4500 Menschen haben am Sonnabend in Bonn für der Bundeswehr aus Afghanistan demonstriert. Zu den Protesten hatte ein breites Bündnis aufgerufen. Auch die Gewerkschaft ver.di war dieses Mal mit dabei. Wolfgang Uellenberg von der ver.di-Bundesverwaltung forderte einen sofortigen Waffenstillstand und die Aufnahme von Verhandlungen mit allen am Krieg beteiligten Kräften, "auch mit den Taliban und anderen Widerstandsgruppen". Am Montag begann dann die internationale Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg. Gregor Gysi, Vorsitzender der Bundestagsfraktion Die Linke, zitierte bei der Kundgebung einen UN-Bericht, demzufolge die Armut in dem Land seit zehn Jahren zugenommen habe, ebenso der Schlafmohnanbau, die Morde und Kampfhandlungen. Die afghanische Parlamentarierin Malalai Joja warf der US-Administration unter Barack Obama vor, den Krieg auch auf Pakistan auszuweiten und bezeichnete Obama als »zweiten George Bush«. Sie hoffe auf einen »afghanischen Frühling« ähnlich dem in mehreren arabischen Ländern.
Auch aus Bremen hatte ein Bündnis zur Teilnahme an der Demo aufgerufen. Der Bus, der morgens um 6 Uhr vom ZOB startete, war allerdings nicht ganz besetzt. Die Demonstration verlief, wie Teilnehmer berichteten, überwiegend friedlich - "begleitet" von einem Riesenaufgebot der Polizei in ihren schwarzen Bürgerkriegsausrüstungen.
Wie die Junge Welt von heute berichtet, demonstrierten drei Abgeordnete der Linkspartei am Montag während der Afghanistan-Konferenz. Kurz nach der Ansprache von US-Außenministerin Hillary Clinton entrollten Heike Hänsel, Christine Buchholz und Katrin Vogler im Plenarsaal ihr Banner: »NATO = Terror. Troops Out Now« – Truppen raus, und zwar sofort. Die Abgeordneten erklärten: »Mit unserer Aktion protestieren wir gegen den fortgesetzten NATO-Krieg, unter dem vor allem die Zivilbevölkerung leidet. Sie ist auch ein Protest gegen die Bonner Konferenz selbst. Hier soll der Eindruck erweckt werden, als sei die afghanische Bevölkerung vertreten." Dem sei aber nicht so. Lediglich zwei Vertreter »regierungstreuer« Nichtregierungsorganisationen dürften am Katzentisch Platz nehmen. »In Bonn wird statt dessen mit afghanischen Profiteuren der Besatzung über die Köpfe der afghanischen Zivilbevölkerung hinweg verhandelt.« Es sei außerdem eine Lüge, daß der Abzug der Bundeswehrtruppen bevorstehe. »Mit dieser Konferenz soll die dauerhafte militärische Präsenz in Afghanistan legitimiert werden." Hänsel, Buchholz und Vogler verließen nach ihrer Aktion den Konferenzort und schlossen sich den Protesten von Friedensgruppen vor dem alten Bundestagsgebäude an.
Fotos: Hartmut Drewes
(sh)