2. Februar 2019

100 Jahre Niederschlagung der Bremer Räterepublik: Die Zukunft ist offen!

Am 4. Februar jährt sich zum 100ten Mal die Niederschlagung der Bremer Räterepublik. Zur morgigen Gedenkveranstaltung auf dem Waller Friedhof erklären Cornelia Barth, Landessprecherin der Bremer LINKEN und Dr. Christoph Spehr:

„Die Erinnerung an die Geschichte der Bremer Räterepublik ist uns Mahnung und Ansporn zugleich. Um rechten Politikansätzen und rechten Parteien entgegen zu wirken, müssen wir gemeinsam und parteienübergreifend  für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der Mehrheit der Bevölkerung kämpfen. Die Chance, diese Aufgabe gemeinsam anzunehmen und zu lösen, sollten wir nicht erneut verspielen. Deshalb haben wir 'die Zukunft ist offen' in diesem Jahr als Spruch auf unserem Kranz gewählt.“

Dr. Christoph Spehr, Historiker und im Landesvorstand u. a. für die politische Bildung zuständig: „Die Novemberrevolution 1918 hat den Krieg und die Herrschaft des Militärs beendet und das Tor zu einer demokratischen und sozialen Umgestaltung aufgestoßen. Die Arbeiter- und Soldatenräte, die sich überall bildeten, waren das entscheidende Element dieser Revolution. Für diejenigen Kräfte, die nur eine politische Modernisierung des alten Klassenstaates, aber keine Demokratisierung von Wirtschaft und Militär wollten, waren die Räte der natürliche Feind.

Anlass für die Errichtung der Bremer Räterepublik, genauso wie für die Räterepubliken, Streiks und Massendemonstrationen in vielen anderen Städten, war die Entscheidung der Reichsregierung, mit militärischer Brutalität gegen aufständische Arbeiter*innen und die Räte vorzugehen. Die Bremer Räterepublik war Teil des reichsweiten Aufstands gegen den Pakt der mehrheitssozialdemokratischen Führung mit den reaktionären Militärs und gegen den Versuch, die Revolution ohne soziale Umgestaltung zu beenden.

Dieser Widerstand dauerte auch nach der blutigen Niederschlagung an, von den politischen Streiks in Bremen bis zum Generalstreik gegen den Kapp-Putsch, von der Reformpädagogik bis zum Protest der kulturellen Moderne für eine neue Gesellschaft. Die wirtschaftsdemokratischen und sozialen Elemente der Weimarer Verfassung, das schiere Überleben der Republik in ihren ersten Jahren, wären ohne diesen Widerstand nicht denkbar gewesen.“

Abschließend ergänzt Cornelia Barth: „Diejenigen, die in Bremen und überall an diesem Widerstand teilnahmen, kämpften dafür, dass die Arbeiterbewegung, der antiautoritäre Aufbruch und die soziale Demokratie nicht sofort wieder aus dem neuen Staat ausgeschlossen wurden. Ihre Anliegen überlebten, trotz endloser Niederlagen, das Ende der Räterepublik, das Ende des Weimarer Staates und die faschistische Diktatur. Das Anliegen einer umfassenden Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist bis heute nicht eingelöst, aber unvermindert aktuell. Auch deshalb sagen wir: 'die Zukunft ist offen.'"