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8. November 2010

Jugendoffiziere lehren in Bremen

Bundeswehr mit Planspiel an Universität. Teilnahme ist studienrelevant.
Hinter dem Kürzel POL&IS verbirgt sich »Politik und Internationale Sicherheit«. Das Planspiel, 1980 an der Universität Erlangen entwickelt, soll jungen Menschen die deutsche Außenpolitik näher bringen - unter der Leitung von Jugendoffizieren der Bundeswehr. Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse, aber auch Studierende. Am Wochenende machten die Offiziere Halt an der Universität Bremen. Von Donnerstag bis Sonntag konnten die Studierenden dort in die Rollen von Staatschefs oder Entscheidungsträgern von Weltbank und UNO schlüpfen und die Probleme der Welt lösen – wenn nötig mittels Militärputsch oder unter Einsatz von Atomraketen.

Das Prinzip ist relativ simpel: die Welt wird aufgeteilt in verschiedene Regionen mit unterschiedlicher Bevölkerungsdichte, Ressourcen, Industrie und Agrarsektor sowie Militär, die Teilnehmenden bekommen bestimmte Rollen zugeteilt, Staatschef oder Opposition, politische Repräsentanten, Konzerneigner oder Mitglieder von NGOs wie Greenpeace oder Amnesty International. Dann verteilt der Spielleiter verschiedene Module, den Politik-, Wirtschafts- und Militärbaustein, manchmal auch den Umweltbaustein. Und los gehts, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Die Spieler können Verhandlungen führen, Demonstrationen organisieren, Wahlen ansetzen, den Ausnahmezustand verhängen, putschen, streiken oder Guerilla-Armeen bilden. Ihnen stehen Infanterie- und Panzerarmeen , Luftflotten, Marinestreitkräfte sowie atomare und chemische Waffen zu Verfügung.

Wie im wahren Kapitalismus auch produzieren die Akteure Hunger und Armut, Naturkatastrophen, Ressourcenknappheit, Finanzkrisen und politische Konflikte. Diese werden nach dem Recht des Stärkeren militärisch gelöst. Und um den Ganzen etwas mehr Pfiff zu geben, besetzten Greenpeace-Aktivisten am Rande eine Bohrinsel. Spielerisch und wie nebenbei wird den Teilnehmenden so Krieg als unabdingbares Mittel zur Lösung von Konflikten nahe gebracht.

Mit den Jugendoffizieren werden gestandene Krieger auf Jugendliche und unge Erwachsene angesetzt, um sie für die Kriegseinsätze der Bundeswehr zu begeistern, und um Kanonenfutter zu rekrutieren. Das passiert völlig legal, in Zusammenarbeit mit Bildungsministerien oder Hochschulleitungen wie bei der Uni Bremen, die die Teilnahme an dem simulierten Kriegsspiel auf das Studium anrechnet.
Birgit Gärtner

Quelle (mit freundlicher Genehmigung): Junge Welt v. 08.11.10