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4. März 2011

850 Millionen Boni für das Topmanagement und Peanuts für die Beschäftigten

"Das Angebot des Inbev-Managements ist für uns völlig inakzeptabel", so Dieter Nickel von der Gewerkschaft NGG Bremen zum den gestrigen Tarifverhandlungen für die Brauerei Beck & Co. Gefordert hat die NGG für die rund 1.400 Beschäftigten in Bremen und im Außendienst deutlich mehr als 6% für die nächsten 12 Monate sowie die Übernahme der Auszubildenden nach ihrem Abschluss für das folgende Jahr. Angeboten wurden vom Management zwei Erhöhungen von 45 Euro im Jahr 2011 und 60 Euro für 2012. Bei einer Laufzeit von 24 Monaten entspricht das, so Nickel, in der Ecklohngruppe einer Erhöhung von 1,52 bzw. 2%.

In der Verhandlungsrunde hatte die Arbeitgeberseite zunächst in aller Ausführlichkeit die angeblich so schlechte Situation der Brauerei dargestellt, aber genaue Zahlen zu den konkreten Ergebnissen, insbesondere zum Gewinn im letzten Jahr, verweigert. Die Finanzpresse aber bringt derweil die überaus erfreuliche Nachricht, dass die Inbev-Aktionäre für 2010 eine Dividende von 80 Cent je Aktie erhalten, was eine glatte Verdopplung gegenüber 2009 darstellt. Nicht genug damit: Ende Januar hatte die Sunday Times gemeldet, dass 40 Topmanager von ABInbev mit einer Bonusausschüttung von ca. 850 Millionen Euro rechnen könnten; davon erhalte der Vorstandsboss Carlos Brito allein ca. 100 Millionen Euro.

Dieter Nickel weiter: "Hundert Millionen für die Topmanager, da bleibt für diejenigen, die die Werte erarbeiten, nichts mehr übrig. Wir haben vor vier Wochen eindrucksvoll gezeigt, dass die Belegschaft von Beck & Co für ihre Interessen kämpft, und das werden wir auch gern wiederholen, wenn in der nächsten Verhandlung kein vernünftiges Angebot kommt."

Zur Erinnerung: Im Jahr 2001 war das Bremer Traditionsunternehmen Beck & Co für die unglaubliche Summe von 1,8 Mrd. Euro an die belgische Interbrew verkauft worden, die später mit der brasilianischen "Ambev" zu "Inbev" fusionierte und dann, 2008, die amerikanische "Anheuser-Busch für knapp 50 Mrd. US-Dollar übernahm und wieder neu firmierte: zu "Anheuser Busch-Inbev". Zur Finanzierung wurden damals die deutschen Brauerein zum Kauf angeboten, was aber scheiterte.

War Beck & Co über viele Jahrzehnte hinweg eine Brauerei gewesen mit guten Produkten, hohen Erträgen, relativ guten Löhnen und Sozialleistungen und langen Betriebszugehörigkeiten der Mitarbeiter, die sich noch mit ihrem Unternehmen identifizierten, wurde die Brauerei immer mehr zum Spielball der international kalkulierenden und spekulierenden Topmanager und Aktionäre.

Wie der Weserkurier von heute (04.03.11) ergänzend berichtete, beklagt sich das Management vor allem über den Margendruck der Discounter im Handel, die immer häufiger auch das gute Becks als Lockvogelprodukt einsetzten und z.T. zu Kampfpreisen von 9,99 Euro pro Kasten mit 20 Halbliterflaschen verscherbelten. Jede zweite Flasche Premium-Pils würde schon zu Aktionspreisen verramscht. Das mag zwar so sein, und das mag auch kräftig auf die Gewinne drücken. Sehr wahrscheinlich ist aber auch, dass das Inbev-Management sich bei der Werbung für die Marke Beck's und mit neuen Sorten in den letzten zwei Jahren deutlich zurückgehalten hat. Offenbar ist die ehemals attraktivste Marke im deutschen Biermarkt schon so heruntergewirtschaftet worden, dass sie heute von Discountern zu Kampfpreisen angeboten wird. Die "Alexander von Humboldt", die mit ihren grünen Segeln für ein "Spitzenpilsener von Welt" warb - das war einmal. Josef Hattig, damals verantwortlicher Marketing-Manager des Unternehmens, wird sich die Haare raufen, wenn das lesen muss.

Das jetzige Management jedenfalls erklärt, wieder auf der Suche nach weiteren Übernahmekandidaten zu sein. Zwar konzentriere sich das Unternehmen auf "organisches Wachstum", aber "wir schauen uns nach Übernahmezielen um, auch in Deutschland." So Carlos Brito, Vorstandschef zur "Welt" (welt-online v. 28.02.11). Geld sei im Konzern ausreichend vorhanden.  
Sönke Hundt