Die wachsende Kritik an der Bundeswehr, am völkerrechtwidrigen Krieg in Afghanisten, der allzu smarte Medien-Star-Verteidigungs-Kriegs-Minister zu Guttenberg, die an vielen Unis und Hochschulen zur Zeit aufflammende Diskussion um die "Zivilklausel", die immer stärker werdende Einflussnahme der Wirtschaft auf die Universität... Der gesellschaftliche Resonanzboden war da, und das Timing und die gute Vorbereitung durch das Bremer Friedensforum taten ihr Übriges. Die Protesterklärung gegen eine Stiftungsprofessur hat ein selten großes Medienecho gefunden hat. Wichtig war dabei die Zahl von 63 Unterschriften. Mit einer so großen Unterstützung hatten selbst die Initiatoren der Erklärung nicht gerechnet. Der folgende Überblick wurde von Ekkehard Lentz zusammengestellt. Er ist nicht vollständig, vor allem fehlen einige Radio-Interviews, die Rudolph Bauer gegeben hat. Außerdem geht die Diskussion weiter.
Linkliste wird fortgesetzt.
Interessant ist die Stellungnahme des Dekans des Fachbereichs Produktionstechnik der Universität Bremen Prof. Dr. Arnim von Gleich. Die Unterzeichner kritisieren gerade die zunehmende Geheimhaltung, der Dekan wirft den Unterzeichnern vor, dass sie die geheimen Verträge nicht kennen. Wie die Einflussnahme von privaten Unternehmen in die öffentliche Universität hinein funktioniert, dass das mit dem "Käuflich-Sein" nicht so plump abläuft, das hat Rudolph Bauer ebenso präzise wie plausibel auf der Pressekonferenz erläutert. Siehe unseren Bericht darüber. Das Bild vom Elfenbeinturm, das Prof. von Gleich hier benutzt, ist besonders merkwürdig. Denn die Unterzeichner verkriechen sich ja gerade nicht, sondern versuchen, die Gesellschaft über problematische Vorgänge an "ihrer" Universität aufzuklären und wachzurütteln. Genau aus diesem Grund ist schließlich mal die "Freiheit von Forschung und Lehre" unter den besonderen Schutz des Grundgesetzes gestellt worden.
(sh)
Hier die Erklärung des Fachbereichs Produktionstechnik:
"Ohne dass uns die Verträge zwischen der Universität und den Wirtschaftsunternehmen im einzelnen bekannt sind“ befürchten die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, wie sie selbst schreiben, „die Außensteuerung der Universität“ und die „Gefährdung der Unabhängigkeit der Wissenschaft“. Es wird einfach unterstellt, die Universität und die Kolleginnen und Kollegen in den über Stiftungsprofessuren entscheidenden Berufungskommissionen und Fachbereichsräten seien sozusagen käuflich. Und sie würden sich, angesichts der von der Firma OHB mit finanzierten Stiftungsprofessur „Weltraumtechnologie“, zunehmend auf Rüstungsproduktion oder gar Rüstungsforschung einlassen. Tatsächlich produziert die Firma OHB keine Waffen. Sie produziert u. a. Satelliten, die sowohl zur Überwachung der internationalen Rüstungskontrollverträge als auch für militärische Aufklärungszwecke einsetzbar sind (Dual-Use).
Möglicherweise viel problematischer als die mit sorgenvoller Miene vorgetragene Skandalisierung der Vorgänge in unserem Fachbereich ist allerdings die in der Erklärung zu Tage tretende Vorstellung von einem ‚richtigen‘ Verhältnis von Universität und Gesellschaft. Aus Furcht vor einer möglichen „Außensteuerung“ und einer „Gefährdung der Unabhängigkeit der Wissenschaft“ wird versucht, die Universität in ihren längst verlassenen Elfenbeinturm zurückzudrängen. Dies wird sich aber weder die Gesellschaft noch die Universität im Ernst leisten wollen bzw. leisten können. Immerhin gehören die Hinwendung zur Gesellschaft und das Bemühen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, zur Lösung grundlegender gesellschaftlicher Probleme beizutragen, zu den besten Traditionen gerade der Bremer Universität.