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13. Dezember 2010

Die Tarifverträge sind abgeschlossen. Atlas-KollegInnen feierten ihren Erfolg in Vechta

Bilder aus dem Erinnerungskalender

Noch einmal erschallte im Chor "Hub-Hub-Hub-schrauber-Einsatz". Die IG-Metall hatte zum Abschluss des Streiks die Ex-Streikenden in den drei Betrieben der Atlas Maschinen GmbH nach Vechta eingeladen. Mit Familien und Unterstützern. Schon während der Hinfahrt wurde viel gelacht und auch über das Erlebte gesprochen.
"Toll war es, einer hat den anderen aufgebaut",
"bin gespannt, ob er (Filipov) jetzt aufhört damit",
"mit uns hat er Probleme"

Freundschaften wurden geschlossen, aber einige zerbrachen auch während des Arbeitskampfes. "Ich verstehe nicht, dass er nicht mitgemacht hat, wir kennen uns doch solange und gut"“, "ich glaube, wenn wir drei Wochen weitergemacht hätten, hätte er alles unterschrieben".

Die Gruppe "Gutzeit", die schon während der Kundgebung in Delmenhorst gespielt hatte, brachte wieder ihre fetzigen und klassenkämperischen Spott- und Lästersongs gegen die abgehobene Oberschicht und für das abgehängte Prekariat. "Störtebecker komm zurück", "Sabine von Lidl", "Hartz IV -  Was soll ich denn in der Gewerkschaft" - das waren die eingängigen Titel.

Begleitet wurde die Feier von wenigen Reden zur Erinnerung an ihren Streik: Filipov hat nichts gewonnen, die Verträge gelten weiter - durch euren Zusammenhalt. Wir sehen euch als Beispiel. Ihr habt durchgehalten, das ging nicht ohne die Familien und die begrüße ich hier. Nicht nur für uns, auch für unsere Kinder haben wir das gemacht. Wir werden weiter kämpfen müssen.

Bemerkenswert die Rede der Kollegin Angelika Coors aus dem Werk Ganderkesee:

„Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen

Heute ist die Gelegenheit, meine ich, wo wir als Streikende, oder besser gesagt als Ex-Streikende, uns auch mal bedanken möchten. Für uns alle war so ein Streik ja auch neu, aufregend und spannend. Aber wir waren in dieser Situation nicht allein. Egal was passierte, einer von unseren Streikbegleitern hatte immer eine Idee, einen Ratschlag, manchmal auch Anweisungen, wie es weiter gehen soll. Ich weiß noch, als wir vom Arbeitsgericht kamen und erfahren hatten, dass wir ein Tor passierbar machen müssen. Bei mir machte sich der Gedanke breit: 'Warum sollen wir dann denn noch streiken, wenn Die ungehindert raus und rein können.' Aber sofort kam die Ermutigung: 'Wir können noch eine Schippe nachlegen.' Und: 'Wir können ihnen das Leben auch so noch schwer genug machen.' (Was dann ja auch geklappt hat). 'Das geht alles seinen sozialistischen Gang.' (Originalton Jürgen).

Wenn Besuch kam, für jeden war die Zeit da, um unsere Lage zu erklären und den Zweck unseres Streiks zu verdeutlichen. Ich glaube, manch einer ist mit einer anderen Einschätzung unserer Situation wieder nach Hause gegangen. Und das war sehr wichtig für uns. Aber auch so Dinge wie Essen, heiße Getränke, Holz und Koks für den Feuerkorb wurden schnell geregelt. Das machte uns das Leben vor dem Tor doch etwas leichter. Es wurden schnell und unbürokratisch Entscheidungen getroffen, was heute ja leider nicht mehr selbstverständlich ist. Was mir besonders imponiert hat, war die Ruhe und Gelassenheit mit der agiert wurde. Ich glaube, sonst wäre der Streik manches Mal doch nicht so friedlich und auch nicht so erfolgreich abgelaufen. Und dafür möchten wir uns mit einer kleinen Erinnerung an den Streik bedanken."

Mit der kleinen Erinnerung war der Erinnerungs-Kalender mit Fotoimpressionen und Zitaten gemeint, die zum Streik passten. Auch hier wieder bezeichnend, welche Zitate ausgewählt wurden: wie

  • "In dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst" - Aurelius,
  • "Tyrannenmacht kann nur die Hände fesseln - Schiller",
  • "Behalte deine Ängste für dich, aber teile deinen Mut mit anderen" - Stevenson.

Die Kollegin Angelika Coors gab selbstbewusst ihre Rede zur Veröffentlichung frei und erklärte, sie hätte während des Arbeitskampfes viele Interviews gegeben und stünde zu dem was sie sage. "Ich hätte nicht für Lohn solange dagestanden, ich will behandelt werden wie ein Mensch, nicht unwürdig. Ich will nicht verhackstückt werden". Eine Haltung, die man den ganzen Streik über hörte. Es war ja auch ein Machtkampf, "halten wir durch oder er"? "wir standen für alle im Kampf, es hätte sonst einen Flächenbrand gegeben, hätten wir verloren."

In weiteren Unterhaltungen während des Buffets gab es ein Loblied auf die Kollegen von der Hütte ArcelorMittal. "Die haben sogar noch einen Kokskorb gebaut, weil wir für die vielen Tore mehr brauchten, immer war Koks da. Dieses Streikfeuer hat uns gewärmt." Kollegen der Vertrauenskörperleitung von dort haben sogar Urlaub genommen, um mit uns Streikposten stehen zu können. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die sozialkritische Musik der Gruppe "Gutzeit" nicht bei allen gut ankam. Nicht wenige KollegInnen von Atlas empfinden sich nicht als Linke und hätten wahrscheinlich lieber feierliche Musik oder Tanzmusik gehört.
Erich Kassel