
Die Journalistin Karin Leukefeld kam mit dreistündiger Verspätung

Blick in den vollbesetzten Saal der Stephani-Gemeinde

die mitreißend singende und spielende Songgruppe

Ingeborg Kramer von der "Initiative Solidaritätsbasar" begrüßte die Gäste
Das Organisationsteam für den jährlich stattfindenden Solidaritätsbasar in der Stephani-Gemeinde am 25. November hatte dieses Mal die Journalistin (schreibt viel für "junge Welt" und "Neues Deutschland") Karin Leukefeld eingeladen. Sie hat sich besonders in der letzten Zeit als Ethnologin, Islam- und Politikwissenschaftlerin einen Namen gemacht, weil sie laufend aus den Ländern des arabischen Aufbruchs berichtet. Und sie berichtet aufgrund eigener Recherchen und Erfahrungen vor Ort.
Die Kritik an den Medien war ein wichtiger Punkt in ihrem Vortrag. Die Rolle der Medien in diesen Ländern müsste neu diskutiert werden. Von einem bürgerlich-demokratischen Verständnis, dass Zeitungen und Sender eine informierende, kritische und evtl. korrigierende Rolle in einem demokratischen Land spielen müssten, hätten sich viele Medien, vor allem das Fernsehen, deutlich entfernt. Schon gäbe es unter arabischen Journalisten eine heftige Debatte darüber; und viele hätten ihre Sender bereits verlassen, weil sie einfach nicht bereit wären, die ihnen zugedachte Rolle zu spielen. "Die Medien sind", so Karin Leukefeld, "zum Teil aktive Instrumente der Auseinandersetzungen geworden und haben auch schon die Rolle übernommen, Kriege vorzubereiten. So z. B. in Libyen, und zukünftig wohl auch in Syrien. Das ist eine ganz bittere Geschichte, gerade für mich als Journalistin."
Karin Leukefeld war erst vor zwei Tagen aus Damaskus nach Deutschland gekommen und berichtete hauptsächlich über die Entwicklungen in Syrien. Sie schätzte die Lage sehr pessimistisch ein. An Verhandlungen, an der Bildung von Kompromissen, an der eventuellen Bildung von Übergangsregierungen und einer demokratischen Öffnung wäre "der Westen" eher nicht interessiert. Es würde wohl auf einen Bürgerkrieg zulaufen.
Vier Dinge aus ihrem inhaltsreichen Bericht waren besonders bemerkenswert:
Karin Leukefeld konnte ihr interessantes Referat erst mit einer mehr als dreistündigen Verspätung halten, der Deutschen Bahn sei Dank! Ab 18 Uhr war in den Räumen der Stephani-Gemeinde der Solidaritätsbasar eröffnet worden. Ingeborg Kramer und Margot Konetzka begrüßten die rd. 200 Anwesenden und berichteten, dass auch in diesem Jahr wieder Geld für die vielen Projekte, die unterstützt werden, gesammelt wurde. Es waren exakt 14.260,81 Euro zusammen gekommen; 9.089,81 sind per Überweisung , 800 durch eine große persönliche Spende und 4.371 Euro von der DKP gespendet worden. Das Geld aus dem Basarverkauf nicht mitgerechnet. Mit großem Beifall wurde den Spendern aber vor allem den vielen OrganisatorInnen und UnterstützerInnen dieses traditionellen Abends genannt.
Es war der 46. Solidaritätsbasar für Vietnam, Chile, Kuba, Nicaragua und Südafrika, der wieder im Gemeindehaus von St. Stephani stattfand. Ab 18 Uhr öffnete der Basar, auf dem Bücher, Kalender, Kunstgewerbe, Handarbeiten, Marmelade, Brot und Kekse angeboten wurden. Zu der traditionsreichen Veranstaltung der "Initiative Solidaritätsbasar" hatten rund 300 Bremerinnen und Bremer sowie 24 Organisationen aufgerufen. Die Initiative sammelt Geld für Projekte in von Armut gezeichneten Regionen und macht zugleich auf die Gründe des Elends auf der Erde aufmerksam. Geldspenden können auf das "Solidaritätskonto Alida Klee" bei der Sparkasse in Bremen, Konto-Nummer 171 5796, Bankleitzahl 29050101, überwiesen werden. Mehr über den Solidaritätsbasar und seine Geschichte hier und hier.
Die lange Wartezeit bis zum Eintreffen von Karin Leukefeld wurde nicht lang. Die Songgruppe mit Wiebke Rendigs, Eva-Maria Ströh, Klaus Levin und Jochen Ströh spielte und sang mitreißend. Der Sound war gut abgemischt, die Instrumentierung mit "Quetschi" Jochen Ströh an der Quetschkommode sowie Gitarre und Mandoline war variantenreich und kam an. Vor allem natürlich die Texte und Melodien der bekannten Schlager (ist überhaupt nicht abwertend gemeint!) der internationalen Solidarität: als da sind "The Winds Are Singing Freedom", "La Lega" in der Übersetzung von Dieter Süverkrüpp, "All the Little Children" der Sands-Family, "Hold The Fort" von Billy Bragg sowie das "Solidaritätslied" und "Avanti Populo" in vielen Sprachen. Als die Gruppe das Lied "Zündschnüre" von Franz Josef Degenhardt sang, wurde es still - bis dann der Beifall losbrach. Die alten Lieder wären überhaupt nicht alt und verstaubt, meinte Jochen Ströh in seiner Ansage. Im Gegenteil: angesichts der aktuellen Lage wären sie wieder hochaktuell. Wenn sie so unverstaubt, frisch, überaus gut gelaunt und engagiert vorgetragen werden, kann man dem nur zustimmen!
Sönke Hundt