1. Auch wenn die Nachrichten über und aus Fukushima in der Presse immer weiter nach hinten gerückt werden, sind die Gefahren gleich bleibend bedrohlich und aktuell. Nun ist offiziell das erste Todesopfer beim Reparaturversuch im japanischen Katastrophen-AKW zu beklagen. Im havarierten Reaktor sei ein etwa 60 Jahre alter Leiharbeiter beim Tragen von Ausrüstung zusammengebrochen und kurz darauf gestorben. Die Betreiberfirma schließt selbstverständlich eine erhöhte Strahlenbelastung des Verstorbenen aus, nennt jedoch keine anderen Gründe als Todesursache. Im Körper des Mannes, der bei der Arbeit in einem Entsorgungsgebäude Strahlenschutzanzug, Handschuhe und Atemschutz getragen habe, sei keine gefährliche Belastung mit Radioaktivität gemessen worden. Er soll erst einen Tag zuvor die Arbeit in dem Kraftwerk aufgenommen haben. Dabei ist die Arbeit in dem Katastrophen-AKW heikel, weil sich in dem Gebäude radioaktiv kontaminiertes Wasser befindet, das nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März aus den Reaktoren des Atomkraftwerks ausgetreten war.
Die Kernschmelze ist weitaus schlimmer eingetreten als gedacht. Erstaunlicherweise rechnete niemand mit einer solch hohen Strahlung in den Gebäuden, obwohl die AKW-Gebäude und die Reaktoren in Fukushima mürber als bisher befürchtet sind. Offenbar sind die Brennstäbe schon 16 Stunden nach dem Riesenbeben im März zum größten Teil geschmolzen. Die japanische Regierung räumte zum ersten Mal ein, dass der Druckbehälter am Reaktor 1 undicht sei und das Wasser, das den inneren Reaktorkern kühle, durch eines oder mehrere Löcher entweiche. Auch stehe das Wasser im Reaktor so niedrig, dass die Brennelemente offenbar völlig frei liegen, von einer Kühlung also nicht mehr die Rede sein kann. Tepco und die Behörden müssen angesichts der neuen Erkenntnisse wieder einmal ihre Pläne umwerfen. Es wird immer wieder neu bewiesen, dass Atomenergie auch zu friedlichen Zwecken alles andere als beherrschbar, gar zu verantworten ist. Deswegen müssen sofort alle Atomkraftwerke weltweit und für immer abgeschaltet und alle Atomwaffen vernichtet werden!
2. Nach einer Studie der UN-Ernährungsorganisation landete rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel, etwa 1,3 Milliarden Tonnen jährlich, auf dem Müll oder ging beim Transport verloren. Obwohl mehr als eine Milliarde Menschen hungern, die Herstellung von Lebensmitteln viele Ressourcen verschlingt und große Mengen Treibhausgase freisetzt, gelangt gleichzeitig mehr als die Hälfte der globalen Getreideernte nicht auf dem Teller. In Europa und Nordamerika werden im Schnitt jedes Jahr 95 bis 115 Kilogramm pro Kopf weggeworfen. Dagegen gehen den Menschen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Süd- sowie Südostasien nur sechs bis elf Kilogramm verloren. Allerdings verschwendeten und verlieren die Entwicklungsländer laut Ernährungsorganisation ungefähr genauso viel Lebensmittel wie die Industriestaaten, nämlich 630 Millionen Tonnen, was jedoch weniger an einer „Wegwerfmentalität“ als an fehlender Kühlung und schlechter Lagerung liege, weil die Bauern in den armen Staaten oft mit Erntemaschinen arbeiteten, die zu viel Früchte auf dem Feld ließen, oder viele Lager nur mangelhaft gegen Schädlinge gesichert seien. In reicheren Staaten würden große Mengen Nahrungsmittel wegen Qualitätsstandards verschwendet, die Aussehen überbetonen. Die Untersuchung rät dazu, die Einstellung der Konsumenten zu Lebensmitteln etwa durch Aufklärung und politische Initiativen zu ändern, um ihnen beizubringen, dass es inakzeptabel sei, ohne Not Essen wegzuwerfen.
