
Dr. Diethelm Hansen, Geschäftsführer Gesundheit-Nord

im Krankenhausausschuss der Bürgerschaft am 25.09.08
Das von Diethelm Hansen, Geschäftsführer der Gesundheit-Nord-Holding, gewünschte 700.000-Euro-Gutachten für ein Personalkonzept ist immer noch nicht durch. In der Sitzung des Gesundheitsausschusses der Bürgerschaft am 25.09.08 wurde von Abgeordneten der CDU, FDP und der LINKEN nachgefragt und immer wieder nachgehakt. Gehöre es nicht zu den wichtigsten Aufgaben der Geschäftsführung selber, für einen solch weitreichenden Sanierungsplan (Abbau von 1000 Stellen) auch einen Plan zu haben bzw. ganz schnell aufzustellen? Geschehe die Sanierung denn jetzt ohne Plan, also planlos?
Diethelm Hansen als Geschäftsführer und Hermann Schulte-Sasse als Staatsrat im Gesundheitsressort hatten erhebliche Mühe, den Vorgang zu erklären. Es wäre ganz normal, sich für ein solch schwieriges Vorhaben Expertise von außen zu holen. Für diese schwierigen Sanierungsaufgaben an Krankenhäusern gäbe es mittlerweile bewährte Spezialisten. Nein, es handele sich auch überhaupt nicht um ein Gutachten, das wäre die völlig falsche Vokabel dafür. Es wäre ein Projekt. Für dieses Projekt "Personalabbau" müsse Station nach Station und Abteilung nach Abteilung genau analysiert werden, um Sparpotentiale aufzutun.
Die Kosten für diese Beratungsleistungen stünden noch nicht fest. Aber gute Beratung hätte eben seinen Preis. Die Charité in Berlin hätte für eine ähnliche Beratung an Roland Berger 12 Mill. Euro, Vivantes ebenfalls in Berlin an McKinsey 15 Mill. Euro bezahlt.
Die Abgeordneten der Oppositionsparteien waren nicht überzeugt von den wortreichen Erklärungen, die von Hansen und Schulte-Sasse gegeben wurden. Sie wünschten, auf der nächsten Sitzung des Krankenhausausschusses über dieses Gutachten bzw. Beratungsprojektes genauer und anhand von Unterlagen informiert zu werden. Das Thema steht also wieder auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung.
Inzwischen hat sich auch der Holding-Aufsichtsrat am Dienstag mit der 700.000-Gutachten-Angelegenheit befasst. Der Aufsichtsrat habe sich "einvernehmlich" hinter den Gutachtenauftrag gestellt. Aber es müsse mit der Arbeitnehmerseite noch verhandelt werden, "damit der Personalabbau von den Beschäftigten auch nachvollzogen werden könne." So hieß es in einer Erklärung des Klinikverbundes.
Zur Erinnerung: die Sanierung hat längst begonnen; sie läuft schon seit vier Monaten, nämlich seit Juni 2008. Schon am 5. Juni hatten die Beschäftigten des Krankenhauses Links-der-Weser auf ihrer Kundgebung auf dem Marktplatz das bis heute fehlende Personalkonzept eingefordert. Es war damals schon sehr seltsam, dass Hansen, gerade frisch aus Berlin gekommen, und bevor er seine Kliniken überhaupt zum erstem Mal von innen gesehen hatte, schon das Einsparungsziel wusste: nämlich 18 % der jetzigen Personalkosten, was umgerechnet besagte 1000 Stellen ergibt.
Sönke Hundt