Wie heißt der Spruch? "Ein Geschäftsführer führt keine Geschäfte, weil ein Zitronenfalter auch keine Zitronen faltet." Die Frage ist aber wirklich, was die vielen neu eingestellten Geschäftsführer für die vier kommunalen Kliniken und für die Holding und ihre Mitarbeiter denn nun eigentlich machen?
An sich hätte es ja so laufen müssen: nach dem Debakel mit der alten Geschäftsführung und angesichts der Notlage des Klinikverbunds (Gefahr der Insolvenz) hätten die neuen Geschäftsführer mit Diethelm Hansen an der Spitze sich hinsetzen und möglichst schnell einen Unternehmensplan mitsamt einem Personal- und Reorganisationskonzept ausarbeiten müssen. Wobei sie auf schon lange vorliegende Berechnungen und Konzepte hätten zurückgreifen können; denn die Probleme des Klinikverbundes sind ja nicht gerade neu.
Jetzt sind die ersten drei Monate vergangen - und was schlägt die Geschäftsführung für die Sanierung vor? Sie schlägt vor, dass der Aufsichtsrat der Holding mal so eben im schriftlichen Umlaufverfahren ein Gutachten (Gutachter bis jetzt nicht bekannt) mit dem Volumen von 700.000 Euro in Auftrag geben soll. Wobei gerade ein zweiter Geschäftsführer für die Holding eingestellt und ein 100.00-Euro-Beratungsauftrag an die Hamburger Fa. Lohfert & Lohfert für die Begutachtung von Materialbeschaffung und -verbrauch vergeben worden ist (lt. Weserkurier v. 10.09.08).
Die Sanierung hat aber schon längst begonnen. Das Ziel, 1000 Vollzeitstellen abzubauen, ist als erstes beschlossen. Die Anweisung, befristete Verträge nicht zu verlängern, greift schon. Dienstpläne für einzelne Stationen werden jetzt schon in Frage gestellt.
Der Schluss ist zwingend: die Sanierung erfolgt ohne Konzept, ohne Plan, also konzeptions- und planlos. Die jetzige Geschäftsführung sieht sich auch nicht in der Lage, ein solches Konzept endlich vorzulegen, sondern flüchtet sich in die Vergabe eines "Gutachtens zur Erarbeitung einer Expertise zur Personalplanung." Genau dieses Konzept für die Personalplanung hatten die Beschäftigten des Klinikums LdW auf ihrer Kundgebung vor dem Rathaus schon am 05. Juni 08 zum Gegenstand ihrer Kritik gemacht und lautstark eingefordert. Denn es war ja schon sehr seltsam, dass Dr. Hansen, bevor er überhaupt "seine" Kliniken zum ersten Mal von innen gesehen hatte, schon wusste, dass die ominösen 18% der Personalkosten, das sind 1000 Vollzeitkräfte, eingespart werden müssten.
Jetzt fürchten sich Hansen und seine Co-Geschäftsführer in den einzelnen Kliniken vor den voraussagbaren Folgen ihrer Sanierung: nämlich Qualitätsverschlechterung, Imageverschlechterung, unzufriedene und empörte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, schließlich niedrigere Erlöse ...Und flüchten sich erst einmal in ein 700.000-Euro-Gutachten.
Der Auftrag für dieses Gutachten war aber selbst dem Holding-Aufsichtsrat auf seiner letzten Sitzung zu starker Tobak. Die Arbeitnehmervertreter haben das Verfahren des einfachen Durchwinkens per schriftlicher Zustimmung erst einmal abgelehnt. Das Thema wird den AR auf seiner nächsten Sitzung Ende September beschäftigen.
Hermann Schulte-Sasse als Vertreter der Senatorin hat für das Gutachten aber schon grünes Licht gegeben. Der Personalabbau ohne ein Personalkonzept wäre im Sinne der Qualitätssicherung "unverantwortbar"; die Auftragsvergabe von daher "unverzichtbar" (lt. Weserkurier v. 10.09.08)
Was hier im Bremer Klinikverbund passiert, ist abenteuerlich: eine Sanierung wird begonnen ohne ein Konzept, für das man erst Sachverstand, den man nicht hat, von Hamburg einholen muss. Das merkt Hansen drei Monate nach Beginn der Sanierung. Den benötigten Sachverstand wird er aber so schnell nicht kriegen, weil sein Antrag zur Sachverstandsbeschaffung erstmal im Aufsichtsrat gescheitert ist. Wenn der Auftrag dann endlich durchkommt, was wahrscheinlich ist, wird es aber einige Zeit dauern, weil der Gutachter vor der Abgabe seiner Expertise ja erst die Verhältnisse in den Kliniken untersuchen und für die Sanierung Konzepte entwickeln muss. Inzwischen nennt der Staatsrat Schulte-Sasse das bisherige Vorgehen - Sanierung ohne Konzept - "unverantwortlich". Das ist zutreffend!
Die Geschäftsführung der kommunalen Krankenhäuser ist in Bremen schon mehrmals in die Grütze, und einige Geschäftsführer ins Gefängnis gegangen. Bremen hat da irgendwie keine glückliche Hand.
Das findet übrigens auch die CDU und formuliert in einer Presseerklärung im Zusammenhang mit dem 700.000-Gutachten nicht schlecht: "Der rot-grüne Senat vermittelt alles andere als einen professionellen Umgang mit der Krise der städtischen Kliniken! Wer einen Stellenabbau beschließt, darf die Notwendigkeit nicht erst hinterher prüfen... Es ist (...) völlig schleierhaft, weshalb eine solche Untersuchung nicht schon längst vorliegt, schließlich haben sich die Verantwortlichen im Gesundheitsressort und in der Dachgesellschaft Gesundheit Nord im Zuge des Sanierungsplans schon vor Monaten auf den Abbau von fast 1.000 Stellen verständigt. Jetzt stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage diese Entscheidung überhaupt gefällt wurde. Das Vorgehen zeugt nicht von Professionalität... Das Klinikmanagement bremst durch die eigene Planlosigkeit den Sanierungsprozess aus."
Vielleicht ist ja ein kurzer Blick zurück in den Sumpf des letzten Klinikskandals, den übrigens die CDU mitverantwortet hat, zur Warnung ganz nützlich. Gerade gestern (am 10.09.08) ist der Tischlermeister Frank R. vom Amtsgericht zu sechs Monaten Gefängnis (auf Bewährung) verurteilt worden. Wegen Beihilfe zur Untreue. Er hätte wissen müssen, so das Gericht, dass bei der Auftragsvergabe für die ominösen Nachttische für das Klinikum Bremen-Ost erhebliche Provisionen an den Berater S. und an den damaligen Geschäftsführer Lindner (inzwischen auch beide verurteilt) fließen sollten. An Lindner allein 35.000 Euro.
Sönke Hundt