auffällig war, dass viele den Streik nicht als singuläre Auseinandersetzung in ihrem Betrieb interpretieren, sondern auch im Kontext von Sozialabbau, Deregulierung der Arbeitsmärkte und der ausufernden Ungerechtigkeit im neoliberalen Kapitalismus verstehen.
Wir waren uns vorher nicht unbedingt sicher, wie unsere Solidaritätserklärung wohl bei den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern aufgenommen werden würde. Umso erfreulicher war dann das große Einverständnis zwischen den doch ziemlich unterschiedlichen „Peer-Groups“ („was seid denn Ihr für dunkle Gesellen?“ als neckische Begrüßung eines Herren in roter IGM-Jacke). Die Leute freuten sich über unsere Solidarität, eben auch weil wir nicht zum traditionellen Kernmilieu der IG-Metall gehören. Und wir freuten uns über den Austausch, weil die meisten von uns keine persönlichen Erfahrungen mit massiven Arbeitskämpfen und Streiks haben. Delmenhorst war also ohne Frage eine Reise wert.
Christoph Höhl
Fotos: Doris Achelwilm
Die Solidaritätserklärung:
An die Streikenden von ATLAS - Solidaritätserklärung von ['solid] Bremen
Wir bewundern euren Mut, eure Ausdauer, eure Entschlossenheit.
Ihr seid ein Vorbild für viele,
– die auch von Arbeitgeberwillkür betroffen sind,
– deren Bosse nur auf die Rendite, nicht aber auf den Menschen sehen,
– bei denen die Redefreiheit am Werkstor aufhört und
– die einfach keinen Bock mehr haben, von ihren Chefs herumgeschubst zu werden.
Immer mehr Menschen fangen angesichts der Zustände in vielen Betrieben, aber auch in den Arbeitsagenturen, in Ausländerbehörden, auf der Straße und in Schulen und Hochschulen an, sich gemeinsam zu wehren.
Wir wollen mit euch, und allen anderen die noch nicht kämpfen, für eine Gesellschaft streiten,
– in denen Betriebe demokratisch organisiert sind,
– in der die Früchte unserer Arbeit nicht einzelnen, sondern allen gehören,
– in der mensch nicht die Stunden bis zum Wochenende herunterzählt,
– in der endlich der Mensch statt des Profits im Vordergrund steht.
Together we stand, divided we fall!
Linksjugend ['solid] versucht in Bremen derzeit, wieder verstärkt in linke und LINKE Debatten zu intervenieren. Interessierte sind herzlich eingeladen, Dienstagabends, 19 Uhr, ins Abgeordnetenbüro von Peter Erlanson (Buntentorsteinweg 109) zu kommen.