3. Bayerns CSU-Arbeitsministerin Christine Haderthauer fordert, dass sich Langzeitarbeitslose verstärkt anstrengen, wieder Arbeit zu finden, wobei sie in einer Neuauflage von Asbach-uraltem Gehetze gegen Erwerbslose zum Halali ins Horn bläst. Sie behauptet, lange Arbeitslosigkeit führe zwangsläufig in die Gefahr, dass sich der Lebensrhythmus umstelle und die Produktivität abnehme. Es wird behauptet, dass nicht nur genügend Arbeitsplätze da seien, sondern sogar Fachkräftemangel bestehe. Herrschaftszeiten, warum werden denn die vielen erwerbslosen Facharbeiter nicht eingestellt? Doch nicht, weil sie inzwischen einen anderen Lebensrhythmus hätten, sondern weil sie „zu teuer“ und die aus Osteuropa billiger sind! Für die Menschen von dort lohnt sich die Arbeit hier, weil sie viel niedrigere Lebenshaltungskosten haben! Diese Neuauflage uralter Hetze hat doch nur einen Sinn: schnell weg von Anprangerungen, dass das ALG II zu niedrig ist und dringend erhöht werden muss!
Jeden Monat sein Geld überwiesen und ansonsten nur das Signal zu bekommen, dass er nicht gebraucht werde, führe zu Perspektivlosigkeit. Kann die Ministerin morgens in die Wohnungen hineingucken, oder woher gibt sie vor zu wissen, dass es Familien gibt, in denen die schulpflichtigen Kinder die einzigen seien, die morgens noch aufstehen? Sie „kennt“ diese Familien offenbar noch genauer, denn sie „weiß“, dass sie solchen Familien nicht helfen könne, indem sie den Eltern einfach nur einen Arbeitsplatz anbiete, weil hier zuerst „Brücken gebaut“ werden müssten, um in die Anforderungen eines geregelten Lebens und des Arbeitsmarktes zurückzufinden. Hier ist natürlich der Lockruf der Zwangsarbeit, äh: Ein-Euro-Jobs oder genialen „Bürgerarbeit“ gefragt! Haderthauer findet eine Betreuung notwendig, die über die Vermittlung eines Jobs hinausgehe und auch soziale Begleitung anbiete, Lebenskompetenz vermittele wie den Umgang mit Haushaltsgeld oder eine strukturierten Tagesablauf. Ganz so, als ob das Geld nicht zu wenig sei, sondern nur das Haushalten damit erlernt werden müsse! Mittels dieser Diffamierungen und Entmündigungen wird so getan, als ob es sich mit ALG II derart gut leben lasse, dass daraus ein wunderbarer Lebensstil entstehe.
Dann folgen die ganzen Unterstellungen, etwa die angebliche Inkompetenz der Arbeitslosen, die sich da so schlimme Sachen wie einen anderen Lebensrhythmus angewöhnt haben sollen oder angeblich nicht sanktioniert würden, wenn sie 14 Tage nach ihrer Einstellung ihren Job wegen angeblichen Zuspätkommens verlören. Ist hier mal wieder ein Zentner Hetze gefällig? In der Überschrift wird bereits so getan, als sei mit dem menschenverachtenden Hartz IV ein Lebensstil mit hoher sozialer Absicherung möglich, was an Zynismus wohl kaum noch zu überbieten ist. Aber Haderthauer setzt noch einen drauf und läutet eine Runde Pseudo-Gutmenschentums ein, indem sie so tut, als agiere sie mit ihren Forderungen gegen die bereits vorhandene Gefahr der Spaltung der Gesellschaft. Damit meint sie sicherlich die Zaubermittel von Verfolgungsbetreuung, ausbeuterischen Ein-Euro-Jobs, „Bürgerarbeit“ und Sanktionierung als „Brückenbau“ in eine unsolidarische Gesellschaft! Gilt es hier davon abzulenken, dass Menschen umfangreich kontrolliert werden sollen, um eventuellen Aufständen vorzubeugen? Ich finde, wenn die Bundesregierung nicht ihrer Pflicht nachkommt, dafür zu sorgen, dass ich von meiner Arbeit auch menschenwürdig leben kann, dann soll sie mich ohne Gegenleistung finanzieren! Früher war das Sozialstaatsprinzip mal eine Selbstverständlichkeit.